Erdöl: Warum das Öl doch nicht knapp wird

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Erdöl: Warum das Öl doch nicht knapp wird

von Hans Jakob Ginsburg

Noch geht uns das Öl nicht aus: Nach neuesten Erkenntnissen und dank des technischen Fortschritts sind die weltweit nutzbaren Vorräte des begehrten Rohstoffs größer als erwartet.

Seriöse Warnungen, den Industrieländern drohe eine neue Versorgungskrise beim Erdöl, kamen viele Jahre vor allem aus Paris. Dort sitzt die Internationale Energieagentur (IEA), sozusagen die Gegenorganisation der Industriestaaten zum Produzentenkartell Opec. Umso überraschender sind die Zahlen, die IEA-Experten nun auf einmal präsentieren. Danach deutet sich eine bessere Versorgung der Weltrohölmärkte in den nächsten fünf Jahren und ein signifikanter Anstieg der Fördermengen an. 2017 soll die globale Nachfrage bei etwa 95 Millionen Barrel liegen – die Förderkapazität hingegen bei 105 Millionen Barrel.

Gründe dafür gibt es reichlich. Der pikanteste: die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Im April 2010 starben bei dem Unglück elf Menschen, verbreiteten sich riesige Ölmengen im Meer, erlitt der Energiekonzern BP einen schweren Imageschaden. Die Folge: Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko wurden unter dem Druck der Politik stark zurückgefahren.

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In ihrer Not verstärkten die großen Ölkonzerne dafür ihre Aktivitäten an anderer Stelle. „Bohrtürme und Bohrinseln wurden vom Golf von Mexiko in andere Weltgegenden verlagert, die die Tiefsee für eine Pionierregion der Energiegewinnung halten“, schreibt der renommierte Ölexperte und Buchautor Daniel Yergin. Tief unter dem Meer vor den Küsten von Katar, Angola und vor allem Brasilien forschen Ölfirmen seitdem unter Hochdruck nach neuen Vorkommen – und haben überraschend viel Erfolg. Im sogenannten Santos-Becken etwa haben Geologen des brasilianischen Konzerns Petrobras ein Vorkommen mit mindestens fünf Milliarden Barrel erschließbaren Erdöls entdeckt, der größte Fund auf der Welt seit Entdeckung des Kashagan-Feldes in Kasachstan im Jahr 2000. Brasilien könnte in 15 Jahren fast sechs Millionen Barrel am Tag fördern, fast doppelt so viel wie das Nachbarland Venezuela heute. Die Welt hätte für ihren Öldurst eine neue sichere Quelle, politisch stabiler als die Lieferanten im Nahen Osten.

Übersicht zu den wichtigsten Ölförderländern (zum vergrößern bitte Bild anklicken)

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Doch auch der Nahe Osten trägt zum neuen Optimismus unter Erdölförderern bei. Wieder war eine Katastrophe der Auslöser, aber eine ganz anderer Natur: 2011 brachte der Bürgerkrieg in Libyen die Ölförderung des Landes monatelang zum Erliegen; die auch für Deutschlands Versorgung wichtige libysche Ölproduktion brach im Gesamtjahr um 71 Prozent ein. Es kam aber zu keinen Versorgungsengpässen, weil andere Länder die Lücke mühelos schlossen. Allein die Saudis erhöhten ihre tägliche Rohölproduktion um 1,2 Millionen Barrel, das entsprach ziemlich genau dem libyschen Produktionsausfall.

Bessere Technik

Dies hat die These der Skeptiker nachhaltig erschüttert, die seit Jahrzehnten die in offiziellen Statistiken ausgewiesenen Ölvorkommen und Produktionskapazitäten in Saudi-Arabien und seinen Nachbarländern für eine Fata Morgana hielten. In Wirklichkeit haben die Saudis ihren Anspruch bestätigt, als sogenannter Swing Producer bei Bedarf große Schwankungen im Angebot der übrigen Ölproduzenten auszugleichen.

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Große Fortschritte in der Fördertechnologie erlauben den Saudis jetzt anhaltende Produktionssteigerungen: Ölvorkommen, aus denen sich im 20. Jahrhundert allenfalls 30 oder 40 Prozent der Gesamtmenge gewinnen ließen, lassen sich nun zu 60 oder 70 Prozent ausbeuten – ähnlich wie in Nordamerika, wo neue Techniken, die Erschließung kanadischer Ölsände und amerikanischen Ölschiefers ein gewaltiges Wachstum der Produktion erwarten lassen. Leonardo Maugeri, Dozent an der Universität Harvard und zuvor Top-Manager des italienischen Energiekonzerns ENI, rechnet für 2020 mit einer weltweiten Förderkapazität von über 110 Millionen Barrel pro Tag – 2011 lag die weltweite Produktion bei 83,6 Millionen Barrel.

Allerdings muss auch die Konjunktur mitspielen. Eine weltweite Rezession mit entsprechendem Nachfragerückgang, der den Ölpreis spürbar drückt, könnte Investitionen in neue Technologien schnell wieder unwirtschaftlich machen.

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