Geschäftsreise mit dem Flieger: Wer braucht eigentlich Business Jets?

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Geschäftsreise mit dem Flieger: Wer braucht eigentlich Business Jets?

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Abgehoben? Ein Geschäftsjet G650 von Gulfstream in der Luft.

von Stephan Happel

Kritiker halten sie für Protzobjekte, andere sehen in ihnen Produktivitätsmaschinen: Business Jets erlebten in der Wirtschaftskrise den Absturz. Nun kommen sie zurück – größer und schneller denn je.

Der Himmel über Davos ist eng. Zumindest, wenn die Wirtschaftselite tagt. „1700 Privat-Jets beim Weltwirtschaftsforum in Davos“, titelten verschiedene Medien in dieser Woche, ätzten über den Protz und die vermeintliche Umweltverschmutzung.

Bei genauerem Blick auf die Daten des Flugmonitor-Unternehmens WingX Advance stellt sich die Zahl der Jets als wesentlich geringer heraus. Rund 400 Privatflugzeuge sind während des World Economic Forum über der Schweiz unterwegs. Damit ist das Flugaufkommen in der Region derzeit dennoch doppelt so hoch wie in gewöhnlichen Wochen.

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Business Jets im Aufwind

Tatsächlich fliegen viele der Mächtigen mit einem Geschäftsflugzeug nach Davos. Das ist ein gutes Zeichen für die Hersteller und Betreiber von Business Jets. Denn seit 2008 hat die Branche harte Zeiten durchgemacht.

„In der Finanzkrise brach der gesamte Markt zusammen. Die Flugaktivitäten gingen um 30 Prozent zurück“, erinnert sich der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Für viele Unternehmen blieben die Geschäfte aus und mit ihnen der Grund zu fliegen.

Es entwickelte sich eine einfache Logik: Wer nicht fliegt, braucht auch keine Flugzeuge. Die Folgen der Wirtschaftskrise trafen die Flugzeugbauer hart. Neue Aufträge blieben aus, bestehende wurden storniert.

Doch nun ist die Branche wieder im Aufwind. Auch wenn der Flugbetrieb in Europa noch immer leicht unter Vorkrisenniveau liegt, sind die Hersteller von Business Jets zuversichtlich. Das Branchenmagazin „Aviation Week“ geht davon aus, dass die großen Produzenten wie Bombardier, Cessna, Gulfstream und Dassault in naher Zukunft viel Geld machen werden.

Womit Geschäftsreisende am häufigsten fliegen

  • Business Jets

    Nutzen Geschäftsreisende keinen Linienflug, fliegen sie am häufigsten mit Business Jets. Fast drei Viertel der von WingX Advance erfassten europäischen Geschäftsreiseflüge fanden mit einem Düsenflugzeug statt.

    Flüge im Dezember: 32.032
    Marktanteil: 73,4 Prozent
    Anteil Privatflüge: 42,9 Prozent
    Anteil Charterflüge: 57,1 Prozent
    Quelle: WingX Advance Business Aviation Insight December 2014

  • Business Turboprop

    Kleinere Geschäftsreiseflugzeuge werden häufig durch ein Propellerturbinenluftstrahltriebwerk, kurz Propellerturbine, angetrieben.

    Flüge im Dezember: 11.422
    Marktanteil: 19,6  Prozent
    Anteil Privatflüge:  57, 2 Prozent
    Anteil Charterflüge: 42,8 Prozent

  • Business Piston

    Auch Leichtflugzeuge mit einem Kolbenmotor dienen Geschäftsreisenden als Fortbewegungsmittel, sind aber vergleichsweise selten.

    Flüge im Dezember: 7.371
    Marktanteil: 7,0  Prozent
    Anteil Privatflüge: 76,3 Prozent
    Anteil Charterflüge: 23,7 Prozent

Während die Zahl der produzierten Flieger in den kommenden Jahren leicht sinken wird, steigt der Umsatz. Den Gesamtumsatz der Branche beziffern die Experten für die Jahre 2015 bis 2019 auf rund 148 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Für den Zeitraum zwischen 2014 und 2018 lag die Summe bei rund 136 Milliarden.

Bombardier gibt Learjet 85 auf

Aber auch im Aufschwung gibt es Rückschläge. Starke. In der vergangenen Woche gab Bombardier bekannt, die Entwicklung des Learjet 85 bis auf Weiteres zu stoppen. Was der kanadische Konzern eine „Pause“ nennt, klingt wie ein endgültiges Aus. Die Arbeitsplätze in den USA und Mexiko jedenfalls sind gestrichen. Rund 1000 Stellen werden abgebaut.

Die größten Business-Jet-Bauer

  • Bombardier

    Bestellte Flieger (2015 -2019)
    Anzahl: 1328
    Marktanteil: 25,3 Prozent

    Produktionswert (2015 -2019)
    Summe: 45,8 Milliarden US-Dollar
    Marktanteil: 31 Prozent
    Quelle: Aviation Week

  • Cessna

    Bestellte Flieger (2015 -2019)
    Anzahl: 1154
    Marktanteil: 22 Prozent

    Produktionswert (2015 -2019)
    Summe: 14 Milliarden US-Dollar
    Marktanteil: 9,5 Prozent

  • Dassault

    Bestellte Flieger (2015 -2019)
    Anzahl: 495
    Marktanteil: 9,4 Prozent 

    Produktionswert (2015 -2019)
    Summe: 22,3 Milliarden US-Dollar
    Marktanteil: 15,1 Prozent

  • Embraer

    Bestellte Flieger (2015 -2019)
    Anzahl: 829
    Marktanteil: 15,8 Prozent

    Produktionswert (2015 -2019)
    Summe: 12 Milliarden US-Dollar
    Marktanteil: 8,1 Prozent

  • Gulfstream

    Bestellte Flieger (2015 -2019)
    Anzahl: 896
    Marktanteil: 17 Prozent 

    Produktionswert (2015 -2019)
    Summe: 45,1 Milliarden US-Dollar
    Marktanteil: 30,5 Prozent

Die Entscheidung überraschte selbst Branchenkenner. Die zweistrahligen Learjets stehen wie keine anderen für den Typ des Business Jets. Mit dem Modell 85 wollte Bombardier die Traditionsmarke in die Zukunft führen. Größer und komfortabler als seine Vorgänger sollte das Flugzeug werden, fähig so weit zu fliegen wie kein anderer Learjet zuvor. Erstmals setzte der Hersteller nicht auf die klassische Metallbauweise, sondern auf Faserverbundwerkstoffe – und übernahm sich dabei. Das Projekt verzögerte sich, verschlang zusätzliche Millionen.

Bombardier zog die Reißleine, weil die Chancen, den Learjet noch zu einem Erfolg zu machen, offenbar gering sind. „Im Bereich der sogenannten Super Midsize Jets gibt es eine Menge Wettbewerb“, sagt Flugzeugexperte Großbongardt. Nicht nur, dass die anderen großen Anbieter wie Gulfstream, Cessna und Dassault meist mit gleich mehreren Modellen in dem Segment vertreten sind. Mit der Legacy-Familie setzt der kleinere Hersteller Embraer die Großen unter Druck.

„Wir werden unsere Ressourcen auf unsere anderen beiden vielversprechenden Flugzeugprogramme ausrichten, die sich in der Entwicklungsphase befinden: Die C-Series und Global 7000/8000, für die wir ein enormes Marktpotenzial sehen“, erklärte deshalb Bombardier-Chef Pierre Beaudoin – und zeigte damit auch die Tendenz auf, in die sich der Markt entwickelt.

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