Greenpeace-Studie: Luxusmarken vergiften die Umwelt

Greenpeace-Studie: Luxusmarken vergiften die Umwelt

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Näherinnen arbeiten in einer der 4300 Fabriken der Bekleidungsbranche in Bangladesch.

von Niklas Dummer

Unternehmen wie Primark und H&M verbannen nach und nach die Giftstoffe aus ihren Produkten. Ausgerechnet Luxusmodelabels schaffen das nicht, wie eine Untersuchung von Greenpeace zeigt.

Zahlreiche Textilkonzerne haben schädliche Chemikalien aus ihrer Produktion verbannt. Allerdings sind es gerade die Luxushersteller wie Giorgio Armani, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton und Versace, die sich um den Umweltschutz nicht scheren.

Das hat eine Untersuchung von Greenpeace ergeben. „Die Edelmarken, die einen ordentlichen Verkaufspreis erzielen, sollten die ersten sein, die sauber produzieren“, sagt Kirstin Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace. Aufgrund der hohen Verkaufspreise hätten sie am ehesten die Möglichkeiten dazu.

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Detox-Schlusslichter

  • Die Kategorie

    Als „Detox-Schlusslichter“ bezeichnet Greenpeace Unternehmen, denen eine schädliche Produktion nachgewiesen werden konnte, die aber nichts unternehmen, um diesen Missstand auszubessern.

  • Giorgio Armani

    Der italienische Luxushersteller hat vor zwei Jahren mit Gewässerverunreinigungen Aufsehen erregt. Das Unternehmen weigert sich, sich zu verpflichten, Daten über seine Zulieferer zu veröffentlichen und zu erklären, welche gefährlichen Chemikalien diese ausstoßen.

  • Diesel

    Greenpeace testete 2012 die Produkte von Diesel und stellte fest, dass diese Stoffe wie Nonylphenolethoxylate enthalten – diese sind schädlich für die Umwelt. Trotz öffentlichen Drucks weigert sich das Unternehmen, seine Giftabhängigkeit zu bekämpfen.

  • D&G

    2014 legte Greenpeace dar, dass das italienische Luxus-Modelabel Kleidung herstellt, die gefährliche Chemikalien enthält. D&G legt weder offen, welche Chemikalien seine Abwässer enthalten noch legt es Informationen über seine Zulieferer offen.

  • Gap Inc.

    Im April 2013 wurde Gap Inc. mit einem die Umwelt belastenden indonesischen Zulieferer in Verbindung gebracht, der gefährliche Chemikalien in die lokale Wasserversorgung fließen ließ. Gap Inc. gelobte zwar Besserung – davon hat Greenpeace allerdings nichts wahrnehmen können.

  • Hermès

    Im Februar 2014 hat Greenpeace gezeigt, dass Kinder-Luxusbekleidung von Hermès gefährliche Chemikalien enthält. Das französische Unternehmen hat bis dato keine glaubwürdigen Maßnahmen ergriffen, Transparenz über seine Lieferkette zu schaffen.

  • Louis Vuitton/ Christian Dior Couture

    Die Hausmarken Louis Vuitton, Marc Jacobs und Dior sowie die Luxuskleidungs-Reihe für Kinder enthalten gefährliche Chemikalien, wie Greenpeace 2014 zeigte. Bis dato hat das französische Unternehmen dagegen noch nichts unternommen.

  • Metersbonwe

    Im November 2012 legte Greenpeace offen, dass der chinesische Hersteller schädliche Stoffe in seinen Produkten hat. Maßnahmen, um für Transparenz über seine Lieferkette zu sorgen, hat das Unternehmen bis heute nicht ergriffen. Greenpeace macht das Unternehmen für gefährliche Gewässerverunreinigungen durch seine Produktion verantwortlich.

  • PVH

    PVH steckt hinter Marken wie Calvin Klein, Tommy Hilfiger und Speedo. Greenpeace hatte offengelegt, dass das Unternehmen in einen Giftskandal verwickelt war. PVH gelobte Besserung – passiert ist nichts. Im Gegenteil: Laut Greenpeace erzählt PVH seinen Kunden in Bezug auf saubere Herstellungstechniken und giftfreie Kleidung Märchen.

  • Vancl

    Produkte des chinesischen Herstellers sind mit Giftstoffen belastet. Das Unternehmen leugnet das. Greenpeace wirft dem Unternehmen vor, seine Giftstoffe in Gewässer abzuladen und so Menschen zu schädigen.

  • Versace

    Auch in der Kinderbekleidung von Versace konnte Greenpeace gefährliche Chemikalien nachweisen. Versace missbrauche Gewässer als „Giftmülldeponie“, schreibt Greenpeace. Außerdem veröffentlicht das italienische Modeluxuslabel keine Informationen über seine Zulieferer.

Die Unternehmen verweigern sich allerdings nach wie vor der Greenpeace-Forderung, gefährliche Chemikalien und Schadstoffe, wie etwa Weichmacher oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC), aus ihrer Produktion zu entfernen, die als krebserregend gelten und genutzt werden, um Kleidung gegen Schmutz und Wasser zu imprägnieren.

Gefährlich sind diese Chemikalien, weil sie oft ins Abwasser geraten und darüber das Trinkwasser verunreinigen. In der Umwelt können Fluorverbindungen kaum abgebaut werden. In China, dem größten Exporteur von Textilien ist das besonders eklatant. „Die Trinkwasserressourcen dort werden immer knapper“, sagt Brodde.

Giftstoffe im menschlichen Organismus

Mittlerweile ist das Trinkwasser in 60 Prozent der chinesischen Städte ernsthaft verschmutzt. Das Problem beschränkt sich aber nicht nur auf China. „Die gefährlichen Substanzen reisen mit den Klamotten um die Welt“, so Brodde. Die Schadstoffe sind nach der Produktion noch in den Kleidungsstücken nachzuweisen. Werden sie gewaschen, landen die Chemikalien auch in den heimischen Gewässern.

Über Nahrung und Trinkwasser gelangen die Giftstoffe auch in den menschlichen Organismus und beeinträchtigen die Fruchtbarkeit, führen zu Schilddrüsenerkrankungen und schwächen das Immunsystem.

Doch Greenpeace hat nicht nur schlechte Nachrichten. 16 Unternehmen haben sich den Forderungen, die Greenpeace seit 2011 an die saubere Textilproduktion stellt, gebeugt - darunter auch Adidas.

Detox-Trendsetter

  • Die Kategorie

    Als Detox-Trendsetter listet Greenpeace Unternehmen, die dabei sind besonders gefährliche Schadstoffe wie Alkylphenolethoxylate, Weichmacher oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) aus ihrer Produktion zu entfernen und die Abwasserdaten bereits veröffentlicht haben.

  • Adidas

    Vor zwei Jahren noch hatte es Adidas versäumt, seinen Verpflichtungen nachzukommen, obwohl es sich der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen hatte. Damit hatte sich das Unternehmen verpflichtet, gefährliche Schadstoffe wie Weichmacher oder krebserregende per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC), die genutzt werden, um Kleidung gegen Schmutz und Wasser imprägnieren, aus der Produktion zu verbannen. Außerdem legte der Sportkleidungshersteller, der auch die Eigenmarke Reebok produziert, seine Zulieferer offen.

  • Benetton Group

    Das italienische Modeunternehmen hat seine Lieferkette offengelegt und setzt laut Greenpeace die besten zur Identifizierung und Beseitigung von gefährlichen Chemikalien die besten verfügbaren Technologien ein.

  • Burberry

    Das Luxusmodehaus aus Großbritannien hat sich 2014 verpflichtet, Nachhaltigkeitserwägungen in seine Produktion einzubinden. Bis Juli 2016 will Burberry auf die Verwendung von PFC verzichten.

  • C&A

    Seit Januar 2015 produziert C&A ohne per- und polyfluorierte Verbindungen. Doch das Unternehmen kann noch mehr leisten: Die Lieferkette ist noch nicht vollständig transparent.

  • Esprit

    Das deutsche Unternehmen hat bereits früher als geplant PFC vollständig aus seiner Produktion entfernt.

  • G-Star Raw

    Die niederländische Jeansmarke und informiert Verbraucher und Anwohner in der Umgebung seiner Produktionsstätten über die ins Wasser geleiteten Stoffe. Auch die Abwasserdaten aus seiner Lieferkette veröffentlicht G-Star Raw. Seit Dezember 2014 produziert das Unternehmen PFC-frei.

  • H&M

    Das schwedische Modeunternehmen, das auch für COS und Other Stories verantwortlich ist, hat als erste Marke PFC komplett aus seiner Produktion entfernt. Auch Weichmacher werden nicht mehr genutzt. Weiter veröffentlich H&M die Abwasserdaten seiner Zulieferer.

  • Inditex

    Das spanische Unternehmen, das hinter dem weltweit größten Bekleidungshersteller Zara steht, kam seiner Detox-Verpflichtung nach. Inditex veröffentlicht, welche Chemikalien seine Zulieferer freisetzen. Zudem haben die Spanier PFC aus ihrer Produktion entfernt und ihre Zulieferer informiert, dass Weichmacher und gefährliche Chemikalien wie APEO ebenfalls aus der Produktion verschwinden sollen.

  • Levi’s

    Levi’s veröffentlicht, welche Chemikalien seine Zulieferer freisetzen. Zudem will das amerikanische Unternehmen Weichmacher, APEO und PFC aus seiner Produktion verbannen.

  • Limitedbrands

    Das US-Unternehmen, das hinter Marken wie Victoria’s Secret steht, veröffentlicht die Abwasserdaten seiner Zulieferer. Außerdem will es APEO, Weichmacher und PFC aus seiner Produktion verbannt.

  • Mango

    Der spanische Einzelhändler hat seine Lieferkette offengelegt und gibt Anwohnern und Journalisten Informationen zur Überwachung der Abwässer. Auch gefährliche per- und polyfluorierte Verbindungen hat der spanische Produzent aus seinen Textilien entfernt.

  • Marks & Spencer

    Der britische Produzent publiziert Daten zu seiner Lieferkette. Außerdem arbeitet es daran, sämtliche gefährlichen Chemikalien aus seiner Produktion zu entfernen.

  • Primark

    Primark will bis Ende 2015 PFC aus seiner Produktion entfernen. Andere gefährliche Chemikalien hat das Unternehmen bereits ersetzt. Auch Daten über seine Lieferkette hat das Unternehmen veröffentlicht.

  • Puma

    Bis Ende 2017 will Puma PFC komplett aus seinen Produkten verbannen. 2011 war Puma das erste Unternehmen, das an der Entgiftung arbeitete. Zudem publiziert Puma Daten zu seiner Lieferkette und wird somit dem Transparenzanspruch gerecht.

  • Fast Retailing

    Der japanische Modeproduzent veröffentlicht Daten über die von seiner Lieferkette freigesetzten Chemikalien. PFC will es bis Juni 2016 komplett aus seinen Produkten entfernen – dabei liegt das Unternehmen im Zeitplan. Auch seine Zulieferer nimmt das Unternehmen in die Pflicht.

  • Valentino

    Der italienische Luxushersteller macht kontinuierlich Fortschritte. Das Unternehmen veröffentlicht Daten zu gefährlichen Chemikalien aus seiner gesamten Lieferkette. Zudem arbeitet das Unternehmen an der Beseitigung von per- und polyfluorierten Verbindungen aus seiner Lieferkette.

Nachdem sich der deutsche Sportartikelhersteller schon 2011 der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen hat, versäumte er es immer wieder seine Verpflichtungen einzuhalten. Mittlerweile lobt Greenpeace Adidas, denn das Unternehmen veröffentlicht Daten über seine Zulieferer in China, hat gefährliche Schadstoffe aus seiner Produktion entfernt und macht Abwasserdaten publik.

„Wir sehen den Wandel“, erklärt Brodde. „Die Unternehmen wissen genau, dass Greenpeace ihnen auf die Finger guckt und öffentliche Bewertungen über ihre Fortschritte abgibt.“ Im besten Fall schaden negative Bewertungen den Marken.

„Nike gibt sich grüner, als es ist“

Allerdings scheint das nicht alle Unternehmen dazu zu bewegen, sauber zu produzieren. „Die Luxusmarken glauben, dass ihre Kunden sich nicht für den Umweltschutz interessieren“, vermutet Brodde. „Ansonsten wären sie ja bereit, den Kurs zu ändern.“ Aus ihrer Sicht interessieren sich mittlerweile aber immer mehr Kunden für die Produktionsbedingungen.

Auch Nike hat sich gegenüber Greenpeace verpflichtet, den Greenpeace-Kriterien entsprechend zu produzieren. „Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Adidas oder Puma hat Nike seit 2011 aber kaum Fortschritte gemacht“, sagt Brodde. „Dafür gibt sich Nike grüner, als es ist.“

Greenwasher

  • Die Kategorie

    Als „Greenwasher“ bezeichnet Greenpeace Unternehmen, die sich zwar verpflichtet haben, Schadstoffe aus ihrer Produktion zu entfernen, dieser Verpflichtung aber nicht nachgekommen sind.

  • Lining

    Der chinesische Modeproduzent Lining ist seinen Verpflichtungen gegenüber Greenpeace nicht nachgekommen. Es hat weder veröffentlicht, welche Chemikalien seine Lieferkette in die Umwelt pumpt noch einen klaren Zeitplan für die Beseitigung von PFC aus seinen Produkten publiziert.
    Das Unternehmen will bis Ende 2015 die Daten über die Freisetzung gefährlicher Chemikalien von 80 Prozent seiner Zulieferer. Es bleibt abzuwarten, ob das Unternehmen dieser Verpflichtung nachkommt.

  • Nike

    Entgegen seiner Behauptungen hat Nike seit 2011 nur wenig Fortschritte gemacht. Das Unternehmen will weder seine globale Lieferkette offenlegen noch einen Zeitplan für die Beseitigung aller PFC aus seinen Produkten.

Trotz Firmen wie Nike und der Mehrheit der Luxusmarken, die weiter mit Schadstoffen arbeiten, sieht Brodde einen gewissen Erfolg der Kampagne. „Die Firmen fangen an zu entgiften und investieren durchaus Zeit und Geld, um Mode zu produzieren, die unsere Umwelt verkraftet.“ Zu hoch will sie das Engagement dieser Unternehmen allerdings nicht bewerten: „Nur weil sie in puncto Umweltschutz Fortschritte machen, heißt das nicht, dass bei Arbeitsrechten nichts im Argen liegt.“ Was die faire Produktion betrifft, gibt es in der Branche nach wie vor großen Nachholbedarf.

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