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Halbjahresbilanz: Industriekonzerne trotzen der Krise

von Siegfried Hofmann und Susanne Metzger Quelle: Handelsblatt Online

Die Industriegrößen im DAX zeigen sich trotz Euro-Krise robust. Sowohl Gewinne als auch Betriebsergebnisse legten in den ersten sechs Monaten zu. Nur die Liquidität bereitet einigen Unternehmen große Sorgen.

Ein Siemens-Mitarbeiter in Berlin: Der Konzern gehört zu den wenigen Industriekonzernen im DAX, der seinen Cash-Flow verbessern konnte. Quelle: dpa
Ein Siemens-Mitarbeiter in Berlin: Der Konzern gehört zu den wenigen Industriekonzernen im DAX, der seinen Cash-Flow verbessern konnte. Quelle: dpa

FrankfurtDie führenden deutschen Industriekonzerne präsentieren sich zur Jahresmitte in solider Verfassung. Anders als erwartet sind weder die Betriebsergebnisse noch die Nettogewinne unter Druck geraten. Im Schnitt legten beide Ertragsgrößen gegenüber den starken Vorjahreswerten sogar noch leicht zu.

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Das ergibt sich aus einer Analyse der Halbjahresabschlüsse der 25 Industrieunternehmen im Dax-30. Auch beim Blick nach vorne demonstrieren die Firmen trotz wachsender Unsicherheiten Zuversicht. Lediglich der Lastwagen-Konzern MAN revidierte seine Ertragsprognose nach unten.

Sieben Konzerne, darunter Adidas, Bayer, Eon und gestern Merck, haben ihren Ausblick sogar leicht erhöht. Die übrigen Firmen blieben bei den bisherigen Aussagen, verwiesen allerdings darauf, dass es schwieriger werden könnte, die Ziele zu erreichen.

Insgesamt weisen die Dax-Unternehmen für das erste Halbjahr eine leichte Steigerung ihrer operativen Ergebnisse um knapp ein Prozent auf 47 Milliarden Euro aus. Den stärksten Zuwachs bilanzierte der Energiekonzern Eon, dem modifizierte Gashandelsverträge mit Gazprom einen kräftigen Ertragsschub bescherten.

Kräftige Unterstützung für die Erträge lieferte vielfach die Abwertung des Euros. Bei den stark globalisierten Konzernen, etwa den Auto- und Chemieherstellern, dürfte der Währungseffekt zwischen fünf und zehn Prozentpunkten zum Ertragswachstum beigetragen haben.

Die Nettogewinne legten insgesamt um zwei Prozent auf 32,5 Milliarden Euro zu. Neben Eon zeichnen sich hier vor allem Fresenius, Volkswagen und Adidas durch kräftige Steigerungen aus, während zum Beispiel BASF, MAN und Infineon deutliche Rückgänge verbuchten, bedingt zum Teil durch Sondereffekte.

Im Gegensatz zu den Erträgen haben sich allerdings die operative Finanzkraft und die Bilanzstrukturen verschlechtert. Die Liquiditätszuflüsse aus dem operativen Geschäft sanken im Schnitt um gut ein Zehntel, die frei verfügbaren Cash-Flows (der operative Mittelzufluss nach Zinsausgaben und Sachinvestitionen) schrumpften gegenüber dem niedrigen Vorjahreswert nochmals um zwei Drittel.


Schere zwischen Cash-Flow und Investitionen geht auseinander

Alles in allem generierten die 25 Industriekonzerne im ersten Halbjahr nur noch rund zwei Milliarden Euro an Liquidität aus dem operativen Geschäft. Allerdings sind die Unterschiede beträchtlich. Knapp die Hälfte der Unternehmen, darunter zum Beispiel Merck, Fresenius und Siemens, konnte ihren freien Cash-Flow verbessern. Dagegen hat sich bei anderen Konzernen, darunter RWE, Linde und die Autohersteller, der Liquiditätszufluss zum Teil erheblich verringert.

Durch die schwache Cash-Flow-Entwicklung hat sich auch die durchschnittliche Netto-Finanzposition verschlechtert, also die Verbindlichkeiten abzüglich der liquiden Mittel. Zusätzlich belastet wurden die Bilanzstrukturen durch wachsende Deckungslücken in den Pensionsplänen. Aufgrund der niedrigen Kapitalmarktzinsen mussten viele Konzerne ihre Pensionsverpflichtungen höher als im Vorjahr bewerten.

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote sank daher per Ende Juni auf rund 29 Prozent, gegenüber knapp 30 Prozent zum Jahresende und 30,2 Prozent Mitte 2011. Die Nettofinanzschulden kletterten im ersten Halbjahr 2012 in Relation zum Eigenkapital von 50,7 Prozent auf 58,6 Prozent – darin eingerechnet sind auch die Verbindlichkeiten der Finanztöchter einiger großer Konzerne wie Daimler, VW und Siemens.

Die insgesamt schwache Cash-Entwicklung resultiert zum einen daraus, dass in größerem Umfang Kapital im Umlaufvermögen gebunden wird. Vorräte blieben tendenziell länger im Lager, Abnehmer bezahlten ihre Rechnungen weniger schnell. „Während viele Unternehmen in Europa ihr Nettoumlaufvermögen mittlerweile besser steuern, hat die Effizienz der deutschen Konzerne seit der vergangenen Krise wieder deutlich abgenommen“, warnte Daniel Windaus von der Unternehmensberatung REL.

Zum anderen haben die Unternehmen ihre Investitionsbudgets aufgestockt. Insgesamt stiegen die Sachinvestitionen im ersten Halbjahr immerhin um elf Prozent auf fast 28 Milliarden Euro. Vor allem bei den Autoherstellern BMW, Daimler und VW hat sich die Schere zwischen Cash-Flow und Investitionen weit geöffnet.

Dazu trug zum einen bei, dass die Konzerne ihr Finanzierungs- und Vermietungsgeschäft weiter ausbauten. Zudem sind auch die Lagerbestände in der Branche zuletzt wieder deutlich gestiegen. Gleichzeitig haben die Konzerne ihre Ausgaben für Sachanlagen und aktivierte Entwicklungskosten um mehr als ein Drittel erhöht.

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