Fachkräftemangel: Aus Mumbai nach Heilbronn

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Fachkräftemangel: Aus Mumbai nach Heilbronn

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Bunte Truppe. Bei Ziehl-Abegg in Künzelsau arbeiten Menschen aus 28 Nationen

von Hans Jakob Ginsburg

Wie Mittelständler ausländische Top-Leute in die Provinz holen.

Die Region Heilbronn-Franken im Nordosten von Baden-Württemberg als Provinz zu bezeichnen ist keine Beleidigung. Die einzige Großstadt ist Heilbronn mit 116 000 Einwohnern, 54 Kilometer oder gut 40 Bahnminuten nördlich von Stuttgart. Von dort weiter nach Künzelsau im Hohenlohekreis ist es noch einmal so weit mit dem Auto. Einen Bahnanschluss für ihre 15 000 Einwohner hat die Stadt seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Dafür aber einen großen Anteil an der Unternehmenslandschaft der Region. Das Schraubenimperium Würth sitzt hier, der Jeansfabrikant Mustang und der Werkzeugmacher Berner. Alles renommierte Firmen – und alle mit demselben Problem konfrontiert: Wie bekommt man gute Leute in Orte, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen? Im Bezirk der IHK Heilbronn-Franken fehlen schon heute 13 000 Fachkräfte. Aus den Großstädten, von Hochschulorten und selbst aus strukturschwachen Regionen lassen sich Top-Leute nur schwer in die Provinz locken. "Wir bekommen nach Künzelsau leichter einen Ingenieur aus Indien als aus Berlin", berichtet ein Manager.

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Mit dem Chef zum Meldeamt

Nicht wenige Unternehmen werben daher gezielt ausländische Mitarbeiter an. "Bei uns arbeiten inzwischen Menschen aus 28 Nationen", sagt Rainer Grill, Sprecher des Künzelsauer Unternehmens Ziehl-Abegg. Der Hersteller von Aufzugmotoren und Ventilatoren beschäftigt im Hohenlohekeis 1850 Mitarbeiter, 70 Prozent der Produktion geht in den Export. Das Unternehmen expandiert.

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Die dafür nötigen Top-Leute kommen zum Teil durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Und jeder Neuling aus dem Ausland wird bei Ziehl-Abegg in einer Weise betreut, die so wohl nur im mittelständischen Kleinstadtmilieu funktioniert. Alteingesessene Kollegen gehen mit den neuen Mitarbeitern zum Einwohnermeldeamt, zur Krankenkasse und zu Wohnungsvermittlern. Damit auch am Wochenende jene soziale Isolation ausbleibt, über die manch spanischer Ingenieur in deutschen Großstädten nach Jahren noch klagt, organisiert das Unternehmen Ausflüge und Veranstaltungsbesuche. Ehepartner erhalten bisweilen über eine informelle Arbeitsvermittlung Jobs bei anderen Mittelständlern der Region.

Ziehl-Abegg mit seinen Produktionsstätten und Verkaufsbüros in vielen Ländern fördert multikulturelle Gesinnung gezielt auch bei den eigenen Leuten: "Wir schicken jeden Azubi für ein paar Wochen zum Praktikum ins Ausland", sagt Sprecher Grill: "Ein junger Mensch, der in Indien zurechtkommen musste, versteht hinterher, wie es seinem ausländischen Kollegen hier bei uns geht!"

Und das ist gar nicht provinziell.

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