Freudenberg: Vileda-Konzern will mit Hightech wachsen

InterviewFreudenberg: Vileda-Konzern will mit Hightech wachsen

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Mohsen Sohi ist seit 2010 Mitglied der Geschäftsführung von Freudenberg. Er erwartet für die kommenden anderthalb Jahre eine deutliche Abflachung der Konjunktur.

von Hans-Jürgen Klesse

Der neue Freudenberg-Chef Mohsen Sohi hat keine Angst vor Konjunktureinbruch und Euro-Crash. Mit Zukäufen will er die Wachstumsbereiche seines Mischkonzerns weiter stärken.

WirtschaftsWoche: Herr Sohi, Freudenberg gehört zu den 100 weltgrößten Autozulieferern, Sie produzieren aber auch Fensterputztücher für den Haushalt, Federelemente für Hochgeschwindigkeitszüge, Material für feuerhemmende Sitzbezüge für Flugzeuge, medizintechnische Produkte für künstliche Darmausgänge, Teile für Brennstoffzellen, Arbeitskleidung für Allergiker und verkaufen Schmierstoffe für alle möglichen Anwendungen und Softwarelösungen für Mittelständler. Lässt sich so ein Bauchladen überhaupt vernünftig führen?

Sohi: Mit der richtigen Struktur funktioniert das sehr gut. Ein Konzern wie Freudenberg mit vier großen Geschäftsfeldern, 16 Geschäftsgruppen und insgesamt rund 480 Einzelgesellschaften kann nur sehr dezentral geführt werden. Wir verstehen uns als Unternehmen von Unternehmern: Die Holding als Dachgesellschaft kümmert sich um die Gesamtstrategie, für das operative Geschäft sind die jeweiligen Geschäftsführer selbst verantwortlich.

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Wie sieht denn Ihre Gesamtstrategie bei so einem Sammelsurium ohne echtes Kerngeschäft aus?

Unser Kerngeschäft ist Diversifikation.

Das hört sich an wie ein Werbespruch...

...ist aber Realität. Unser Bauchladen, wie Sie sagen, passt sehr gut zusammen, weil sich die unterschiedlichen Geschäftsbereiche auf der gemeinsamen Basis Werkstoff-Kompetenz ergänzen. Sie nutzen gemeinsame Basistechnologien, aus denen dann je nach Anwendung ganz unterschiedliche Produkte entwickelt werden.

Das klingt sehr theoretisch.

Ich will das gern an Beispielen erläutern. Angefangen haben wir vor gut 160 Jahren als Leder-Gerberei. Bei der Überlegung, wie man die Lederreste verwerten könnte, entstanden die ersten Dichtungen für drehende Teile. Das war die Keimzelle für den heutigen weltmarktführenden Geschäftsbereich Dichtungs- und Schwingungstechnik. Als Leder nach dem ersten Weltkrieg knapp wurde, haben wir Kunstleder entwickelt, mit einem Textil-Gewebe als Trägermaterial und einer Kautschuk-Beschichtung. Das dabei erworbene Know-how über textile Trägermaterialien ist die Basis für die Vliesstofftechnologie mit zahlreichen Anwendungen in der Textilindustrie, für Haushaltsprodukte, Luft- und Wasserfilter, aber auch für Kabelummantelungen oder Windeleinlagen. Aus der Kautschuk- und Gummitechnologie wiederum entstanden medizinische Schläuche, Luftfederungen für Nutzfahrzeuge oder Fensterdichtungen für Flugzeuge.

Bei so vielen unterschiedlichen Anwendungen und Produkten dürfte es kaum Synergien geben.

Viel mehr als auf den ersten Blick erkennbar ist. Synergien ergeben sich vor allem durch die gemeinsame Nutzung neu entwickelter Technologien und gemeinsame Weiterentwicklung in unseren Kernkompetenzen Vliesstoffe, Chemie und Gummi. Darüber hinaus gibt es Vorteile durch teilweise gemeinsamen Rohstoff-Einkauf.

Was bringt die breite Streuung Ihres Geschäfts wirtschaftlich?

Die Diversifikation sowohl beim Produktportfolio wie bei der regionalen Verteilung der Umsätze macht uns weniger anfällig gegen Krisen und Konjunkturschwankungen. Wenn Auto- und Maschinenbau mal nicht so gut laufen, haben wir mit unseren Haushaltsprodukten, Zulieferungen für die Textilindustrie oder der Medizintechniksparte einen Ausgleich.

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