Gastkommentar: Auch im Abschwung kann es Gewinner geben

Gastkommentar: Auch im Abschwung kann es Gewinner geben

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 15:22 Uhr
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In freudiger Demut können sich die Autobauer vor dem zu Ende gehenden Jahr 2011 verneigen - das nächste Jahr wird voraussichtlich deutlich schlechter.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Autobranche steht vor einem schweren Jahr. Wer seine Produktion flexibel ausgerichtet hat, kann trotzdem zu den Gewinnern gehören. Für einen großen deutschen Autobauer kann 2012 genau deshalb zum Problem werden.

Es gibt sie noch die unbeirrbaren Optimisten wie den Bosch-Kfz-Chef Bernd Bohr. „Wir rechnen bei der weltweiten Automobilproduktion mit drei bis fünf Prozent Wachstum für 2012“, verkündete Bohr diese Woche auf der Tokyo Motor Show. Bereits Mitte November hatte sich sein Geschäftsführungsvorsitzender Franz Fehrenbach misstrauischer geäußert und die Beendigung der Schuldenkrise angemahnt. Der Fehrenbach-Einschätzung sind mittlerweile fast alle Automanager gefolgt.

Auf der Frankfurter IAA Mitte September sah das noch anders aus. Da wurde viel Zweckoptimismus an den Tag gelegt. Unisono wurde von hohen Auftragseingängen und langen Lieferzeiten gesprochen. Wir sehen keine Krise, war das Motto. Mittlerweile fertigen Opel und Ford nur noch mit gebremster Kraft, etwa in Spanien. Renault plant nächstes Jahr einen Monat sein spanisches Werk geschlossen zu halten und  Peugeot-Citroen hat angekündigt, 6.000 Mitarbeiter in Europa abzubauen. Fiat, so wird kolportiert, plane nächstes Jahr seine Produktion um 300.000 Fahrzeuge oder 25 Prozent zu kürzen.

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Und wer sich in Deutschland nach Autorabatten umschaut, reibt sich ungläubig die Augen. Seit fünf Jahren beobachtet das CAR-Institut das Rabattgeschehen. So hoch wie im Oktober und November waren die Rabatte noch nie. Autos gehen nur noch über hohe Preisabschläge weg.

Kein Wunder - denn wo man sich in der Welt auch umschaut, der Ausblick für die Autobranche ist mehr als trübe. Europa etwa kann man 2012 abhaken. Die Verschuldungskrise zwingt den Automarkt jetzt schon in die Knie, das wird nicht besser werden. Außerdem ist der Markt gesättigt und lebt ohnehin nur von Ersatzbedarf. In unsicheren Zeiten fahren die potentiellen Käufer ihr Auto zwei Jahre länger. Selbst mit höchsten Rabatten wird es schwieriger, sie zu ködern. Und so wird das kommende Jahr in West-Europa das schlechteste Autojahr seit 18 Jahren. Werden. Ein Minus von 670.000 Fahrzeugverkäufen wird erwartet.

Was für West-Europa gilt, trifft auch auf Japan nach Fukushima zu. Da bleiben nur die USA und die Bric-Staaten als Hoffnungsanker. In den Vereinigten Staaten ist nächstes Jahr Präsidentschaftswahl. Das war immer ein Grund für eine Sonderkonjunktur. Dieses Mal hat der Präsident allerdings kein mehrheitsfähiges Konzept, um das Land in Schwung zu bringen. Steuererhöhungen werden von den Republikanern geblockt, große Kürzungen bei den wichtigen Etats, wie Verteidigung, kann Obama nicht umsetzen. Das einzige was passieren könnte, wäre eine Abstufung im Rating.


West-Europa kann nicht voll ausgeglichen werden

Der US-Automarkt wird zwar im Jahr 2012 wachsen, denn er sitzt noch immer im Minus gegenüber seinem Normalniveau. Aber wenn er nur die Hälfte der Europa-Verluste auffängt, wäre das am Ende schon ein Erfolg. Russland ist zwar dieses Jahr sprunghaft gewachsen, aber Russland ist äußerst volatil. Sobald in Europa die Konjunktur stockt, hat Russland Probleme beim Gas- und Rohölverkauf und der Automarkt geht in die Knie. Brasilien hatte die letzten drei Jahre eine gute Konjunktur. Jetzt wird die Markteintrübung erkennbar. Indien ist zwar Bevölkerungsreich, stellt aber gerade vier Prozent aller weltweiten Autoverkäufe und nimmt so eine Nebenrolle ein. Hinzu kommt, der indische Automarkt ist in den letzten Monaten kaum über ein Prozent gewachsen.  

Erneut ruhen auf China wieder große Hoffnungen. Die Chinesen sollen marode europäische Staatsanleihen kaufen, den Binnenmarkt mit einem Konjunkturprogramm befeuern, verstärkt importieren und Autos kaufen. Genau so war es im Jahr 2008. Hohe Steuerbegünstigungen hatten den Autokauf sehr attraktiv gemacht - das half. Die Geschichte wird aber sich leider nicht wiederholen.

China leidet unter hoher Inflation, die Gefahr fauler Kredite ist gestiegen, Spekulationsblasen am Häusermarkt und die angespannten Gemeindehaushalte verbieten eine Wiederauflage dieser Hilfsaktion. China ist auch misstrauischer gegenüber den USA geworden, die Asien neu entdeckt haben. „Die gegenwärtige Krise ist düsterer und herausfordernder als die globale Finanzkrise, die 2008 durch den Lehman-Bankrott ausgelöst wurde“, sagte der stellvertretende chinesische Finanzminister Zhu Guangyao fast zeitgleich mit optimistischen Einschätzung des Bosch-Managers Bohr.


Auch in einem schlechten Markt kann es Gewinner geben

Die Auswirkungen sind bereits zu sehen. Billige China-Autos, Pick-ups, Kleintransporter und Geländewagen laufen in diesem Jahr im Minus. Die Goldgräberstimmung macht Pause. Von dieser Pause werden auch die Premiumhersteller nicht verschont bleiben. Selbst der chinesische Autoherstellerverband, bisher immer Berufsoptimist, rechnet mit höchstens vier Prozent Wachstum. Mit viel Glück könnten also China und die USA gemeinsam den Niedergang des westeuropäischen Marktes ausgleichen. Dies gilt dabei aber immer unter der Annahme, dass keine „Staatspleite“ à la Lehmann auftaucht. .

Kann es unter einer solchen Konstellation überhaupt Gewinner geben? Ja, wenn man sich frühzeitig auf die Entwicklung einstellt. Der entscheidende Hebel ist die Flexibilität in den Produktionskapazitäten. VW ist dabei, 50.000 neue Mitarbeiter einzustellen und käme dann auf eine Belegschaft mit rund 500.000 Beschäftigten. Das ist ein enormes Risiko.

BMW geht dagegen flexibel und balanciert zu Werke. Die Münchner waren schon 2008 Krisengewinner. Mit einem der wichtigsten Autos des Jahres 2012, dem neuen BMW-Dreier stehen die Chancen gut, wieder ordentliche Gewinne einzufahren. Mercedes bringt im Herbst 2012 die neue A-Klasse. Das Autochen bringt Schwung bei deutlich besseren Kosten auch Dank der Allianz mit Renault. An der neuen A-Klasse zeigt sich, dass Daimler-Manager Wolfgang Bernhardt die Produktion erfolgreich neu ausgerichtet hat. Zusätzlich haben die Schwaben viel aus ihrer Malaise 2008 gelernt.

Toyota wird indes im Jahr 2012 noch nicht zu den Gewinnern gehören, aber danach muss man mit den Japanern wieder rechnen. Und das koreanischen Duo Hyundai und Kia war bereits vor dem Winterkorn YouTube-Video als Langfristsieger gesetzt. Ford hat sich unter Alan Mulally enorm entwickelt und flexibilisiert. Eine gute Voraussetzung.

Fazit: Es steht eine Reihe von Unternehmen in den Startlöchern, auch im Jahr 2012 Gewinner zu sein. Dazu braucht es nicht den Zweckoptimismus des Bosch Managers Bohr, sondern modernes Kapazitätsmanagement.

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen  sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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