Entlassungen bei Siemens: Kaesers Kahlschlag

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Entlassungen bei Siemens: Kaesers Kahlschlag

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Siemens-Chef Joe Kaeser soll von Analysten den Abbau von 11.600 Stellen angekündigt haben.

Schlechte Nachrichten für die Siemens-Mitarbeiter. Chef Joe Kaeser hat den Abbau von 11.600 Stellen bekanntgegeben. Damit will der Konzern rund eine Milliarde Euro einsparen.

Siemens wird mindestens 11.600 Arbeitsplätze streichen - das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Vorstandschef Joe Kaeser habe dies am späten Donnerstag gegenüber Analysten und Investoren im Rahmen einer Webcast-Konferenz gesagt. Mit dem Stellenabbau will Kaeser die Kosten für den Technologiekonzern um rund eine Milliarde Euro senken. Siemens selbst hat die Meldung noch nicht bestätigt.

Die WirtschaftsWoche hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass Insidern zufolge 10.000 Arbeitsplätze gefährdet sein, Schwerpunkt des Abbaus könnte der Standort Erlangen sein.

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Den Angaben von Bloomberg zufolge fallen 7600 Stellen weg, weil das Unternehmen gestrafft wird und eine neue Sparten-Struktur erhält. Hinzu kämen 4000 überflüssige Jobs bei regionalen Länder-Gruppierungen. Einige der betroffenen Mitarbeiter würden andere Positionen angeboten bekommen.

Vision von Siemens 2020
Kaeser, der zuvor Finanzchef war, hatte nach der Übernahme des Chefpostens mit einer Strategie-Überprüfung des Unternehmens begonnen. Das Programm "Siemens - Vision 2020" sieht eine Reihe von Umstrukturierungen vor. Ziel dabei ist es, das Investorenvertrauen wieder herzustellen - nach einer Reihe verfehlter Gewinnziele unter seinem Vorgänger Peter Löscher. Der daraus entstandene Plan, der diesen Monat vorgestellt wurde, sieht die Gründung von neun Divisionen vor.

Das Energiegeschäft steuert der Konzern künftig aus den USA. Dort sieht Kaeser die größten Geschäftschancen. Der renditestarken Medizintechniksparte gibt der Manager mehr Freiheiten. Sie soll ein Unternehmen im Unternehmen werden – späterer Börsengang nicht ausgeschlossen. Die Sparte macht einen Umsatz von 13,6 Milliarden und beschäftigt 51.000 der 360.000 Mitarbeiter weltweit.

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Zuvor war das Unternehmen in vier Sektoren aufgeteilt: Medizintechnik, Energie, Industrie, Infrastruktur&Städte. Diese Ebene fällt komplett weg. Unter der Führung von Ex-Siemens-Chef Peter Löscher ist der Konzern nach Dafürhalten von Kaeser zu schwerfällig und bürokratisch geworden. Das Ergebnis einer internen Umfrage unter den Managern gibt ihm Recht.

Im vergangenen August hatte er den Führungskräften weltweit vier Fragen gestellt, die 2500 von ihnen wie folgt beantworteten: Auf die Frage, ob Siemens "nah genug am Kunden" sei, meinten 41 Prozent nein. 45 Prozent halten Siemens nicht für "innovativ genug". Auf Kaesers Frage, wo sie die "Brandherde der Bürokratie" im Konzern sähen, antworteten 29 Prozent der Siemens-Manager: in der Konzernzentrale. 28 Prozent nannten die regionalen Cluster des Konzerns und 20 Prozent die Bündelung der Geschäftsbereiche.

Kaeser hat die Devise ausgegeben, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Der Fokus liegt ab jetzt auf Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Unternehmensteile, die nicht dazugehören werden abgestoßen. Stellenabbau ist bei Siemens nichts neues: Im vergangenen Herbst kündigte der Münchener Konzern den Abbau von 15.000 Arbeitsplätzen an, die nun genannten Stellen kommen zusätzlich dazu.

Hintergrund zum Übernahme-Poker um Alstom

  • Warum soll Alstom seine Unabhängigkeit verlieren?

    Das Unternehmen wird für zu klein gehalten, um langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Aktuell gibt es keine großen Probleme, aber bereits für das vergangene Geschäftsjahr musste der Konzern einen Gewinneinbruch um mehr als ein Viertel auf 556 Millionen Euro verbuchen. Weiter schwächen könnte Alstom ein Korruptionsverfahren in den USA, das mit einer Rekordstrafe enden könnte. Dieser Punkt spielt auch bei der laufenden Risikoprüfung durch Siemens eine Rolle.

  • Warum scheint die Alstom-Führung gegen Siemens zu sein?

    Konzernchef Kron wird eine hartnäckige Abneigung gegen Siemens nachgesagt. Angeblich nimmt er dem deutschen Unternehmen bis heute Ereignisse aus dem Alstom-Krisenjahr 2004 übel. Die Münchner hatten über Einflussnahme in Brüssel versucht, einen mit Staatsgeldern finanzierten Rettungsplan für Alstom zu stoppen, weil sie schon damals Teile des Konzerns übernehmen wollten. Kron ist zudem der Ansicht, dass Siemens und Alstom in zu vielen Bereichen direkte Konkurrenten sind. Für die letztlich entscheidenden Großaktionäre könnte eine Rolle spielen, dass Genral Electric die Alstom-Energietechnik etwas höher bewertet, als Siemens es in einer ersten Schätzung getan hat.

  • Welche Schritte stehen als nächstes an?

    Sobald Siemens seine Karten auf den Tisch gelegt hat, ist wieder der Alstom-Verwaltungsrat am Zug. Sollten die Münchner ein Angebot machen, würde die GE-Führung noch einmal einige Tage Zeit bekommen, um ihre Offerte nachzubessern. Eine schnelle Entscheidung ist allerdings nicht zu erwarten. Die Amerikaner ließen am Donnerstagabend mitteilen, dass sie auf Wunsch der französischen Regierung die Laufzeit ihres ersten Angebots um knapp drei Wochen bis zum 23. Juni verlängert haben. Damit dürfte sich das ganze Verfahren weiter in die Länge ziehen.

Als wäre die Lage für die Mitarbeiter nicht schon kritisch genug, treibt sich Siemens derzeit auch noch mit Übernahmegedanken um. Kaeser lässt prüfen, ob sich ein Angebot für den französischen Konkurrenten Alstom lohnt.

Der amerikanische Rivale General Electric hat bereits eine Offerte über 12,3 Milliarden Euro vorgelegt. Siemens will sein Angebot am 16. Juni vorlegen. Gewerkschaften haben sich zu den Plänen besorgt geäußert.

Mit Material von Bloomberg

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