Großaktionär: Brutale Schrumpfkur für Hochtief

Großaktionär: Brutale Schrumpfkur für Hochtief

, aktualisiert 13. November 2013, 07:54 Uhr
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Marcelino Fernández Verdes, Vorstandsvorsitzender von Hochtief: "Ich möchte ein glückliches Unternehmen." Von diesem frommen Wunsch ist Hochtief weit entfernt.

von Harald Schumacher

Frohe Aktionäre, frustrierte Belegschaft – ein Jahr unter Vorstandschef Marcelino Fernández lässt ahnen, was der spanische Großaktionär ACS mit Hochtief wirklich vor hat. Neben diversen Verkäufen bereitet er einen massiven Personalabbau vor.

Stilfragen spielen auch in der rustikalen Baubranche eine Rolle. Kurz vor Angebotsabgabe und ohne handfesten Grund Partner hängen zu lassen, „das ist schlechter Stil“, schimpft ein Bauverbands-Funktionär – und kritisiert damit den Branchenführer Hochtief.

Er spielt auf einen für die Essener peinlichen Vorgang an, über den die Branche spricht. Die Spezialtiefbau-Truppe von Hochtief wollte mit einem südafrikanischen und einem niederländischen Unternehmen die neuen Kaianlagen des Tiefseehafens Walvis Bay in Namibia bauen. „Ein hübscher Auftrag mit rund 200 Millionen Euro Auftragsvolumen“, sagt ein Hochtiefler. Im Frühjahr lag das Okay der internen Auftragskommission vor. Doch auf den letzten Drücker sagte Vorstandschef Marcelino Fernández plötzlich „no“ und verweigerte die bei internationalen Geschäften unverzichtbare Patronatserklärung, die Parent Company Guarantee (PCG), mit der sich die Geschäftspartner absichern.

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Fernández' Bilanz nach einem Jahr im Amt

  • Erledigt: Verkauf von Flughafenbeteiligungen

    Der erzielte Preis von 1,1 Milliarden Euro liegt unter den ursprünglichen Erwartungen – aber die langjährige Verkaufsankündigung ist endlich umgesetzt.

  • Erledigt: Aktie

    Als Fernández im November 2012 Vorstandschef wurde, lag der Hochtief-Kurs bei 35 Euro, ein Jahr danach doppelt so hoch bei knapp 70 Euro.

  • Erledigt: Verkauf Service-Sparte

    Bei dem Geschäft wurden 140 Millionen Euro erwartet – die französische Spie-Gruppe zahlt sogar 250 Millionen.

  • Noch offen: Einigung Elbphilharmonie

    Insider schätzen die pauschal übernommenen und nicht abgedeckten Risiken auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

  • Noch offen: Führungskultur

    Fernández herrscht autokratisch und hat große Teile des Schlüsselpersonals weggemobbt. Hohe Verunsicherung auf allen Ebenen.

  • Noch offen: Neuorganisation

    Umstrukturierung, Personalabbau und Know-how-Verlust gefährden die Kontinuität erfolgreicher Geschäftseinheiten und erschweren laufende Projekte und Auftragsakquise.

Offenbar zählt das südliche Afrika nicht mehr zu den Zielmärkten, auf die Fernández setzt. Wäre das den Ebenen darunter klar gewesen, „hätten wir uns viel Hirnschmalz und Zeit sparen können“, klagt ein spürbar fassungsloser Hochtief-Mann: „Auf den letzten Metern hat Fernández uns ausgebremst. Das Projekt war durch alle Instanzen durch.“ Die Niederländer und Südafrikaner standen plötzlich ohne Partner da und die international angesehenen Hochtief-Spezialisten wie dumme Jungs.

Vor einem Jahr übernahm der vom spanischen Großaktionär ACS entsandte Fernández Knall auf Fall den Vorstandsvorsitz in Essen. Der 58-Jährige agiert – wie beim Walvis-Bay-Rückzieher – ohne Rücksicht auf Verluste, lässt kaum einen Stein auf dem anderen, verkauft Bereiche reihenweise und verändert Hochtief rasant. Die Ergebnisse sind zwiespältig. Börse und Aktionäre jubeln: Der Kurs des MDax-Wertes, der im November 2012 bei 35 Euro dümpelte, kratzt heute an der 70-Euro-Grenze. Belegschaft und Branche aber sind skeptischer denn je, ob die „Projekt Mercure“ genannte Ross- und Schrumpfkur, der Fernández Hochtief unterzieht, wirklich zur propagierten Konzentration auf Kerngeschäfte führt oder doch zu der befürchteten Zerschlagung. Die Hochtief-Aktie lebt – aber stirbt mittelfristig das Unternehmen?

Am Mittwoch kündigte Marcelino Fernández Verdes an, den Konzernumbau weiter voranzutreiben und mit Stellenstreichungen in Europa die Kosten drücken zu wollen. Dazu sei bereits ein Tarifvertrag mit der IG Bau unterzeichnet worden. Es sei aber noch unklar, wie viele Stellen abgebaut werden. Im dritten Quartal verdiente der Konzern bei rückläufigen Umsatzerlösen von 5,79 (Vorjahr: 6,5) Milliarden Euro und steigenden Auftragseingängen von 8,58 (5,9) Milliarden Euro vor Steuern 254,2 Millionen Euro weniger als noch vor Jahresfrist (278,2 Millionen Euro). Unter dem Strich und nach Minderheiten stand ein Gewinn von 24,2 Millionen Euro - nach 140,4 Millionen Euro im Jahr zuvor. Zudem werden die Kosten des Umbaus in Europa mit voraussichtlich knapp 100 Millionen Euro teurer als zunächst angenommen. "Um die Profitabilität und die Wettbewerbsfähigkeit in Europa deutlich zu verbessern, brauchen wir schlanke Strukturen und effiziente Prozesse", unterstrich Fernández.

Auf der Habenseite seiner Ein-Jahres-Bilanz kann Fernández zwei Transaktionen verbuchen: den Verkauf der Flughafen-Beteiligungen und der Dienstleistungssparte.

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