Energie aus Biogas: Aus Gülle wird Geld

Energie aus Biogas: Aus Gülle wird Geld

, aktualisiert 20. November 2016, 20:27 Uhr
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Die Gülle wird hauptsächlich zum Düngen der Felder verwendet. Mit Biogasanlagen kann aus den Fäkalien aber auch Strom erzeugt werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Sonnenenergie, Wasser-oder Windkraft. Um die Energiewende zu schaffen, gibt es viele Möglichkeiten. Ein Naturprodukt soll jetzt durchstarten und die Energieerzeugung ergänzen. Die Branche verlangt aber Unterstützung.

HannoverDas wohl anrüchigste Thema der Nutztiermesse „Eurotier“ hat seine eigene kleine Nische auf der Branchenschau in Hannover. Zwischen Hightech-Schweineställen und modernen Melkrobotern lotet die Branche ihre Befindlichkeiten aus. „Biogas Convention“ nennt sich die Fachkonferenz, die am Dienstag auf der Messe eine Standortbestimmung vornimmt. Aus Gülle oder Biomasse Strom erzeugen, lautet ihr Motto. Rund sechs Prozent des deutschen Energiebedarfs sichert die Branche so mittlerweile ab.
Branchenverbandspräsident Horst Seide verkündet, dass in diesem Jahr bundesweit wohl insgesamt 150 Biogasanlagen neu ans Netz gegangen seien. Einen Grund zum Jubeln sieht er dennoch nicht. Denn Teil der Wahrheit ist auch, dass der Zuwachs inklusive der wegen Insolvenz oder aus anderen Gründen stillgelegten Biogasanlagen netto gegen Null tendiert. Seide gibt daher zu: „Der Markt in Deutschland stagniert.“ Allerdings sieht er nach der getrübten Stimmung des Vorjahres nun wegen der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und eines damit wieder verlässlicheren politischen Umfelds Perspektiven.

Für eine nachhaltige Belebung des Marktes seien aber Zusatzeinnahmen nötig - etwa über den bisher stiefmütterlich behandelten Wärmemarkt. Die bisher mit durchschnittlich 2,6 Cent je Kilowattstunde vergütete Wärme aus Biogasanlagen sei dafür völlig unzureichend.
„Wenn die zahlreichen klimarelevanten Leistungen von Biogas finanziell eingerechnet würden, könnten die Anlagen zu sehr viel besseren Konditionen betrieben werden“, meint auch Seides Stellvertreter Hendrik Becker, der von einer weltweit sehr großen Nachfrage nach entsprechender deutscher Technologie berichtet. Ohne sie könnten viele der auf 600 geschätzten Biogas-Anlagenhersteller in Deutschland wirtschaftlich kaum noch überleben.

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Das bestätigt auch Bernhard Zymla von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die mit dem Branchenverband zusammenarbeitet. Vor allem in Afrika und Lateinamerika, aber auch der Karibik sei die Nachfrage enorm. „Chile etwa ist Lateinamerikas Energiewendeland schlechthin, und auch auf Kuba will die Regierung nun rund 700 Megawatt aus Biomasse erzeugen“, erklärt Zymla.
In Südafrika, wo die Regierung zur Zeit mit einem Ausbau der Kernenergie liebäugelt, erregt die Inbetriebnahme der größten Biomasse-Anlage des ganzen Kontinents gerade enormes Aufsehen. Ausgerechnet der deutsche Hightech-Automobilbauer BMW macht sich mit einer 4,5 Megawatt starken Biogas-Anlage für sein Werk in Rosslyn (bei Pretoria) unabhängig von der landesweiten Energieversorgung. Die Gülle von rund 35 000 Rindern sei dafür nötig, rechnet Zymlas Kollege Clemens Findeisen vor. „Das Potenzial für derartige Anlagen ist groß“, sagt er auch mit Blick auf mögliche Hausmüll-Vergärung.

Biogasanlagen verwerten Abfallprodukte der Agrarwirtschaft und gelten als wichtige Ergänzung der Wind- und Solarenergie. In Niedersachsens südafrikanischer Partnerprovinz Eastern Cape etwa werden sie mit wachsendem Interesse gesehen. „Das Problem ist wie in anderen Ländern aber auch die Integration in die bestehenden Netze“, sagt Findeisen.
Die Energiegewinnung mit Hilfe des regenerativen Energieträgers Biogas gilt als innovativ, steht aber vor großen Herausforderungen. Insgesamt vertritt der Fachverband Biogas nach eigenen Angaben rund 4900 Mitglieder - er sieht sich damit als Europas größte Interessenvertretung der Biogasbranche. Sie kommt nach Verbandsangaben auf einen Umsatz in Milliardenhöhe.

Quelle:  Handelsblatt Online
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