ThemaRohstoffe

Energieagentur: Die USA steigen zum Öl-König der Welt auf

12. November 2012, aktualisiert 12. November 2012, 14:27 Uhr
Umstrittene Energiequelle: Ein Bohrloch für Schiefergas im US-Bundesstaat North Dakota. Quelle: Handelsblatt OnlineBild vergrößern
Umstrittene Energiequelle: Ein Bohrloch für Schiefergas im US-Bundesstaat North Dakota. Quelle: Handelsblatt Online
von Sebastian Ertinger Quelle: Handelsblatt Online

Pennsylvania statt Persischer Golf: Die USA steigen der Internationalen Energieagentur zufolge zum größten Ölförderer der Welt auf. Sie deklassieren Saudi Arabien und Russland. Doch das Nachsehen werden andere haben.

Düsseldorf/LondonDie USA werden bei der Ölproduktion die klassischen Förderländer Saudi Arabien und Russland überholen. Bis zum Jahr 2017 werden sich die USA vom weltgrößten Energieverbraucher zum größten Produzenten wandeln, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). Das Land werde seinen Bedarf weitgehend aus den eigenen Quellen decken können, schreibt die Agentur in ihrem heute vorgestellten Ausblick zum Energiemarkt. Schon bis 2015 steigt das Land zudem zum größten Gasproduzenten der Welt auf.

Anzeige

Die wachsende Fördermenge aus unkonventionellen Quellen katapultiert das Land bis zum Jahr 2030 sogar in die Rolle eines Öl-Exporteurs. „Die USA importieren derzeit rund 20 Prozent ihres gesamten Energiebedarfs. Doch das Land wandelt sich zum Selbstversorger“, heißt es in dem IEA-Bericht. „Das ist eine drastische Umkehr zu der Entwicklung in anderen Staaten, die Energie einführen.“

Grund für diesen grundlegenden Wandel sind neue Fördermethoden, die bislang unerreichbare Öl- und Gasquellen erschließen. Bei der Fracking genannten Methode werden unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in poröse Schiefergesteinsformationen gepresst, um darin gebundenes Öl oder Gas an die Oberfläche befördern zu können.

Nach konservativen Schätzungen lässt sich so die US-Ölproduktion von heute 7,8 Millionen Barrel pro Tag bis 2020 auf 11,6 Millionen Barrel steigern - mehr als Kuwait, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar dann zusammen fördern werden.

Was hinter „Fracking“ steckt

  • „Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

    Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

  • Künstliche Fließwege

    Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

  • Gefahr für das Grundwasser

    Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

  • Beherrschbarkeit des Verfahrens

    Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

  • Lagerstätten in Deutschland

    In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

  • ... und in der Welt

    Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Bisher haben die USA ihren Öldurst vor allem in den Golf-Staaten gestillt und zur Sicherung ihrer Versorgung in Bahrain, Katar, Kuwait und anderen arabischen Golf-Anrainerstaaten große Militärbasen eingerichtet. „Krieg für Öl“ wurde Washington vorgeworfen, als George W. Bush die US-Armee zum zweiten Mal in den Irak einmarschieren und den Diktator Saddam Hussein stürzen ließ. Nun spüren die Scheichs den Rückgang der Ölnachfrage aus den USA.

Der weltweite Verbrauch wird bis zum Jahr 2035 auf 99,7 Millionen Fass Rohöl am Tag steigen. Ein Fass Rohöl (Barrel) entspricht rund 159 Litern. Im vergangenen Jahr bezifferte sich der Öldurst auf 87,4 Millionen Fass, teilte die IEA mit. Die Organisation berät 28 Industrienationen bei Energiefragen, etwa die USA, Japan und Deutschland.

Die wachsende Förderung von Öl und Gas verschafft den USA eine größere Unabhängigkeit von ausländischen Quellen. Damit ist das Land auch weniger anfällig bei Lieferschwierigkeiten oder Störungen. Kriege und Stürme lassen die Förderung in den betroffenen Regionen stocken. Damit steigen auch die Preise auf dem Weltmarkt. Die EU-Staaten haben etwa ihre Öleinfuhren aus dem Iran ausgesetzt. Das Land war der zweitgrößte Produzent im Ölkartell Opec.

Anzeige

WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: BW PARTNER
  • Branchenführer: Allen & Overy LLP
  • Branchenführer: BENKERT + PARTNER

WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.