Evonik-Börsengang: Heuschrecke frisst Steuergelder

Evonik-Börsengang: Heuschrecke frisst Steuergelder

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Werner Müller war nicht nur Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, sondern auch (von 2003-2008) Vorstandsvorsitzender von Evonik. Mittlerweile ist Müller Aufsichtsratsvorsitzender bei Evonik sowie Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung.

von Christof Schürmann

Der Essener Konzern geht nun vorrausichtlich doch an die Börse. Mit den Erlösen sollen die Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlebergbaus bestritten werden, statt den Steuerzahler anzuzapfen. Ob das klappt, ist fraglich. Doch ein Gewinner steht schon fest: Der Finanzinvestor CVC, der sich 2008 für einen Schnäppchenpreis in den Staatskonzern einkaufte.

Wer im Ruhrgebiet entlang der berühmten B1 lebt, kennt nicht nur die zermürbenden Staus im größten Ballungsgebiet Europas, sondern auch Krater. Plötzlich auftretende Löcher, die mal größeren Schlaglöchern ähneln, aber auch wie vor zwei Jahren mehrere Autos an der Frillendorfer Straße in Essen verschlingen oder wie einst in der Emilstraße in Wattenscheid gleich zwei Garagen, ein Auto und elf Tannen unter sich begraben. Schuld sind die alten Stollen, die den gesamten Ruhrpott durchziehen und auf ewig Kosten verursachen werden.

Wenigstens 20 000 Schächte und Stollen im Ruhrgebiet sind nachweislich einsturzgefährdet. Experten schätzen, dass es noch 40 000 weitere geben könnte. Schäden reguliert die Essener RAG, die frühere Ruhrkohle AG, die den  hochsubventionierten Steinkohlebergbau mit seinen Altlasten unter sich vereint, diesen bis 2018 abwickelt und von 2019 an dann die Altlastenregulierung an die RAG-Stiftung abgeben wird. Diese hält 100 Prozent an der RAG und zudem 74,99 Prozent am Essener Chemiekonzern Evonik, der wiederum noch 51 Prozent am Energieerzeuger Steag und 50 Prozent an der Immobiliengesellschaft Vivawest besitzt.

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Steuergeld als Parteispende

Evonik (Umsatz 2011: 14,5 Milliarden Euro) soll seit Jahren an die Börse. Die Stiftung, so der Plan, soll den Börsenerlös anlegen und mit den Erträgen daraus die Ewigkeitskosten decken, die bisher der Steuerzahler pro Jahr mit bis zu 2,5 Milliarden Euro bezahlte. Steuergeld, das im Übrigen per Großspende von der RAG auch mal gerne an die beiden Parteien SPD und CDU floss, statt an bergbaugeschädigte Ruhrpöttler. Wie mit Steuergeldern umgegangenen wird, zeigt der damalige Evonik-Chef und heutige RAG-Stiftungsvorstand Werner Müller auch im Juni 2008.

Damals verscheuerte er einen Anteil von 25,01 Prozent an Evonik für 2,4 Milliarden Euro an den britischen Finanzinvestor CVC, der seither nicht nur über seine Sperrminorität das Handeln in der Essener City diktieren kann, sondern sich auch an üppigen Garantiedividenden labt.

Hohe Ausschüttungen

CVC finanzierte den Evonik-Einstieg wegen der seinerzeitigen Krise an den Kreditmärkten mit einem ungewöhnlich hohen Eigenkapitaleinsatz von gut 1,2 Milliarden Euro. Die verbleibenden knapp 1,2 Milliarden Euro stellte ein Konsortium aus acht Banken zur Verfügung: Bank of Ireland, Calyon, Lloyds TSB, Mediobanca, Raiffeisen-Zentralbank und die Landesbanken WestLB, LBBW und Helaba. Die seit 2008 deutlich gesunkenen Zinsen und die zudem nach unten manipulierten Interbankensätze Libor kommen CVC dabei zupass.

Der Finanzinvestor dürfte in den Jahren 2009 bis dato kaum mehr als 30 Millionen Euro jährlichen Zins gezahlt haben. Sehr grob geschätzt hat CVC seit dem Einstieg bei Evonik bisher um die 150 Millionen Euro an Zinsen an das Bankkonsortium überwiesen. Die Habenseite sieht viel besser aus: Gut 356 Millionen Euro an Dividenden kassierten die Briten seit ihrem Einstieg von Evonik. Dazu kommen dieses Frühjahr weitere geschätzte 100 Millionen Euro hinzu.

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