Gesundheit: Pharmakonzern Merz will schöner werden

Gesundheit: Pharmakonzern Merz will schöner werden

von Jürgen Salz

Die Frankfurter Merz-Gruppe zählt neben Bayer, Boehringer, Merck und Grünenthal zu den wenigen forschenden Medikamenten-Herstellern aus Deutschland. Nun will sich das Familienunternehmen wieder auf alte Stärken besinnen.

Der Slogan aus den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ist unkaputtbar. "Natürliche Schönheit kommt von innen" – so bewarb Merz einst seine Spezial-Dragees und versprach den Anwenderinnen unter anderem "festere Fingernägel" und "straffere Haut".

An diesem Dienstag will nun der amtierende Merz-Chef Philip Burchard die aktuellen Zahlen sowie die Strategie des Familienunternehmens erläutern – und wieder geht es dabei um Schönheit. Wie schon in den Sechzigerjahren lockt das Familienunternehmen wieder mit Produkten für die gepflegte, äußerliche Erscheinung.

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Merz will zu einem der führenden Anbieter in der Schönheitsmedizin werden. Dazu hat Burchard etwa vor wenigen Monaten das US-Unternehmen Ulthera erworben – die Amerikaner stellen medizinische Geräte her, die Ultraschallwellen unter die Haut schicken. Kleine Hitzepunkte entstehen und die Haut wird angeregt, sich zu erneuern.

Alternative zu Botox

Bei Merz hoffen sie nun, dass sich das Verfahren zu einer günstigen Alternative zur Botox-Spritze entwickelt. Doch damit nicht genug: Im vergangenen Jahr hat Merz die Schweizer Unternehmen Neocutis (Hautpflege) und Anteis (Spritzen) übernommen. Insgesamt hat Merz damit in jüngster Zeit rund eine Milliarde Euro in die Schönheitsmedizin investiert.

Frankfurter Pharmakonzern Merz-Gruppe schafft Umsatzmilliarde

Die Pharmagruppe Merz hat im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich mehr verdient und erstmals die Umsatzmilliarde erreicht. Trotzdem bleibt der Traditionskonzern realistisch – zunächst nur für die kommenden Jahre.

Das Forschungslabor der Firma Merz in Frankfurt: Die Pharmagruppe hat erstmals die Umsatzmilliarde geknackt. Quelle: dpa

Ob das Geld gut angelegt ist, muss sich noch weisen. Denn immerhin tritt das Frankfurter Familienunternehmen nun gegen Branchengrößen wie das US-Unternehmen Allergan, den Erfinder von Botox, an. Und gegen den kanadischen Konkurrenten Valeant, der gerade darum buhlt, Allergan zu übernehmen. Sowohl Merz als auch Valeant kämpften im vergangenen Jahr um das US-Hautpflege-Unternehmen Obagi. Valeant gewann, Merz musste sich geschlagen geben.

Tatsache ist: Merz braucht eine neue Idee. Bislang hatten die Frankfurter vor allem von dem Alzheimerpräparat Memantine gelebt. Dessen Patent läuft allerdings gerade aus, die Umsätze schwinden.

Produkte passen nicht zusammen

Das ganze Unternehmen gleicht einer Wundertüte. So richtig passen die Produkte, die Merz vertreibt, auf den ersten Blick nicht zusammen. Neben dem Alzheimerpräparat und den Spezialdragees zählen noch die Erkältungsbäder (tetesept) und Kugelschreiber der Marke Senator zum Sortiment.

Innerhalb dieses Sammelsuriums will sich Burchard nun wohl vor allem auf die Schönheitsmedizin konzentrieren. Der Unternehmenschef setzt darauf, dass immer mehr Kunden bereits sind, für ästhetische Medizinprodukte Geld auszugeben. Die Margen sind zwar nicht ganz so hoch wie bei patentgeschützten Medikamenten, dafür können aber auch nicht die Krankenkassen mit ihren Forderungen nach Preisnachlässen nerven.

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Dass sich Merz derzeit im Umbruch befindet, lässt sich übrigens auch an den Zahlen für das Geschäftsjahr 2013/14, das Ende Juni endete, ablesen: Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stieg der Umsatz der Merz-Gruppe gegenüber Vorjahr nur leicht um ein Prozent auf 994 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank dagegen von 332 Millionen Euro auf 247 Millionen Euro.

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