
Der Golfstaat Katar gefährdet mit einer überraschenden Preis-Nachforderung in letzter Sekunde den Zusammenschluss der Rohstoff-Giganten Glencore und Xstrata im Volumen von 26 Milliarden Dollar. Katar erklärte in der Nacht zum Mittwoch, Glencore müsse 3,25 eigene Aktien für jeden Xstrata-Anteilsschein bezahlen und nicht wie bislang geplant 2,8.
Damit wird es für den weltgrößten Rohstoffhändler schwer, den in der Schweiz ansässigen Bergbaukonzern Xstrata wie geplant zu schlucken, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters berichteten. Glencore müsse sein Angebot entweder bis Donnerstagabend aufstocken oder für Mitte Juli angesetzte Aktionärsversammlungen verschieben, hieß es.
Katar ist nach Glencore der zweitgrößte Aktionär von Xstrata und spielt daher bei dem Zusammenschluss eine wichtige Rolle. Analysten erwarteten, dass Glencore die im Februar vereinbarten Konditionen für den Zusammenschluss aufstocken wird. "Wir glauben, dass wohl eine Erhöhung notwendig ist, um Katar und andere Xstrata-Aktionäre zu gewinnen - vermutlich von 2,8 auf 3,0 Glencore Aktien pro Xstrata Papier", teilten die Analysten von Jefferies mit.
Die größten Rohstoffkonzerne der Welt
Xstrata+Glencore
Mit einem Umsatz von 110,3 Milliarden Euro ist Glencore schon heute einer der größten Rohstoffkonzerne der Welt. Durch die Fusion mit dem zweitgrößten Schweizer Rohstoffkonzern Xstrata erreicht der neue Konzern einen Börsenwert von rund 80 Milliarden Dollar. Damit entsteht ein neuer Rohstoffriese.
Rio Tinto
Der multinationale Konzern gehört nicht nur zu den weltweit führenden Unternehmen beim Abbau von Kohle, Diamanten und Kupfer - auch in der Aluminiumproduktion ist der Konzern Weltmarktführer. Der Börsenwert wird auf 93,7 Milliarden Dollar geschätzt.
Vale
Der brasilianische Rohstoffriese kontrolliert 35 Prozent des Eisenerz-Marktes, vor allem mit Exporten aus dem Heimatland. Der Börsenwert wird auf 105,9 Milliarden Euro taxiert. Neben dem Rohstoffgeschäft gehört das Unternehmen zu den führenden Logistikkonzernen Brasiliens.
BHP Billiton
Der australische-britische Rohstoffriese ist ein begehrtes Übernahmeziel der Konkurrenz. Rio Tinto und Chinalco waren an einer Übernahme interessiert, doch das Geschäft platzte. Mit einem Börsenwert von 153,9 Milliarden Euro ist BHP Billiton heute der wertvollste Rohstoffkonzern der Welt.
China Shenhua
Der chinesische Rohstoffkonzern ist der zweitgrößte Kohleproduzent der Welt. Durch Übernahmen im Energiesektor ist der Börsenwert des größten asiatischen Rohstoffunternehmens auf 65,5 Milliarden Dollar angewachsen.
Anglo American
Gold, Diamanten, Platin - der britisch-südafrikanische Rohstoffkonzern hat sich vor allem auf edle Rohstoffe spezialisiert. Aber auch Kohle, Eisen und weitere Industriemetalle gehören zum Portfolio des Konzerns. Der Börsenwert beträgt rund 45 Milliarden Euro.
Eine Aufstockung bis auf 3,25 eigene Aktien hielten sie dagegen für unwahrscheinlich. "Ohne Änderungen ist der Deal gestorben", betonte ein weiterer Analyst. Denkbar seien nun Verzögerungen von bis zu einem Jahr. Katars Staatsfonds betonte, noch immer den Sinn des Zusammenschlusses anzuerkennen. Er wolle jedoch günstigere Bedingungen erreichen. Bereits nach der Fusionsankündigung zu Jahresanfang war wegen des im Branchenvergleich geringen Aufschlags eine Aufstockung des Angebots erwartet worden.
Ein Banker vermutete hinter der Nachforderung nun eine koordinierte Aktion mehrerer Aktionäre. Glencore-Papiere fielen an der Londoner Börse zum Handelsauftakt um rund drei Prozent, Xstrata-Aktien lagen 1,4 Prozent im Minus.
Glencore prüft Manager-Bezüge
Glencore unternahm am Mittwoch bereits die ersten Schritte, um das Großvorhaben doch noch über die Ziellinie zu führen. Möglicherweise werde die Manager-Vergütung für das Xstrata-Geschäft geändert, kündigte der Konzern in einer Mitteilung an - jedoch ohne auf die Preisforderungen einzugehen. Entsprechende Vorschläge vom Xstrata-Vorstand würden geprüft. Die großzügigen Zahlungen an Manager waren ein Teil der Fusionsabmachungen und hatten bei Aktionären für Verärgerung gesorgt.
Der Staatsfonds von Katar hat seinen Anteil an Xstrata seit Februar auf rund elf Prozent erhöht und ist nun nach Glencore der zweitgrößte Anteilseigner. "Die Aufstockung des Anteils scheint rückblickend Teil einer klaren Strategie", sagte ein Banken-Insider zu Reuters. "Die Strategie, den Anteil zu erhöhen und dann zu Glencore zu gehen und zu sagen 'gib uns bessere Konditionen oder der Merger ist tot'." Damit habe sich auch die Rolle von Katar geändert, das bislang meist als stiller Teilhaber aufgetreten sei und sich nun zum ernstzunehmenden Investor gewandelt habe, sagte ein weiterer Bankmanager.
Der Fonds hält weltweit Konzernbeteiligungen etwa an Porsche und dem Luxuskonzern LVMH. Die Fusion zwischen dem weltgrößten Rohstoffhändler Glencore und dem viertgrößten Bergbaukonzern der Welt wäre der größte Zusammenschluss in der Branche seit 2007, als der australische Bergbauriese Rio Tinto den Aluminiumkonzern Alcan für 38 Milliarden Dollar übernahm und damit zugleich eine neue Rekordmarke setzte. Die Konzerne versprechen sich von der Fusion milliardenschwere Einsparungen und einen Vorsprung, um die massive Rohstoffnachfrage aus China und anderen Schwellenländern bedienen zu können.

























