
DüsseldorfDie Italiener sind ein stolzes Volk. So kann man ihnen auch mit Werbung imponieren, die eben genau jenen Nationalpathos anspricht und die Menschen bei ihrer Ehre packt. Wer davon spricht, dass "in Italien die Menschen jeden Tag aufstehen und mit all ihrem Talent an die Arbeit gehen", der hat eigentlich schon gewonnen. Noch besser: "Ihre Leidenschaft, ihre Kreativität, und vor allem ihr Verlangen, Dinge herzustellen, die gut gemacht sind." Wunderbar.
Auf diese Karte setzt auch Fiat in einem neuen Werbespot für den Kleinwagen Panda, der derzeit in Italien über die Bildschirme flimmert. Aus diesem stammen auch die oben genannten Zitate. Noch mehr davon? "Wir können entscheiden, welches Italien wir sein wollen." Patriotische Worte in einem Land, das sich im Umbruch befindet. Klingt aber eher nach dem Wahlplakat eines Politikers.
Freilich liefert der Werbespot auch die Antwort, welches Italien sich Fiat vorstellt. Harte Arbeit, noch ein guter Spruch ("Die Dinge, die wir machen, machen uns") und dann - mit dem neuen Panda im Bild - "Das ist das Italien, das wir mögen". Ein krönender Abschluss, wenn man denn das Design des Panda mag. Nur leider ist (fast) alles Augenwischerei.
Firmenchef Sergio Marchionne zeichnet in dem Werbespot ein Bild, wie er das Unternehmen und das Land gerne sehen würde. Doch mit den Fakten ist es nicht zu vereinen: Das sizilianische Werk Termini Imerese hat Marchionne geschlossen. 1.500 Menschen haben ihre Arbeit in der Fabrik verloren, rund 500 weitere in umliegenden Zulieferbetrieben. Der Grund: Die Autos aus der Fabrik waren einfach 1.000 Euro teurer als die von anderen Standorten.
Riesige Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Zudem ist Fiat zum Jahreswechsel aus der Confindustria ausgetreten, dem größten Industrieverband des Landes. Das begründete Marchionne damit, dass er "die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei einem Verbleib im Verband im internationalen Umfeld beeinträchtigt" sehe. Soll heißen, dass Fiat die Tarifverträge in Italien deutlich zu teuer waren. Mit einem Austritt aus der Confindustria lassen sich neue Arbeitsverträge verhandeln - selbstverständlich unterhalb des in Italien geltenden Tarifs.
Zu guter Letzt gibt es Gerüchte, dass Marchionne die Italiener auch noch der Konzernzentrale in Turin berauben will. Statt vom Piemont aus könnte er den neuen Großkonzern mit Chrysler zusammen auch aus Auburn Hills in Michigan lenken. Für ihn ist das sicher ganz praktisch, denn in letzter Zeit ist er mehr in den USA als in Italien gefragt. Doch ob das Mitarbeitern, Politikern und dem Rest der Bevölkerung gefallen würde, steht in den Sternen. Doch dann müsste er auch den Konzern umbenennen: "Fabbrica Italiana Automobili Torino" gilt dann nicht mehr. "Torino" müsste er auf jeden Fall streichen, nach den Vorstellungen mancher das "Italiana" gleich mit.
Natürlich geben Werbespots nicht die ungeschönte Wahrheit wieder. Aber das, was Marchionne hier treibt, ist ein gefährliches Spiel. Stellen Sie sich vor, Volkswagen verlegt die Konzernzentrale, kündigt alle Tarifverträge mit den Gewerkschaften und wirbt dann damit, wie sich der malochende deutsche Arbeiter für einen VW Golf aufopfert. Das ist nicht lustig.
Als I-Tüpfelchen hat Fiat mit dem Werbespot auch noch kräftig gespart. Zumindest was die Kosten für die Werbeagentur angeht. Denn der neue Panda-Spot ist eine nahezu perfekte Kopie der Werbung zum Grand Cherokee Jahrgang 2011, die Jeep in den USA geschaltet hat. Sogar der Spruch ist abgekupfert: "The things we make, make us." Was in Amerika funktioniert, das muss in Italien auch gehen. Ein Vorgehen, das Sergio Marchionne offenbar nicht nur bei seiner Modellpolitik betreibt.
Übrigens: Der in dem Filmchen beworbene Fiat Panda wird im neuen Werk Giambatista Vico (Pomigliano) gefertigt.













