Gebremstes Wachstum: Reitzles Nachfolger muss die Suppe auslöffeln

Gebremstes Wachstum: Reitzles Nachfolger muss die Suppe auslöffeln

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Noch-Linde-Chef Wolfang Reitzle: Der Spezial-Gas-Konzern aus München baute im dritten Jahresviertel zwar Umsatz und operativen Gewinn aus, senkte aber sein Ergebnisziel für das Gesamtjahr leicht ab.

von Andreas Wildhagen

Die Ausblicke des Industriegase-Spezialisten Linde werden trüber, ausgerechnet kurz vor dem Ausscheiden von Konzernchef Wolfang Reitzle. Der Weg für seinen Nachfolger Büchele wird nicht steinig, aber steiler.

„Wir haben uns ganz gut geschlagen“, sagt Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Das klingt für einen Star doch sehr gedämpft. Erstmals zeigt sich für ein Quartalsergebnis bei Linde nicht nur Sonnenschein. Es kommt Herbstwind auf. Das bisherige Wachstumstempo verlangsamt sich: Die Abschwächung vieler Währungen im Vergleich zum Euro dämpft die Gewinnprognosen, Reitzle koppelt die Gewinnaussichten jetzt an die Entwicklung der Wechselkurse.

Trotz schwacher Kurse bei US-Dollar und britischem Pfund konnte Linde den Gewinn nach Steuern trotzdem leicht steigern, von 329 Millionen Euro auf 363 Millionen Euro. Unterdessen wächst der Schuldenberg, er beträgt jetzt 8,6 Milliarden Euro. Den amerikanischen Medizingase-Hersteller Lincare hatte Linde im vergangenen Jahr für 3,6 Milliarden Euro gekauft.

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Die Nachteile des Lincare-Kaufs: Es gibt kaum Synergie-Effekte zwischen dem europäischen Stammgeschäft von Linde und der neuen Tochter Lincare. Außerdem schätzten Analysten im vergangenen Jahr den Kaufpreis für Lincare als zu teuer ein. Der Vorteil des Medizingase-Geschäfts liegt ebenfalls auf der Hand: Das Dienstleistungsunternehmen für Sauerstofftherapien bei Atemwegspatienten ist weniger konjunkturanfällig als das Industriegase-Geschäft für Großunternehmen.

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Reitzle-Nachfolger Wolfgang Büchele, der im Mai das Zepter des dann aus Altersgründen regulär ausscheidenden ehemaligen Automobilmanagers übernimmt, hat in seiner Amtsperiode schwere Probleme vor der Brust. Reitzle peilte, wenn auch jetzt unter starken Wechselkursvorbehalten, für 2016 ein operatives Konzernergebnis von mindestens fünf Milliarden Euro an. Wie und wann auch immer hier eine Korrektur vorgenommen werden muss, ist Reitzles Sache nicht mehr. Die Suppe muss Büchele auslöffeln.

Zwischen 2013 und 2016 sollen die Bruttokosten um 750 bis 900 Millionen Euro im Konzern gesenkt werden. Kostspielig ist vor allem die Versorgungskette des Flaschen- und Flüssiggasgeschäfts. Doch das ist auch ein Teil der Dienstleistung, für die Linde bisher bei den Industriekunden geschätzt war. Wird hier gespart, kommt ein Herzstück der Industriegase-Versorgung vor allem im Mittelstand (Schweißbetriebe) unter die Räder.

Die Prognose für die Nach-Reitzle-Ära: Der Weg von Reitzle-Nachfolger Büchele wird nicht steinig, aber steiler.

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