Gentechnik-Übernahme: Monsanto gegen Neil Young, den Papst und Syngenta

Gentechnik-Übernahme: Monsanto gegen Neil Young, den Papst und Syngenta

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Das Image des US-Saatgutkonzerns Monsanto liegt irgendwo in der Nähe von Waffenhändlern und Drogendealern.

von Jürgen Salz

Im Übernahmekampf am Agrarmarkt greifen der US-Konzern Monsanto und die Schweizer Syngenta zu ungewöhnlichen Methoden. Um den Druck auf die Schweizer zu erhöhen, bringen die Amerikaner nun auch Bayer ins Spiel.

Das Image des US-Konzerns Monsanto liegt irgendwo in der Nähe von Waffenhändlern und Drogendealern. Auf den US-Konzern, weltweit der eifrigste Verfechter von gentechnisch veränderten Pflanzen, prasseln eine Reihe schwerwiegender Vorwürfe ein: Die Konzernkritiker in Umweltverbänden und NGOs argumentieren, dass Monsanto rücksichtslos politische Interessen durchsetzt, die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln verhindert und den Landwirten, die Monsanto-Saatgut verwenden, Knebelverträge aufdrückt.

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Und dann gibt es noch eine Reihe prominenter Gegner: Am Freitag veröffentlicht der kanadische Rockmusiker Neil Young sein neues Album „The Monsanto Years“, in dem er gegen Monsanto zu Felde zieht. Papst Franziskus warnt in seiner neuen Umwelt-Enzyklika, ohne Namen zu nennen, vor der Expansion von Oligopolen im Agrargeschäft.

Speziell beim Schweizer Unternehmen Syngenta sitzen zahlreiche Monsanto-Skeptiker. Seit Monaten müht sich Monsanto um eine Übernahme von Syngenta, den Weltmarktführer bei klassischen Pflanzenschutzmitteln. Monsanto möchte so unabhängiger von der grünen Gentechnik werden. Bislang zeigt sich Syngenta stark ablehnend. Der Preis von etwa 45 Milliarden Dollar ist Syngenta-Verwaltungsratschef Michel Demare zu niedrig, außerdem gebe es kartellrechtliche Hürden.

Industrie Auch 2015 stimmt die Chemie nicht

Schlechte Aussichten in der Chemiebranche: Der Umsatz wird im laufenden Jahr sinken, prognostiziert der Chemieverband VCI. Auch der fallende Ölpreis hilft den Unternehmen nicht weiter.

Die Probleme der Chemieindustrie hatten sich bereits im vierten Quartal 2014 angedeutet. Quelle: dapd

Im eskalierenden Streit greifen die Kontrahenten nun zu unkonventionellen Methoden. Seine Ablehnung begründete Demare am Dienstag nicht in einer offiziellen Mitteilung, sondern auf Youtube: der Konzern hatte dazu ein zwölfminütiges Video produziert.

Kurz darauf konterte Monsanto-Vorstand Brett Begemann, Monsanto könne, falls es mit Syngenta nichts wird, ja mal bei Bayer nachfragen, ob die nicht ihr Pflanzenschutzgeschäft verkaufen wollen. Bislang ist das freilich reines Wunschdenken. Bayer hat keinen Verkaufsdruck, die Geschäfte mit den Unkraut-, Pilz- und Insektenvernichtern sowie beim Saatgut laufen gut. Das Management ist derzeit vollends damit beschäftigt, die Chemiesparte abzuspalten.

Bayer-Chef Marijn Dekkers  will sich fortan auf die „Life Sciences“ konzentrieren. Dazu gehört, wie der Konzern betont, neben der Gesundheit auch die Sparte Landwirtschaft. Noch Ende Mai sagte Dekkers, dass es keine Pläne gebe, sich von der Pflanzen-Sparte zu trennen. Laut Begemann wäre auch eine Marketingkooperation zwischen Bayer und Monsanto möglich.

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Wahrscheinlich ist die Aktion auch nur ein Manöver von Monsanto, um den Druck auf Syngenta zu erhöhen. Bei den Amerikanern, die seit zwei Jahren immer mal wieder versuchen, Syngenta zu übernehmen, wächst die Ungeduld. So dürfte es nun noch Wochen oder Monate weitergehen. In Zeiten des Übernahmekampfes ziehen die Konzerne ebenso wie die Monsanto-Kritiker derzeit an allen möglichen Strippen.

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