Generika-Verkauf: Frisches Geld für Boehringer

Generika-Verkauf: Frisches Geld für Boehringer

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Boehringer erhält in dem Deal auch Aktien von Hikma und ist damit zu 16,71 an dem britischen Konzern beteiligt.

von Jürgen Salz

Boehringer verkauft sein US-Generika-Geschäft. Der Käufer ist der britische Konkurrent Hikma. Das Geld kann der rheinland-pfälzische Pharmakonzern gut gebrauchen – ungeplante Ausgaben hatten zuletzt die Bilanz belastet.

Der Pharmakonzern aus dem rheinland-pfälzischen Ingelheim verkauft sein US-Generika-Geschäft für 2,6 Milliarden Dollar an den britischen Arzneimittelhersteller Hikma. Nach einigen Rückschlägen kann das deutsche Familienunternehmen das Geld gut gebrauchen.

Allerdings erhält Boehringer davon nur etwa 1,2 Milliarden Dollar in bar. Den Rest zahlt Hikma mit eigenen Aktien – so dass Boehringer nun mit 16,71 Prozent an dem Londoner Unternehmen beteiligt ist. Immerhin ist die Hikma-Aktie in den vergangenen Jahren tendenziell gestiegen.

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Boehringer kann das Geld jedenfalls gut brauchen. Zuletzt häuften sich in Ingelheim einige ungeplante Ausgaben. 650 Millionen Dollar zahlte Boehringer, um sich in den USA mit Klägern wegen des Anti-Schlaganfallmittels Pradaxa zu einigen – bei etlichen Patienten sollen durch Pradaxa innere Blutungen aufgetreten sein. Mehrere hundert Millionen Euro kostete zudem die Sanierung einer heruntergekommenen US-Fabrik in Bedford/Ohio.

Im vergangenen Jahr verkaufte Boehringer die Tochtergesellschaft Bedford Laboratories dann – an Hikma. Die Probleme schlugen auch auf die Geschäftszahlen von Boehringer durch: Im Jahr 2014 ging der Umsatz gegenüber Vorjahr um fünf Prozent auf 13,3 Milliarden Euro zurück, das Betriebsergebnis stagnierte bei 2,1 Milliarden Euro. Im Unternehmen ist ein Sparprogramm angelaufen, in Deutschland sollen 500 der 14 800 Stellen abgebaut werden.

Boehringer Ingelheim - Der Konzern in Zahlen

  • Umsatz

    13,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2014.

  • Betriebsergebnis

    2,1 Milliarden Euro.

  • Mitarbeiter

    47.000 Mitarbeiter.

  • Bekannte Medikamente

    Spiriva: Das Arzneimittel zur Entspannung der Bronchialmuskeln bei Asthma-Erkrankungen wurde 1991 von Boehringer Ingelheim entwickelt. 2005 erhielt es den Robert Koch Award, eine Auszeichnung für eine herausragende Medikamentenentwicklung.
    Pradaxa: Wiederholt stand der Pharmakonzern wegen seines Blutgerinnungshemmers Pradaxa in der öffentlichen Kritik. 2011 war bekannt geworden, dass das Medikament zur Schlaganfallprävention mit Hunderten Todesfällen in Verbindung gebracht wurde.
    Thomapyrin: Thomapyrin ist ein schmerzstillendes und fiebersenkendes, rezeptfreies Medikament mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Koffein und Paracetamol.

Den Verlust des Generika-Geschäftes wird Boehringer verschmerzen können. Ohnehin waren die Ingelheimer mit ihren Nachahmerpräparaten lediglich in den USA tätig. In Deutschland konzentriert sich Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern – nach Bayer – auf verschreibungspflichtige Präparate und rezeptfreie Mittel wie Thomapyrin. Anfang des Jahres hatte Boehringer bereits angekündigt, sich von den US-Generika zu trennen. Nach der Verkündung legte die Hikma-Aktie um zehn Prozent zu; das Familienunternehmen Boehringer ist dagegen nicht an der Börse notiert.

Erst Anfang der Woche hatte eine weitere Generika-Übernahme für Furore gesorgt: Für 40 Milliarden Dollar übernahm das israelische Unternehmen Teva, zu dem unter anderem Ratiopharm gehört, die Generika-Sparte des Botox-Herstellers Allergan.

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