Ex-Novartis Chef: Vasella: "Es gab auch Morddrohungen"

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InterviewEx-Novartis Chef: Vasella: "Es gab auch Morddrohungen"

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Daniel Vasella führte zwischen 1996 und 2010 den Schweizer Pharmakonzern Novartis. Wegen seiner Millionengehälter und einer geplanten Abfindung von 58 Millionen Euro geriet er in die Kritik.

von Jürgen Salz

Der frühere Chef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis war Europas umstrittenster Manager. Anfang des Jahres zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Nun redet er: über seinen Rücktritt, die Schattenseiten der Macht, die geplante 58-Millionen-Euro-Entschädigung und sein neues Leben als Coach.

WirtschaftsWoche: Herr Vasella, Anfang des Jahres brach ein Sturm der Entrüstung los, nachdem Sie von Ihrem Arbeitgeber Novartis eine Abfindung von 58 Millionen Euro erhalten sollten. Wie denken Sie heute darüber?

Daniel Vasella: Das ist falsch – es handelte sich nicht um eine Abfindung, sondern um ein bezahltes Konkurrenzverbot. Die Auszahlung war an strikte Bedingungen geknüpft, die einem Berufsverbot gleichkamen. Insgesamt war das sicher keine angenehme Zeit und hat mich auch etwas überrascht, da ich ja gesagt hatte, dass ich das Geld für wohltätige und soziale Zwecke verwenden würde.

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Davon war bislang aber nicht die Rede.

Meine diesbezügliche Aussage wurde wohl ausgeblendet. Da ein erster Betrag frühestens nach einem Jahr und die Gesamtsumme innerhalb von sechs Jahren ausbezahlt worden wäre, hatte ich mir auch noch keine konkreten Gedanken über die genauen Empfänger gemacht. Dann gab es diese massive öffentliche Kritik. Ich kam zu dem Schluss, dass ich auf die Entschädigung dann auch ganz verzichten könnte.

Zur Person

  • Daniel Vasella

    Vasella, 60, arbeitete zunächst als Arzt. Zwischen 1996 und 2010 führte er den Schweizer Pharmakonzern Novartis, der aus Sandoz und Ciba-Geigy entstand. Am 24. November stimmten die Schweizer über die Höhe von Vorstandsbezügen ab; wegen seiner Millionengehälter geriet auch Vasella in die Kritik. Der passionierte Kunstsammler ist verheiratet und hat drei Kinder.

Sie galten lange als Europas bestbezahlter Manager. Als Konzernchef und Verwaltungsratsvorsitzender von Novartis sollen Sie innerhalb von mehr als zehn Jahren umgerechnet über 200 Millionen Euro verdient haben...

...das sind Hochrechnungen über die 17 Jahre meiner Führungstätigkeit.

Und dann 58 Millionen Euro Entschädigung. Sind Sie so viel Geld wert?

Novartis ist profitabler, innovativer und größer als vor 17 Jahren. Die Führungskräfte sind kompetent und engagiert. Ob ich meinen Lohn wert war, müssen Sie den Verwaltungsrat fragen.

Sie haben dann auf die 58 Millionen verzichtet. Bis 2016 erhalten Sie nun von Novartis umgerechnet vier Millionen Euro für Beratungsleistungen. Und als Coach für Novartis-Führungskräfte verdienen Sie etwa 19 000 Euro am Tag. Können Sie nicht loslassen?

Loslassen ist für mich glücklicherweise kein Problem, aber darum geht es nicht. Führungskräfte mit meinem Wissen und meiner Erfahrung werden international in diesen Größenordnungen bezahlt. Ich denke, dass ich Führungskräfte effizient beraten kann. Mir kommt zugute, dass ich jahrelang als Mediziner gearbeitet habe und eine psychoanalytische Ausbildung hinter mir habe. Als Novartis-Chef habe ich Gruppendynamik und soziale Prozesse aus nächster Nähe erlebt. In den vergangenen Jahren habe ich mich in psychologischer Organisationsberatung weitergebildet. Konzernchefs mit einer so breiten Erfahrung sowohl im Top-Management als auch im Coaching sind leider selten.

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