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Energieversorgung: Russland bricht Lieferzusagen

Quelle: Handelsblatt Online

Das Stromnetz in Deutschland ist trotz der eisigen Temperaturen noch stabil. Italien arbeitet dagegen bereits an einem Notstandsplan. Ausbleibendes Gas aus Russland macht den Energieversorgern in beiden Ländern Probleme.

Russland liefert weniger Gas nach Europa, doch die deutschen Versorger geben sich entspannt. Quelle: dapd
Russland liefert weniger Gas nach Europa, doch die deutschen Versorger geben sich entspannt. Quelle: dapd

DüsseldorfDeutschland bibbert – und Deutschland heizt gegen die Kälte an. Bislang ohne Probleme. Trotz der Extremtemperaturen mit bis zu minus 30 Grad Celsius funktioniert die Energieversorgung reibungslos, die Netze sind stabil. Und nicht mal die reduzierten Gaslieferungen aus Russland machen den Energieversorgern Sorgen.

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„Gazprom liefert uns auch heute eine um rund ein Drittel eingeschränkte Gasmenge“, sagte Adrian Schaffranietz, Sprecher von Eon-Ruhrgas zu Handelsblatt Online. Die RWE Supply & Trading, innerhalb des RWE-Konzerns für den Gaseinkauf zuständig, hat ebenfalls mit einer Lieferkürzung von knapp einem Drittel zu kämpfen. Beide Unternehmen widersprechen damit indirekt dem russischen Gaslieferanten Gazprom. Der stellvertretende Gazprom-Chef Andrej Kruglow hatte laut der Agentur Interfax am Samstag erklärt, dass die Liefermengen nach Europa wieder das Vertragsniveau erreicht hätten.

Nicht nur in Deutschland, auch in Italien kommt aber weiterhin weniger Gas an. Und dort ist die Lage brenzlig. Paolo Scaroni, Chef des Energiekonzerns Eni, sprach von 25 bis 30 Prozent weniger Gas. Bisher konnten größere Lieferungen aus Algerien und Nordeuropa die Lücke schließen, ab Donnerstag aber befürchtet Eni Engpässe. Man arbeite an einem Notstandsplan.

Von der EU-Kommission hieß es dagegen am Montagnachmittag: „Es gibt keinen Notstand in Europa. Verbraucher und Industrie bekommen ihr Gas wie zuvor“, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Brüssel. Deutschland, Italien und Rumänien erhielten zwar weniger russisches Gas, könnten die fehlenden Mengen aber problemlos am Markt kaufen. Die sibirische Kälte hat Italien dennoch besonders stark getroffen. Von den Verhältnissen in Italien ist Deutschland, größter Gas-Abnehmer in der EU, weit entfernt.

„Die Versorgungssicherheit unserer Kunden ist weiterhin nicht gefährdet“, sagte Barbara Minderjahn, Sprecherin von RWE Supply & Trading im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wir beziehen Gas nicht nur aus Russland, sondern auch aus weiteren Quellen wie Norwegen und den Niederlanden. Darüber hinaus sind die Gasspeicher weiterhin gut gefüllt.“ Wie lange die Lieferkürzungen anhalten werden, ist bisher noch nicht abzuschätzen.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin brachte als Lösung für die Lieferprobleme den Bau neuer Leitungen von Russland in den Westen ins Gespräch. Schuld an der Lage hätten diejenigen, die sich lange gegen die Ostseepipeline Nord Stream gewährt hätten. Im vergangenen November war der erste Strang der Leitung in Betrieb gegangen. Ohne Verzögerungen hätte Gazprom heute schon neue Förderstätten erschlossen haben können, sagte Putin.


„Die Lage ist angespannt, aber nicht kritisch“

Die Energieversorgung in Deutschland wird aber bisher weder vom Gasstreit, noch von den niedrigen Temperaturen negativ beeinflusst. Mit minus 28,7 Grad Celsius wurde in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern in der Nacht zu Montag ein neuer Kälterekord in diesem Winter gemessen. In den nächsten Tagen bleibt es kalt. „Am Dienstag wird es noch frostiger“, sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst.

Dennoch: Alle Kraftwerke seien am Netz und die Last nicht extrem hoch, meldet der Netzbetreiber Tennet, der das ehemalige Eon-Höchstspannungsnetz mit einer Länge von 10.700 Kilometern betreibt. „Die Lage ist angespannt, aber nicht kritisch“, sagte eine Sprecherin.

Probleme entstünden erst, wenn es über einen längeren Zeitraum noch kälter sei und auch die Tagestemperaturen in den zweistelligen Minusbereich fallen würden, heißt es vom Netzbetreiber Amprion. Das ehemals zum RWE-Konzern gehörende Unternehmen betreibt ein gut 12.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz.

Die Bundesnetzagentur sieht ebenfalls keine Kälteprobleme auf das deutsche Stromnetz zukommen. „Wir haben Vorsorge getroffen“, heißt es kurz und knapp aus Bonn. Maßnahmen zur Netzstabilisierung sind anscheinend nicht erforderlich. Und das, obwohl acht Kernkraftwerke bisher im Zuge der Energiewende vom Netz gegangen sind. Die großen Versorger hatten gewarnt, ohne Frankreichs Atomkraftwerke drohten im Winter hierzulande Stromausfälle.

„Im Winter werden wir uns auf diese Helfer verlassen können“, sagte Jürgen Großmann im Juli vergangenen Jahres. Nicht nur durch die aktuell stabilen Netze wird der RWE-Chef widerlegt. Die Zahlen des Verbandes der europäischen Übergangsnetzbetreiber Enso weisen für Deutschland in den letzten Tagen sogar häufig einen Nettoexport von Strom aus. Im gesamten vergangenen Jahr exportierte Deutschland ebenfalls mehr Strom als es importierte.

Für die Bundesregierung sind die erneuerbaren Energien entscheidend für die Netzstabilität. „Der Ausbau von Wind und Solar zahlt sich aus“, sagte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums am Montag in Berlin. Gerade bei den frostigen Temperaturen brächten die erneuerbaren Energien Versorgungssicherheit.

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