Flugzeuge: Jumbokiller mit X-Faktor

Flugzeuge: Jumbokiller mit X-Faktor

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Logo von Boeing

von Rüdiger Kiani-Kreß

Auf der Flugzeugmesse in Dubai will Boeing mit seinem überarbeiteten Langstreckenjet 777X den Vorsprung zu Airbus ausbauen. Dabei droht neuer Ärger mit der Welthandelsorganisation wegen der Finanzhilfen, mit denen der US-Bundesstaat Washington den Bau des neuen Jets  fördern will.

Es war ein Start nach Maß: 225 Aufträge von Fluglinien hat der amerikanische Flugzeughersteller Boeing zum offiziellen Start seines neuen Langstreckenflieger 777X am gestrigen Sonntag auf der Luftfahrtmesse in Dubai erhalten. Das Gros der Bestellungen kommt von den großen arabischen Fluglinien.150 Maschinen hat allein Dubais Heimatlinie Emirates geordert. Etihad aus dem benachbarten Abu Dhabi will 25 und Qatar Airways sogar 50 Flieger haben. Und Cathay Pacific aus Honkong könnte dieser Tage noch weitere 25 Exemplare auf die Liste packen. Die Fluglinien gehören alle bereits zu den größten Abnehmern des Vorläufermodell 777. Der Listenpreis für das ganze Paket liegt bei rund 60 Milliarden Euro. Der erste Abnehmer der 777X war die Deutsche Lufthansa, die bereits vor zwei Monaten eine Bestellung über 34 Flieger abgegeben hat.

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Die wichtigsten Neuerungen der B 777X

  • Interior

    Die Kabine bietet ein angenehmeres Licht und größere Gepäckfächer als heutige Flieger. Der breitere Kabinendurchmesser erlaubt entweder mehr Platz für Passagiere oder einen Sitz mehr je Reihe. Das bringt Fluglinien höhere Einnahmen als bei den Konkurrenzmodellen Boeing 787 und Airbus A350.

  • Aerodynamik

    Trotz des ähnlichen Designs hat die B 777X im Vergleich zur heutigen B 777 einen glatteren Rumpf mit weniger hervorstehenden Teilen, die unerwünschte Luftwirbel verursachen. Der dadurch geringere Luftwiderstand sorgt im Flug für einen geringeren Spritverbrauch und bei der Landung für weniger Lärm.

  • Cockpit

    Die neue Cockpitelektronik sorgt für sparsameres und bei Stürmen ruhigeres Fliegen. Weil die Instrumente sehr denen des Boeing-Schwestermodells Dreamliner 787 ähneln, können die Piloten wie heute schon bei Airbus-Fliegern ohne eine große Umschulung zwischen den beiden Flugzeugen wechseln.

  • Triebwerk

    Die GE9X-Triebwerke von General Electric werden die größten Flugzeugmotoren der Welt sein. Sie verbrauchen 20 Prozent weniger als die der heutigen B 777, sind sie doch dank neuer Metalllegierungen und Verbundwerkstoffe leichter, erzeugen dank höherer Drücke sowie höherer Verbrennungstemperaturen mehr Schub.

  • Rumpf

    Die Heckflosse besteht zwar aus modernen Verbundwerkstoffen. Der Rumpf muss aber anders als bei Boeings Dreamliner 787 ohne das superleichte Material auskommen. Stattdessen setzt der Konzern auf Metalllegierungen, die den Jet zumindest etwas leichter als das Vorgängermodell B 777 machen.

  • Flügel

    Die Flügel sind dank Verbundwerkstoff leichter. Die „hyperkritisch“ genannte starke Biegung nach oben macht sie aerodynamischer. Damit die B 777X an Flughäfen leichter manövrieren kann, testet Boeing die Möglichkeit, die gut drei Meter langen Spitzen nach der Landung hochzuklappen.

Die Airlines reizt vor allem der niedrigere Benzinverbrauch. 15 Prozent niedrigere Betriebskosten als bei heutigen Maschinen wie der aktuellen 777-Version verspricht Boeing. Die 777X wird damit weniger für die kleineren Modelle wie Boeings 787 oder den Airbus A350 zum Wettbewerber. Leiden dürfte vielmehr vor allem für Boeings Jumbo-Jet 747-8 und der Riesen-Airbus A380. Die tun sich seit den ersten Gerüchten um die 777X noch schwerer Kunden zu finden und haben rein rechnerisch nur noch Aufträge für weniger als fünf Jahre. Denn zumindest bei der Langvariante 9X mit gut 400 Sitzen dürften die Kosten pro Passagier geringer sein, was der 777X in der Branche den Spitznamen „Jumbokiller“ eingetragen hat. Was die Airlines reizt: Mit der neuen Maschine können sie ihre Kosten pro Ticket drücken ohne die Maschinen wie bei Jumbojet und A380 noch mit ein paar Dutzend Billigtickets füllen zu müssen.

Hoffnungsträger am Himmel

Die neuen Langstreckenflugzeuge von Airbus und Boeing im Vergleich

Airbus A350

Boeing 777X

Passagierzahl

270–412

350–450
Länge (Meter) 60,5–73,9 69,5–76,5
Spannweite 64,8 64,8–71,1
Breite Kabine (Meter)5,6 5,97
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 945 950*
Reichweite (km) 15 000–19 10015 000–17 500
Schubkraft (kN) 351–431 470
Erstauslieferung2014 2019*
Bestellungen 764 34
Listenpreis (Millionen Dollar) 254–332 280–350*
Maximales Startgewicht (Tonnen) 308 351
* Schätzung; Quelle: Unternehmensangaben

Auch für Boeing dürfte die 777X zu einem Riesengeschäft werden. Bereits die heutige Version der  Triple-Seven war ein Goldesel. Weil die Maschine deutlich billiger flog als das Airbus-Konkurrenzmodell A340, musste Boeing im Schnitt weniger Rabatt geben als bei anderen Modellen, die wie die kleinere 737 einen starken Wettbewerber hatten.

Nun verspricht die 777X neue Einnahmen ohne große Mehrkosten. Die größte Veränderung sind die neuen GE9X-Triebwerke, doch deren Konstruktions- und Baukosten zahlt der US-Hersteller General Electric. Boeing hingegen dürfte laut Experten mit höchstens drei Milliarden Dollar davon kommen, weil die Maschine außer einer neuen Fabrik, dem neuen Flügel, der Elektronik und der Kabine keine großen Kosten verursacht.

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