Flüchtlinge in Deutschland: Firmen ringen mit der Integration

Flüchtlinge in Deutschland: Firmen ringen mit der Integration

, aktualisiert 03. März 2016, 11:14 Uhr
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211 Unternehmen der Hauptstadt stellten auf der Messe im Estrel Hotel aus.

von Bert FröndhoffQuelle:Handelsblatt Online

Flüchtlinge wollen in Deutschland arbeiten, die deutschen Firmen wiederum suchen Personal. Doch die Einbindung von Migranten fällt den Unternehmen schwerer als erwartet. Woran es scheitert, zeigt eine neue Studie.

Düsseldorf.Mehr als hundert Meter lang ist die Schlange vor dem Berliner Estrel Hotel. Flüchtlinge warten dort darauf, dass die erste große Jobbörse für Migranten eröffnet. 211 Unternehmen haben in den Hotelhallen ihre Stände aufgebaut, an denen sie über Jobchancen in ihren Organisationen informieren. Bayer ist dabei, der Energiekonzern Vattenfall, eine Reederei sowie viele Hotels.

Am Ende des Tages waren mehr als 4.000 Flüchtlinge zu Gast. Die Veranstalter werten die Jobbörse daher am Montag dieser Woche als großen Erfolg. Ein erstes Kennenlernen, Kontakte knüpfen – für viele Firmen ist es das erste Mal, dass sie sich mit Asylsuchenden über Ausbildung, Ansprüche und Jobchancen austauschen.

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Noch haben erst wenige deutsche Unternehmen Flüchtlinge eingestellt – gerade einmal sieben Prozent gaben dies bei einer aktuellen Umfrage des Münchener Ifo-Instituts an. Aber das soll sich bald ändern: Ein Drittel der rund 1.000 befragten Personalleiter planen, in diesem oder im kommenden Jahr Flüchtlinge einzustellen. Dieser Trend geht quer durch die Branchen, vor allem aber das Gastgewerbe ist auf der Suche nach Personal.

Doch die Suche nach geeigneten Bewerbern unter den Flüchtlingen ist für die meisten Firmen eine große Herausforderung. Denn nicht nur die Migranten sind wenig auf ein neues Berufsleben in Deutschland vorbereitet. Auch den Personalabteilungen deutscher Firmen Unternehmen fällt die gewünschte Integration von Flüchtlingen schwerer als erwartet, wie eine aktuelle Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte zeigt.

Danach stellen die sehr unterschiedlichen Qualifikationen der Bewerber und die komplexen gesetzlichen Regelungen für sie die größten Herausforderungen dar. Wie erwartet, scheitert die Einstellung von Flüchtlingen an deren fehlenden Sprachkenntnissen – 69 Prozent der Befragten nannten dieses Hindernis. Aber auch kulturelle Unterschiede fordern 40 Prozent der Unternehmen heraus, ebenso wie die Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen.

Knapp die Hälfte der Firmen ist noch nicht mit gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zur Migrantenintegration in die Arbeitswelt vertraut, ergab die Deloitte-Studie. Beispiele dafür sind aus Sicht der Prüfungsgesellschaft die sogenannte Nachrangigkeitsprüfung. Danach können Firmen im Grunde nur dann Asylsuchende einstellen, wenn kein Deutscher oder EU-Bürger für diese Stelle zur Verfügung steht.

Viele Unternehmen zeigen sich verunsichert darüber, ob und wie diese Regelung gelockert wird, und wie genau mögliche Ausnahmen aussehen sollen. Als weitere bürokratische Hürde gilt die Anerkennung relevanter Qualifikationen, die Flüchtlinge in ihren Heimatländern erworben haben.


„Flüchtlinge bringen eine neue Sichtweise ins Unternehmen"

Ähnlich äußerten sich die Personalleiter in der Ifo-Untersuchung: Sie werfen den Behörden zudem mangelnde Unterstützung vor. Für mehr Beschäftigung der Migranten müssen aus ihrer Sicht die arbeitsrechtlichen Vorgaben gelockert werden. Das könne es den Unternehmen erleichtern, Flüchtlingen trotz der Sprachbarrieren und der überwiegend geringen Qualifikation eine Beschäftigung zu bieten.

Firmen, die bereits Flüchtlinge eingestellt haben, blicken offenbar überwiegend positiv auf die ersten Erfahrungen. Denn 68 Prozent der Personalleiter in diesen Unternehmen wollen 2016 und 2017 knapp 68 Prozent weitere Asylsuchende einstellen.

Wenn Personalabteilungen unter den Flüchtlingen geeignete Bewerber finden, können die Chancen fürs Unternehmen groß sein. „Die Etablierung entsprechender Integrationsprojekte und die Einbindung der Arbeitnehmer stärken den Zusammenhalt“, sagt Udo Bohdal-Spiegelhoff, Partner bei Deloitte. „Flüchtlinge bringen eine neue Sichtweise auf Krisensituationen, Durchhaltevermögen oder Bescheidenheit ins Unternehmen, von denen Mitarbeiter einiges lernen können.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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