Energiekonzern: Britische Tochter bereitet Innogy Sorgen

Energiekonzern: Britische Tochter bereitet Innogy Sorgen

, aktualisiert 12. Mai 2017, 08:15 Uhr
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Seit zwei Jahren kämpft das Unternehmen mit hausgemachten Problemen in Großbritannien.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Innogy ist mit einem Gewinnplus ins neue Jahr gestartet – hat aber auch eine negative Überraschung parat: Die Probleme auf dem wichtigsten Auslandsmarkt Großbritannien bekommt die grüne RWE-Abspaltung nicht in den Griff.

DüsseldorfAnfang April feierte Innogy den ersten Geburtstag. Erst ein Jahr zuvor hatte RWE die Sparten Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb ausgegliedert. Im Oktober ging der jüngste deutsche Energiekonzern an die Börse. Und Vorstandschef Peter Terium ist überzeugt: „Innogy hatte einen erfolgreichen Start.“ Das hielt der Niederländer vor gut zwei Wochen bei der ersten Hauptversammlung fest.

Der Start ins neue Jahr war dagegen nur mäßig erfolgreich: Zwar konnte das neue Unternehmen den operativen Gewinn leicht steigern. Innogy musste aber auch einräumen, dass die Geschäfte im britischen Vertriebsgeschäft schlechter laufen als erwartet. Dabei wollte Konzernchef Terium die Probleme bei der Tochter eigentlich bald bereinigt haben.

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„Die Aussichten im Segment Vertrieb Großbritannien haben sich erheblich eingetrübt“, erklärte das Unternehmen im Zwischenbericht für das erste Quartal. In einem „sehr intensiven Wettbewerb“ habe sich das Marktumfeld verschlechtert. Daher geht Innogy nicht mehr davon aus, 2017 im britischen Vertriebsgeschäft wieder ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern zu erreichen. Das Ebit des britischen Vertriebsgeschäfts brach um 74 Prozent auf 34 Millionen Euro ein.

Seit zwei Jahren kämpft das Unternehmen mit hausgemachten Problemen in Großbritannien. Die Tochter hatte massive Probleme bei IT und Kundenservice und damit viele Kunden verprellt, das dortige Management ausgetauscht und eine Sanierung eingeleitet. Die Umsetzung des Anfang 2016 gestarteten Restrukturierungsprogramms liege „voll im Plan“, betonte das Unternehmen zwar jetzt bei der Vorlage des Zwischenberichts.

Gleichzeitig haben sich aber die Rahmenbedingungen verschlechtert. Die Regulierung in Großbritannien ist scharf und der Wettbewerb hart. Die erreichten Effizienzverbesserungen könnten die „sich weiter verschlechternden Marktbedingungen und geringere Margen nicht annähernd kompensieren“. Innogy will „mit zusätzlichen Effizienzmaßnahmen“ gegensteuern, hält aber auch einen „weiteren regulatorischen Eingriff im britischen Vertriebsgeschäft, beispielsweise in Form einer Preisobergrenze bei Standardtarifen“ für möglich.

Im gesamten Unternehmen sind die Geschäfte in den ersten drei Monaten des Jahres dagegen ordentlich gelaufen. Das Ebit stieg – ohne Berücksichtigung von Sondereffekten – um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Innogy erzielte auch ein positives bereinigtes Nettoergebnis von 684 Millionen Euro. Einen Vergleichswert aus dem Vorjahr nannte der Konzern aber nicht – weil damals die Abspaltung noch nicht umgesetzt war. Der Umsatz sank um sieben Prozent auf 12,4 Milliarden Euro.

„Der Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2017entspricht unseren Erwartungen", sagte Finanzvorstand Bernhard Günther. Er bestätigte die Prognosen, die Innogy im März gegeben hatten.


Unternehmen spürt die Flaute bei Wind

Gut liefen die Geschäft im Netzgeschäft. Dort kletterte das Ebit um 29 Prozent, weil Innogy weniger Geld für die Instandhaltung des deutschen Netzes aufwenden musste. Im Unternehmensbereich Erneuerbare Energien gab das Ebit dagegen um 13 Prozent auf 134 Millionen Euro nach. Innogy litt schlicht darunter, dass der Wind weniger stark wehte und die großen Offshore-Windparks weniger Ertrag abwarfen. Auch im Vertrieb sank das Ebit um neun Prozent auf 490 Millionen Euro. Neben den Problemen in Großbritannien leidet Innogy auch in den Niederlanden und Belgien unter Einbußen bei Absatz und Kunden.

Innogy hatte bei der Abspaltung von RWE das Geschäft mit der Energiewende übernommen. Es besteht zu 60 Prozent aus reguliertem oder quasi-reguliertem Geschäft: Im Netzbetrieb werden die Renditen zwar von den Aufsichtsbehörden gedeckelt, aber auch garantiert. Bei den erneuerbaren Energien sind die Erträge durch langfristige Förderungen auch zu einem großen Teil kalkulierbar. Innogy biete „Verlässlichkeit und Perspektive“, hatte Terium auf der Hauptversammlung versprochen.

Auf die Verlässlichkeit von Innogy setzt auch RWE. Der Konzern hält noch 77 Prozent und braucht die Dividenden, um das eigenen Überleben zu sichern. RWE selbst leidet unter einer hohen Schuldenlast und ist operativ nur noch für den Großhandel und die notleidende konventionelle Stromproduktion zuständig. Die Kohle- und Gaskraftwerke leiden unter der Energiewende. Im vergangenen Jahr war RWE durch Abschreibungen auf die Kraftwerke tief in die Verlustzone gerutscht. Am Montag wird sich zeigen, wie Innogys Mutterkonzern selbst der Neustart gelungen ist. Dann legt RWE die Zahlen für das erste Quartal vor.

Innogys Hauptkonkurrent ist Eon. Der Energiekonzern hatte sich wie RWE im vergangenen Jahr aufgespalten. Im Gegensatz zu RWE hat Eon-Chef Johannes Teyssen aber das alte Geschäft in die neue Uniper SE abgespalten. Eon selbst behielt die Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze – ist also operativ genauso auf die neue Energiewelt ausgerichtet wie Innogy.

Eon legte schon am vergangenen Dienstag den Zwischenbericht für das erste Quartal vor. Der Energiekonzern, der das vergangene Jahr mit einem Rekordverlust von 16 Milliarden Euro abgeschlossen hatte, verbuchte zwar wieder ein positives Nettoergebnis von 735 Millionen Euro, das lag aber um 42 Prozent niedriger aus als im ersten Quartal 2016, das noch weitgehend unbelastet von Abschreibungen war.

Das operative Ergebnis nach Zinsen und Steuern (Ebit) gab ebenfalls um rund ein Drittel auf rund eine Milliarde Euro nach. Eon litt im Vertrieb unter höheren Entgelten für die Nutzung der Stromnetze und höheren Beschaffungspreisen für Strom und Gas. Zudem lieferte die Atomsparte Preussen-Elektra, die nur als Randgeschäft geführt wird, ein geringeres Ergebnis, weil das Atomkraftwerk Brokdorf nach einer Revision länger am Netz war als erwartet. Das Management ist aber zuversichtlich die negativen Effekte im Jahresverlauf wieder auszugleichen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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