_

Franz Koch: „Wir arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich zusammen“

von Sandra Louven und Joachim Hofer Quelle: Handelsblatt Online

Franz Koch schaut der Fußball-EM erwartungsvoll entgegen. Je weiter Italien kommt, desto mehr Fanartikel verkauft der Puma-Chef. Koch über den Wettskandal bei seinem Partner und die Steigerung des Teamsport-Geschäfts.

Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Puma Franz Koch. Quelle: dpa
Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Puma Franz Koch. Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Koch, Puma ist bei der EM Ausrüster der italienischen Fußball-Nationalmannschaft. Die italienische Liga sorgt allerdings seit Wochen für Schlagzeilen wegen eines Wettskandals. Einige Stars wurden sogar verhaftet. Was heißt das für Sie?

Anzeige

Franz Koch: Die Entwicklung in der "Seria A" ist natürlich bedauerlich. Aber die Vorwürfe betreffen derzeit lediglich einzelne Spieler und nicht den italienischen Fußballverband FIGC. Der Verband arbeitet mit Nachdruck daran, alle Vorwürfe aufzuklären, und hat dabei unsere volle Unterstützung.

Ist so ein Skandal nicht gefährlich für das Image von Puma?

Nein, denn es geht um mögliche Verfehlungen einzelner Spieler in der Liga und nicht um die Nationalmannschaft. Aber ein gewisses Risiko besteht für uns als Ausrüster beim Sport-Marketing natürlich immer.

Spielen Sie Szenarien durch, aus dem Vertrag mit den Italienern auszusteigen?

Nein, davon sind wir weit entfernt. Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr erfolgreich und vertrauensvoll mit dem Verband zusammen.

Wie wirkt sich der Skandal bislang auf Ihr Geschäft aus? Sie verkaufen ja die Trikots der Italiener.

Auf unser derzeitiges Fußballgeschäft, das ja bereits weit vor einer EM beginnt, hat es bislang keine Auswirkungen gehabt. Die Nachorder wird natürlich auch etwas vom sportlichen Erfolg unserer Spieler und Teams während des Turniers beeinflusst. Je weiter die Italiener kommen, desto mehr Fanartikel verkaufen wir.

Glauben Sie das wirklich? Der Ruf der Mannschaft ist ramponiert.

Nun mal langsam. Italien ist als viermaliger Weltmeister einer der erfolgreichsten Fußballverbände der Welt und hat viele herausragende Spielerpersönlichkeiten hervorgebracht. Daran werden auch die derzeitigen Vorwürfe nichts ändern. In der deutschen Fußball-Bundesliga gab es ja in der Vergangenheit leider auch schon Fehltritte. Hat es dem Ruf der DFB-Elf geschadet? Ich glaube nicht. Wenn heute Abend die EM angepfiffen wird, dann steht wieder der Sport im Vordergrund und dann wird auch die "Squadra Azzurra" auf dem Spielfeld zeigen, was sie kann.

Sie rüsten zur EM nur zwei Teams aus, Italien und Tschechien.

Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass sich weitere Puma-Mannschaften für die EM qualifizieren. Bei der WM 2006 waren wir mit insgesamt zwölf Teams führender Ausrüster, bei dieser EM haben wir nun zwei Teams im Rennen. So ist es im Sport, mal sind mehr Partner von uns dabei, mal weniger.


„Wir hatten mit den Herausforderungen in Europa zu kämpfen“

Wie wichtig sind Großereignisse wie EM und Olympia für Ihr Geschäft?

Beide Ereignisse haben sehr positive Effekte für uns und zahlen auf das Konto der Marke ein. Aber man muss differenzieren: Bei der EM geht es um eine Steigerung des Teamsport-Geschäfts, die wir durch den Verkauf von Fanartikeln erzielen. Das ist bei den Olympischen Spielen nicht in dem Maße der Fall. Da geht es eher darum, die eigene Markenpräsenz zu erhöhen und die Produktkompetenz unter Beweis zu stellen.

Die EM steht wegen des Austragungslandes Ukraine in der Kritik. Dort werden die Menschenrechte nicht gerade hochgehalten. Wie stehen Sie dazu?

Wir sind kein offizieller Sponsor der Veranstaltung, sondern Ausrüster, deswegen äußern wir uns auch nicht zu politischen Fragen, sondern unterstützen unsere Spieler und Teams.

Sie rüsten von der kommenden Saison an auch Borussia Dortmund aus. Planen Sie weitere neue Sponsoring-Aktivitäten?

Ja, wir investieren weiterhin gezielt in unser Sportmarketing-Portfolio. Dabei ist wichtig, dass unsere Partner die Werte von Puma leben und zur Positionierung als Sport-Lifestyle-Marke passen.

Lange hat sich Puma in Richtung Lifestyle entwickelt, jetzt wollen Sie zurück zum Geschäft als Sportausstatter. Was lief schief?

Überhaupt nichts. In unserer neuen Wachstumsphase bis 2015 geht es jetzt darum, wieder die richtige Balance zwischen Sport-Performance und Sport-Lifestyle herzustellen. Wir wollen künftig mehr differenzieren zwischen den beiden Bereichen. Aber Sport ohne den klaren Bezug zu Lifestyle wird es bei uns nicht geben - und umgekehrt gilt das natürlich auch.

Ist denn eine reine Modelinie wie "Neo" von Adidas eine Option?

Nein, denn das wäre dann nicht mehr Puma.

Puma ist als kleiner Wettbewerber traditionell stärker gewachsen als die Konkurrenten. Im ersten Quartal sind Sie Adidas und Nike aber hinterhergehinkt. Woran lag das?

Wir hatten mit den Herausforderungen in Europa zu kämpfen.

Die Krise traf alle gleichermaßen.

Ja, aber wir hatten unsere eigenen Herausforderungen, auf die wir jetzt reagiert haben. Wir haben begonnen, unsere Region Europa umzustrukturieren und die Position eines Europachefs geschaffen. Es gibt weitere Veränderungen, an denen wir arbeiten und die wir in Kürze bekanntgeben werden.

Herr Koch, vielen Dank für das Interview.

weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20

Die zwei zurückliegenden Wochen haben gezeigt: Billigstrategien im Fernverkehr gehen auf. Auf der Straße feiert...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.