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Firmen-Finanzierung: Mit voller Munition durch die Krise

von Dorit Heß und Thomas Sigmund Quelle: Handelsblatt Online

Einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer zufolge haben sich deutsche Firmen gut für die Folgen der Eurokrise vorbereitet. Die Firmenkassen sind prall gefüllt, doch das wirtschaftliche Umfeld birgt Risiken.

Ein Containerschiff in Bremerhaven: Die deutschen Exporte haben sich im Mai besser entwickelt als erwartet. Quelle: dpa
Ein Containerschiff in Bremerhaven: Die deutschen Exporte haben sich im Mai besser entwickelt als erwartet. Quelle: dpa

Frankfurt/BerlinDie Unternehmen in Deutschland fühlen sich gegen eine mögliche Zuspitzung der Euro-Krise gut gewappnet. Mehr als jedes vierte Unternehmen will derzeit keine Kredite für Investitionen aufnehmen, sondern sie aus eigener Kraft finanzieren. Das geht aus einer Sonderauswertung der Frühsommer-Firmenumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

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„Die Finanzierungssituation ist für die meisten Unternehmen entspannt“, heißt es in der Auswertung der Umfrage. Auch die meisten der Unternehmen, die auf eine externe Finanzierung zurückgriffen, zeigten sich zufrieden.

Das Ergebnis der Umfrage fällt in eine Zeit, in der sich die zunehmende Verunsicherung auch in der deutschen Wirtschaft bemerkbar macht. Zuletzt sind viel beachtete Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex gesunken. Im Sommerhalbjahr werde die deutsche Konjunktur eine Schwächephase durchlaufen, erwartet das Münchener Ifo-Institut, das vor kurzem seine Wachstumsprognose für 2012 auf 0,7 Prozent nach unten revidiert hat.

Damit teilt es die Einschätzung der Bundesregierung, die in ihrer Frühjahrsprojektion ebenfalls ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent für das laufende Jahr prognostiziert. Diese Einschätzung soll im Herbst überprüft werden, heißt es im Wirtschaftsministerium.

Die Betriebe bleiben trotz der vorsichtigen Konjunkturprognosen der Politiker und Volkswirte optimistisch. Die Hälfte der vom DIHK befragten Unternehmen bezeichnet dank einer guter Geschäftstätigkeit sowie steigender Eigenkapitalquoten und wachsender Liquiditätsreserven ihren Zugang zu Finanzierung als gut. 41 Prozent der Unternehmen bewerten die Finanzierungssituation als befriedigend. Nur 14 Prozent der Unternehmen berichten von Schwierigkeiten bei der Finanzierung.

Diesen Trend bestätigt auch eine Umfrage des Ifo-Instituts, das monatlich rund 4 000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft danach befragt, wie sie zurzeit die Bereitschaft der Banken beurteilen, Kredite an Unternehmen zu vergeben. Im Juni nannten darin lediglich knapp 20 Prozent die Kreditvergabe der Banken „restriktiv“.


Die Auftragslage ist erstaunlich stabil

Wie wacker sich die deutsche Wirtschaft trotz der weltweiten Konjunkturabkühlung und der zunehmenden Unsicherheit schlägt, zeigen aktuelle Daten. Nachdem die Auftragseingänge der Industrie und die Produktion im Mai bereits unerwartet gut ausgefallen waren, legte auch der Außenhandel im Mai zu - wenn auch nur geringfügig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland Waren im Wert von 92,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 77,2 Milliarden Euro importiert. Damit nahmen die Ausfuhren im Vormonatsvergleich um 3,9 Prozent zu, die Einfuhren stiegen um 6,3 Prozent.

Das Wachstum im deutschen Außenhandel kühle sich ab, kommentierte der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner, gestern. „Jedoch erwarten wir keinen Absturz, im Gegenteil: Die deutschen Exporteure können auch weiterhin auf ein positives Wachstum blicken“, sagte er. Angesichts der äußerst schwierigen Marktbedingungen und der Unsicherheiten durch die Krise in der Euro-Zone dürfe man diesen Erfolg nicht unterschätzen, fügte er hinzu.

Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Ausfuhren um 0,5 Prozent im Plus. Die Euro-Krise macht sich aber für die deutschen Unternehmen deutlich bemerkbar: Die Ausfuhren in die Länder der Euro-Zone gingen im Mai verglichen mit dem Vorjahresmonat um 2,3 Prozent zurück. Dagegen nahmen die Exporte in die Länder außerhalb der Europäischen Union um 3,4 Prozent zu.

Das Wachstum der deutschen Ausfuhren beruhe auch weiterhin auf der Dynamik in den Schwellen- und Entwicklungsländern, so BGA-Präsident Börner. „Die Bedeutungsverlagerung der Absatzmärkte, die bereits vor der Euro-Krise begonnen hat, setzt sich weiterhin fort“, schlussfolgerte er. Für die deutschen Exporteure nehme Europa in der Tendenz langfristig an Bedeutung ab.

Trotz der guten Finanzierungsbedingungen sind aber nicht nur die exportierenden Unternehmen vorsichtiger - auch Firmen, die stark von der Inlandsnachfrage abhängen. Davon berichtete gestern der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Die Aufträge aus dem Inland seien zuletzt um die Hälfte zurückgegangen; die Auslandsnachfrage sei um fünf Prozent geschrumpft.

Das gesamte Volumen der Neubestellungen ging im Mai binnen Jahresfrist um gut ein Drittel zurück. Damit habe das Minus in den ersten fünf Monaten zwölf Prozent betragen. Das Bestellumfeld bleibe insbesondere aufgrund der europäischen Schuldenkrise von wachsenden Unsicherheiten geprägt, sagte ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann.

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