Eon-Tochter Uniper: Kondome statt Kraftwerke

Eon-Tochter Uniper: Kondome statt Kraftwerke

, aktualisiert 17. August 2016, 12:38 Uhr
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Links die Website des Erotikhändlers, rechts die der Eon-Tochter. (Klicken zum Vergrößern)

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Uniper hat kurz vor dem Börsengang ein pikantes Problem: Investoren, die im Internet nach der Eon-Abspaltung suchen, landen leicht bei einem Namensvetter. Der verfolgt allerdings ein völlig anderes Geschäftsmodell.

DüsseldorfSeit Anfang des Jahres ist Uniper am Markt, im September will die Eon-Tochter sogar an die Börse. Firmenchef Klaus Schäfer kämpft vom Start weg aber mit einem ebenso grundsätzlichen wie großen Problem: Er hat alle Mühe, den Charme seines neuen Unternehmens heraus zu stellen. Uniper hat von Eon eben vor allem die notleidenden Kohle- und Gaskraftwerke übernommen – und die werden schnöde von Windrädern und Solaranlagen aus dem Markt gefegt. Schäfers Portfolio wirkt fantasielos und langweilig. Eine „sexy Story“, wie sie Investoren gerne haben, sieht jedenfalls ganz anders aus.

Vielleicht mögen die potentiellen Anleger also im ersten Moment sogar angenehm überrascht sein, wenn sie sich im Internet auf der – für ein deutsches Unternehmen durchaus naheliegenden – Internetseite „www.uniper.de“ verirren. Dort erwartet den Besucher das „Home of Adult Pleasure“ – hier soll die Lustbefriedigung von Erwachsenen ein Zuhause haben. Er kann nicht nur unter einer Vielzahl an unterschiedlichen Kondomen wählen, sondern aus einem umfangreichen Sortiment vom Gleitmittel über Massageöl bis zur einfachen Batterie, die Kunden für diverse Spielzeuge benötigen.

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Für Vibratoren gibt es eine eigene Rubrik mit nicht weniger als 1158 Angeboten – vom „Silicone Love Rider“ bis zum „wasserdichten Rabbit“. Und eine weitere Rubrik kümmert sich speziell um Sexspielzeug für Damen – zum Beispiel „zarte Nippelklemmen in Schwarz“ für 15,95 Euro. Alles in allem noch einmal 456 Angebote.

Der Name Uniper steht zwar nach Schäfers Erklärung für „unique performance“ – „einzigartige Leistungsfähigkeit“ – und das mag auch für das auf der Homepage erhältliche Sortiment gelten – aber selbstverständlich hat der Energiekonzern nicht sein Portfolio erweitert. Die Domain „.de“ gehört der Uniper UG mit Sitz im schwäbischen Asperg bei Stuttgart.

Das Unternehmen wurde am 18. September 2015 beim Amtsgericht Stuttgart von Geschäftsführer Tim Häußler als Unternehmergesellschaft eingetragen. Eine „UG“ ist haftungsbeschränkt und mit weniger Einsatz zu gründen wie eine „GmbH“. Als Unternehmensgegenstand gilt das „Handeln mit Kondomen“, das Stammkapital beträgt nicht mehr als 500 Euro. Die Homepage soll erst seit wenigen Wochen im Netz sein.

Der 35-jährige Häußler war auf Anfrage für Details seines Unternehmens nicht zu erreichen. Ein Sprecher der Uniper SE lehnte einen Kommentar ab.


Uniper ist nicht einzigartig

Der Namensvetter mit seinem pikanten Angebot mag für den Energiekonzern ärgerlich sein, rechtlich ist aber wohl alles in Ordnung. Markennamen lassen sich immer nur für bestimmte Produkt- und Dienstleistungsklassen sichern. So hat sich Noch-Eigentümer Eon den Namen Uniper zwar unter anderem für den „Handel mit Kohle“, den „Handel mit Strom und Gas“ sowie die „Erzeugung von Strom aus Gas, Wasser, Kohle, Kernkraft“ und sogar aus „erneuerbaren Energien“ sichern lassen – aber aus verständlichen Grünen nicht für den Handel mit Erotikartikeln. Es gab bei der Namensgebung vor mehr als einem Jahr noch andere Unipers auf der Welt und auch die Seiten „uniper.de“ und „uniper.com“ waren schon vergeben.

Der Energiekonzern versuchte zwar – wie es in Branchenkreisen heißt – gängige Domains aufzukaufen. Aber schon bei der wichtigsten, „www.uniper.com“, stieß er auf zu großen Widerstand. Der Eigentümer, ein kleines schwedisches IT-Unternehmen, forderte viele Millionen. Eon war zwar bereit, den Schweden ein Vielfaches von deren Jahresumsatz zu bezahlen, aber die Forderung war einfach zu hoch. Den Versuch, die Domain „.de“ zu bekommen, unternahmen die Juristen des Energiekonzerns offenbar erst gar nicht mehr.

Eon-Chef Johannes Teyssen und Uniper-Chef Klaus Schäfer entschieden sich schließlich für einen auf den ersten Blick cleveren Schachzug. Die Uniper SE wählte eine Adresse, die schon direkt den Geschäftszweck wiedergibt – und noch komplett frei war: „www.uniper.energy“.

Inzwischen erscheint der Zug allerdings nicht mehr ganz so clever. Damals lief „uniper.de“ noch ins Leere – seit kurzem ist aber das pikante Sex-Angebot online.

Quelle:  Handelsblatt Online
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