Great Wall Motor: Chinesen greifen nach Fiat Chrysler

Great Wall Motor: Chinesen greifen nach Fiat Chrysler

, aktualisiert 21. August 2017, 14:17 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Great Wall, der größte SUV-Hersteller Chinas, erwägt den Kauf von Fiat Chrysler. Auto-Milliardär Wei Jianjun will so Audi, BMW und Mercedes herausfordern. Doch seine internationale Expansion könnte ausgebremst werden.

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Wei Jianjun, Gründer und Vorstandschef von Great Wall Motors

Der chinesische Autohersteller Great Wall Motors ist an einer Übernahme von Fiat Chrysler (FCA) interessiert. „Wir haben großes Interesse an Fiat Chrysler. Aber wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir ein Kaufangebot für die gesamte Gruppe oder nur für die Marke Jeep machen werden“, sagte eine Sprecherin des chinesische Unternehmens am Montag dem Handelsblatt.

FCA ist seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Partner oder Käufer. Der siebtgrößte Autobauer der Welt hat Probleme, bei der Entwicklung neuer Technologien in der Branche mitzuhalten. Volkswagen und General Motors hatten öffentliches Werben von FCA-Chef Sergio Marchionne jedoch zurückgewiesen. Fiat-Aktien legten an der Mailänder Börse um rund fünf Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren zu.

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Great Wall genießt in China einen Sonderstatus. Seit 14 Jahren rangiert die Firma auf dem Spitzenplatz der SUV-Hersteller. Der Gründer und Chairman Wei Jianjun ist ein sehr selbstbewusster Unternehmer. Das Geschäft auf dem weltgrößten Automarkt in seinem Heimatland reicht ihm nicht mehr. Auf der Automesse in Schanghai kündigte er an, seine Firma werde bis zum Jahr 2020 zum weltweit führenden SUV-Hersteller aufsteigen – und an Jeep und Jaguar Land Rover vorbeiziehen. Dazu kreierte das Unternehmen eigens die für das internationale Geschäft geschaffene Marke Wey.

Auch in China boomen SUV

  • 2008

    Limousinen: 5.047.000 Fahrzeuge
    SUV: 448.000 Fahrzeuge
    MPV*: 197.000 Fahrzeuge
    Minivans: 1.064.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 6.756.000 Fahrzeuge

    Quelle: Chinesischer Branchenverband CAAM

    Die Daten beziehen sich auf den Verkauf von Herstellern an die Händler, nicht auf den Verkauf an die Endkunden.

    *Multi Purpose Vehicle, entspricht einem Van

  • 2009

    Limousinen: 7.473.000 Fahrzeuge
    SUV: 659.000 Fahrzeuge
    MPV: 249.000 Fahrzeuge
    Minivans: 1.950.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 10.331.000 Fahrzeuge

  • 2010

    Limousinen: 9.494.000 Fahrzeuge
    SUV: 1.326.000 Fahrzeuge
    MPV: 445.000 Fahrzeuge
    Minivans: 2.492.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 13.757.000 Fahrzeuge

  • 2011

    Limousinen: 10.123.000 Fahrzeuge
    SUV: 1.595.000 Fahrzeuge
    MPV: 498.000 Fahrzeuge
    Minivans: 2.258.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 14.473.000 Fahrzeuge

  • 2012

    Limousinen: 10.745.000 Fahrzeuge
    SUV: 2.989.000 Fahrzeuge
    MPV: 493.000 Fahrzeuge
    Minivans: 2.257.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 15.795.000 Fahrzeuge

  • 2013

    Limousinen: 12.010.000 Fahrzeuge
    SUV: 2.989.000 Fahrzeuge
    MPV: 1.305.000 Fahrzeuge
    Minivans: 1.625.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 17.929.000 Fahrzeuge

  • 2014

    Limousinen: 125.376.000 Fahrzeuge
    SUV: 4.078.000 Fahrzeuge
    MPV: 1.914.000 Fahrzeuge
    Minivans: 1.332.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 19.701.000 Fahrzeuge

  • 2015

    Limousinen: 10.531.000 Fahrzeuge
    SUV: 5.500.000 Fahrzeuge
    MPV: 1.888.000 Fahrzeuge
    Minivans: 1.008.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 18.927.000 Fahrzeuge

  • 2016

    Limousinen: 12.150.000 Fahrzeuge
    SUV: 9.021.000 Fahrzeuge
    MPV: 2.496.000 Fahrzeuge
    Minivans: 683.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 24.350.000 Fahrzeuge

  • 2017 (bis Ende März)

    Limousinen: 1.849.000 Fahrzeuge
    SUV: 1.553.000 Fahrzeuge
    MPV: 354.000 Fahrzeuge
    Minivans: 94.000 Fahrzeuge
    Gesamt: 3.851.000 Fahrzeuge

Doch die Aufholjagd stockt. Die neue Marke, die eigentlich zum Sprint ansetzen sollte, kommt bisher kaum aus dem Startblock. Zur Vorlage der Halbjahreszahlen konnte Great Wall nur den Absatz von 3166 Einheiten seines Wey-SUV VV7 bekanntgeben. Dabei hatte Wey den Absatzrückgang bei den führenden Great-Wall-Modellen in China ausgleichen sollen. Das Spitzenmodell Haval H6 macht immer noch rund die Hälfte des Absatzes der Firma aus. Doch in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gingen die Verkäufe des einstigen Spitzenmodells um 5,5 Prozent auf rund 264.000 Einheiten zurück.

Schlimmer noch: Der Gewinn der Gruppe geht zurück. Im Laufe dieser Woche sollen die abschließenden Zahlen vorgelegt werden. Der Gewinnrückgang werde 79 Prozent im Jahresvergleich ausmachen, war die Erwartung von Bloomberg befragten Analysten. Wei braucht die internationale Expansion dringender denn je.

Autonomes Fahren Fiat Chrysler beteiligt sich an BMW-Allianz

Fiat Chrysler schließt sich der Allianz von BMW, Intel und Mobileye zum automatisierten Fahren an. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden.

Das Fiat-Logo Quelle: REUTERS

Daher könnte Great Wall großes Interesse haben, seinen internationalen Marktanteil insbesondere mit der Übernahme der Marke Jeep aufwerten zu wollen. „Eine erfolgreiche Übernahme ist dennoch sehr unwahrscheinlich“, sagte Zhong Shi, Chefredakteur des Fachmagazins AutorR. Wei Jianjun würde schlicht das Geld fehlen, sich eine so kostspiele Übernahme leisten zu können, vermutete Zhong.

Jeep wird als international erfolgreiche Marke von Morgan Stanley auf einen Wert von etwa 20,6 Milliarden Euro geschätzt. Mit einem Kauf von Jeep würde sich Great Wall daher übernehmen, warte Zhong.

Beim Mutterkonzern FCA sieht das anders aus: Trotz der jüngsten Kurszuwächse ist der weltweit siebtgrößte Autohersteller an der Börse ein Leichtgewicht – und kommt auf einen Marktwert von gerade einmal 16,8 Milliarden Euro. „FCA hat heute nicht die Dimension, um auf dem Automarkt, der einem großen Wandel unterworfen ist, präsent zu bleiben“, sagt Autoexperte Giuseppe Berta von der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi.

Studie Autokäufer beim Diesel deutlich skeptischer

Wer sich in Deutschland auf die Suche nach einem neuen Auto begibt, ist bei Dieselfahrzeugen heute deutlich zurückhaltender, besagt eine neue Studie. Hybrid-Motoren erfreuen sich dafür wachsender Beliebtheit.

Autofahrer sind mittlerweile deutlich skeptischer beim Kauf eines Diesels. Quelle: dpa

Lange flirtete FCA-Chef Marchionne darum öffentlich mit US-Konkurrent General Motors, doch GM-Chefin Mary Barra erteilte den italienischen Avancen eine Absage. Auch, Gerüchte eine Übernahme durch um Volkswagen wurden dementiert. Zu den chinesischen Übernahmegerüchten hüllt sich der sonst so redselige FCA-Chef Sergio Marchionne dagegen in Schweigen. Vor Analysten hatte er im April offen darüber nachgedacht, dass ein Spin-Off der FCA-Marke Jeep möglich sei, berichteten zuletzt italienische Medien.

„FCA ist in der Warteschleife“, so der italienische Branchenexperte Berta, „entweder kommt doch noch eine Fusion mit einem anderen Autokonzern zustande - oder es werden Konzernteile abgetrennt“. Im Markenreich der Italiener befinden sich international attraktive Marken – neben Jeep auch die US-Pickup-Marke Ram, sowie Alfa Romeo und Maserati.

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