Fresenius-Chef: "Wir lassen uns nichts diktieren"

Fresenius-Chef: "Wir lassen uns nichts diktieren"

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Für Fresenius-Chef Ulf Schneider ist die Frauenquote ein unzulässiger Eingriff in das Eigentumsrecht.

von Jürgen Salz

Ulf Schneider trimmt seine Kliniken auf Rendite und will durch Zukäufe wachsen. Der Chef des Gesundheitskonzerns Fresenius spricht sich gegen die Benachteiligung von Frauen in der Wirtschaft aus - kämpft aber trotzdem gegen die Frauenquote.

WirtschaftsWoche: Herr Schneider, seit Jahren steigert Fresenius Umsatz und Gewinn. Trotzdem stagniert der Aktienkurs seit Jahresbeginn. Sind Sie enttäuscht?

Schneider: Nein, ich hatte trotz unserer hervorragenden Zahlen keine Freudensprünge erwartet. Wir haben unseren Gewinn im Jahr 2011 um 17 Prozent auf 770 Millionen Euro gesteigert und den Umsatz um drei Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Eine Gewinnsteigerung in dieser Höhe hatten wir schon im Dezember prognostiziert. Von daher war die Börse nicht allzu sehr überrascht. Die Kursentwicklung der vergangenen Jahre zeigt aber klar, dass wir von unseren Aktionären und den Analysten für unsere verlässlichen Prognosen und unser stabiles Wachstum geschätzt werden.

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Umsätze und Gewinne der Geschäftsbereiche im Fresenius-Konzern Quelle: Unternehmensangaben

Umsätze und Gewinne der Geschäftsbereiche im Fresenius-Konzern (in Prozent; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Unternehmensangaben

Offenbar reicht das nicht, um bei der aktuellen Kursrally mithalten zu können.

Unser Kurs entwickelt sich seit Jahren deutlich besser als der Dax, aber nicht im Wochenrhythmus. Wenn Sie vor zehn Jahren 1000 Euro in Fresenius-Aktien investiert haben, verfügen Sie heute über rund 3400 Euro, bei einer Investition in einen Dax-Fonds sind es nur rund 1200 Euro. Von 2007 bis 2011 haben sich unsere Gewinne verdoppelt. Wir haben auch, im Gegensatz zu anderen Unternehmen, in den Krisenjahren 2008 und 2009 zugelegt. Und wir geben für 2012 eine klare Prognose ab: Unser Umsatz wird währungsbereinigt um 10 bis 13 Prozent zulegen, das Konzernergebnis um acht bis elf Prozent.

Fresenius investiert im Gesundheitsgeschäft in konjunkturunabhängige Nischen wie Dialysezentren, Krankenhäuser und Infusionslösungen – nicht besonders aufregend. Müssten Sie nicht für etwas mehr Fantasie bei den Anlegern sorgen?

Ich weiß nicht, was Sie wollen. Ich weiß aber, dass Anleger von einem Unternehmen nicht Aufregung, sondern erfolgreiche Wachstumsstrategien erwarten. Unsere Märkte sind nicht nur konjunkturunabhängig, sondern wachsen etwa zwei bis drei Mal so schnell wie die Weltwirtschaft. Fresenius hat vor 100 Jahren mit der Herstellung von Infusionslösungen begonnen. In den vergangenen 20 Jahren haben wir uns immer mehr vom Produkt- zum Dienstleistungsanbieter gewandelt, mit eigenen Dialysezentren und Krankenhäusern. Den Weg setzen wir fort, das ist ein ganz großer Trend.

Fresenius ist doch ein Opfer der Euro-Krise. In Südeuropa, etwa in Griechenland, müssen Sie Ihrem Geld hinterherlaufen, da Kliniken ihre Rechnungen nicht bezahlen. Wie lange machen Sie das noch mit?

Wir lassen Ärzte und Patienten nicht im Stich, nur weil das staatliche Krankenhaus nicht zahlt. Klar mussten wir Abschreibungen auf Forderungen in Griechenland vornehmen. Wir reden hier über einen Betrag lediglich im Promillebereich unseres Jahresumsatzes. Insgesamt sprechen wir bei Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien von Forderungen, die weniger als drei Prozent unseres Konzernumsatzes ausmachen...

...also etwa 500 Millionen Euro.

Es geht vor allem um Griechenland. Basar-Methoden um die Bezahlung von alten Rechnungen gibt es nur dort. Länder wie Italien, Spanien und Portugal zahlen mit Verzögerungen, aber deren Zahlungsgebaren ist weit von den griechischen Verhältnissen entfernt. Wir machen dort seit Jahren gute Geschäfte und erwarten weiteres Wachstum.

In Ihrem wichtigsten Geschäftsbereich, den Dialysezentren, droht Ungemach. Ausgerechnet im wichtigen US-Markt sanken 2011 die staatlichen Vergütungssätze. Was heißt das für Ihren Umsatz?

Wir haben die Einführung dieses neuen Erstattungssystems sogar unterstützt. Denn es fördert die großen Anbieter. Die Unternehmen erhalten nun eine gebündelte Erstattung und nicht mehr jede Einzelleistung separat bezahlt. Und es gibt klare Qualitätskriterien, die vergütungsrelevant sind. Im Einführungsjahr 2011 gab es zunächst einen Preisabschlag. Daher haben sich unsere Umsätze, wie erwartet, nur verhalten entwickelt, sind aber nicht gesunken. Bei der Marge gab es hingegen einen schönen Zuwachs.

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