Fragen & Antworten zu Siemens: Löscher verhandelt über einvernehmliche Trennung

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Fragen & Antworten zu Siemens: Löscher verhandelt über einvernehmliche Trennung

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Am Mittwoch wird der Siemens-Aufsichtsrat offiziell die Nachfolge von Peter Löscher bekannt geben. Neuer Chef soll Finanzvorstand Joe Kaeser werden.

von Rebecca Eisert und Matthias Kamp

Noch-Chef Peter Löscher soll Gespräche über eine gütliche Einigung führen, Finanzvorstand Joe Kaeser bereits konkret über den Chefposten verhandeln. Derweil schwelt der Konflikt im Aufsichtsrat weiter.

Wann wird Löscher offiziell abberufen?

Laut „Süddeutscher Zeitung“ ist der Konzern mit Löscher im Gespräch über eine einvernehmliche Trennung. Das würde dem Aufsichtsrat die für diesen Mittwoch vorgesehene Abwahl Löschers ersparen, hieß es in dem Bericht. Siemens wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. Sollte es zu einer Einigung noch vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung kommen, würde bei der Abstimmung über Löschers vorzeitige Abberufung eine einfache Mehrheit genügen.

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Was wird der Chefwechsel Siemens kosten?

Für Siemens endet die Ära Löscher teuer. Erst vor zwei Jahren war Löschers Vertrag vorzeitig um fünf Jahre bis 2017 verlängert worden. Nach seinem Abgang winkt dem Österreicher eine millionenschwere Abfindung. Wie sich aus dem Geschäftsbericht des Elektrokonzerns ergibt, stehen Vorstandsmitgliedern bei einer vorzeitigen Beendigung ihrer Tätigkeit maximal zwei Jahresvergütungen plus Bonus zu, zudem eine Sonderzahlung für die betriebliche Altersvorsorge. So käme ein Summe von 6,7 Millionen Euro plus 2,47 Millionen Euro zustande. Löschers bisher erworbene Pensionszusagen belaufen sich bereits ohne die Sonderzahlung laut Handelsblatt auf 14,7 Millionen Euro.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser - der 56-jährige soll neuer Siemens-Chef werden. Foto: Siemens/dpa Quelle: dpa

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser - der 56-jährige soll neuer Siemens-Chef werden. Foto: Siemens/dpa

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Wer soll auf Löscher folgen?

Aussichtsreichster Kandidat ist Finanzvorstand Joe Kaeser. Kaeser führe bereits Gespräche mit dem Aufsichtsrat, sagte eine mit dem Vorgang betraute Person gegenüber dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg am Dienstag. Der 56-Jährige wurde 2006 zum Nachfolger von Heinz-Joachim Neubürger ernannt, bis 2004 war Kaeser Strategievorstand. Neubürger musste im Zuge der Schmiergeldaffäre den Konzern verlassen. Kaeser hat in den vergangenen Monaten mit Kritik an seinen Chef Löscher nicht hinterm Berg gehalten. Die Art und Weise wie er das tat, hat viele im Konzern - auch die Arbeitnehmervertreter - davon überzeugt, dass Kaeser der passende Nachfolger ist. Kaeser gilt als bestens vernetzt und auch in Detailfragen fachlich kompetent. Im Gegensatz zu Löscher versteht er es, komplexe Sachverhalte einfach zu formulieren und die Beschäftigten so auf seine Seite zu ziehen. Kaeser gilt mitunter aber auch als eitel und wurde - als er noch Schnauzbart trug - schon als "Omar Sharif vom Wittelsbacher Platz" genannt. Auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch wird über die Personalie entschieden.

Haben Aufsichtsratschef Gerhard Cromme oder Finanzchef Kaeser gegen Löscher intrigiert?

Dem Vernehmen nach soll Cromme gemeinsam mit dem juristischen Stab des Konzerns auf die Gewinnwarnung gedrängt haben, die letztendlich zum Sturz von Löscher geführt hat. Das Handelsblatt zitiert einen Siemens-Insider mit den Worten "Löscher ist in eine Falle gelaufen." Jo Kaeser soll sich aber gemeinsam mit dem Rest des Vorstands gegen die Gewinnwarnung zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen haben.

Löscher hat einen Bericht zurückgewiesen, nach dem er im Gegenzug für sein Ausscheiden den Abgang von Cromme gefordert habe. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor berichtet, Löscher wolle sich in seine Ablösung nur fügen, wenn auch Cromme zurücktrete. Ansonsten wolle er es auf eine Kampfabstimmung in der Sitzung des Aufsichtsrates am Mittwoch ankommen lassen.

Könnte Josef Ackermann neuer Chef des Aufsichtsrats werden?

Mit seinem Verlust an Einfluss in der deutschen Wirtschaft hat sich Josef Ackermann offenbar nie richtig abfinden können. Als der Schweizer im vergangenen Jahr den Chefsessel bei der Deutschen Bank freimachte und das Ruder an Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergab, blieb sein einflussreichster Posten die Aufsichtsratsmitgliedschaft bei Siemens. Als nun die Diskussion um die Führung des Münchner Technologieriesen lauter wurden, sah Ackermann seine Stunde gekommen: Er wollte Gerhard Cromme als Vorsitzenden des Aufsichtsrats beerben. Ackermann stärkte dem unter Druck geratenen Konzernchef Peter Löscher den Rücken und wollte ihn halten, berichten gut unterrichtete Kreise. Stattdessen, so das Kalkül des früheren Deutsche-Bank-Chefs, müsse Cromme fallen – und der Weg wäre frei für Ackermann als Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums. Was Ackermann unterschätz hatte: Er als Aufsichtsratschef bei Siemens wäre der "worst case" für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Grund: Ackermann gilt als konsequenter Sanierer mit wenig Interesse für Arbeitnehmerinteressen.

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