Hannover Messe: Industrie 4.0 - Chance oder Hype?

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Hannover Messe: Industrie 4.0 - Chance oder Hype?

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Rund 6500 Unternehmen beteiligen sich an der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe. Kernthema ist Industrie 4.0. - die Kommunikation von Maschine zu Maschine.

Die menschenleere Fabrik wird es auch in Zukunft nicht geben. Doch die Siemens-Manager sind sich sicher: Im Zuge der fortschreitenden Integration der Produktionsprozesse wird es für ungelernte Kräfte immer schwieriger.

Siegfried Russwurm macht eine bemerkenswerte Rechnung auf. „Zwischen 1970 und 2010 hat sich der Anteil der Akademiker in deutschen Industrieunternehmen verdoppelt“, sagt der für den Sektor Industry zuständige Siemens-Vorstand auf der Hannover Messe. Die Quote der Facharbeiter ist im selben Zeitraum in etwa gleich geblieben. Der Anteil der ungelernten Arbeiter ist dagegen um fast 90 Prozent gesunken. „Das ist die bittere Realität“, schickt Russwurm hinterher, und der Trend dürfte sich fortsetzen.

Sorgen, dass die Fabrik von morgen gänzlich ohne Personal auskommt, seien jedoch unbegründet, so der Siemens-Vorstand. Auch wenn Integration und Automatisierung von Fertigungsprozessen zügig voranschreiten, werden auch in Zukunft Fachkräfte benötigt, etwa Entwickler, Programmierer oder Designer. Russwurm: „Die menschliche Leistung auf höherem intellektuellen Niveau bleibt unabdingbar.“

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Bei Siemens ist man sich indes sicher, dass es beim Einzug der integrierten Industrie keinen Big Bang geben wird. Das sei ein Prozess, keine Revolution, erklärt Russwurm, „da schneidet keiner ein rotes Band durch.“ Gleichwohl könne es sein, dass Historiker in 20 oder 30 Jahren feststellen, dass das, was heute bei der Automatisierung und Integration von Produktionsprozessen geleistet wird, revolutionär ist. Wie die Fabrik der Zukunft aussehen wird, umreißt Russwurm in Hannover schon mal: „Produktionseinheiten werden miteinander kommunizieren“, sagt der Siemens-Manager. „Das funktioniert wie bei einem Schachcomputer: Es werden verschiedene Szenarien für den Fertigungsprozess durchgespielt, und der optimale ausgewählt.“

Der Sektor Industry, für den Russwurm im Siemens-Vorstand zuständig ist, will vor allem durch den Verkauf von Industriesoftware vom Trend zur Automatisierung der Fabriken profitieren. Damit können etwa Roboterbewegungen optimiert werden oder die Bewegungen von Industriepressen. In solchen Bereichen kann der Output um 15 Prozent gesteigert werden und bis zu 40 Prozent Energie eingespart werden. Russwurm: „Wenn wir dafür sorgen, dass pro Schicht 1000 Teile mehr produziert werden, gibt es natürlich Applaus vom Kunden.“

Über all auf den Messeständen wird diskutiert. Die WirtschaftsWoche hat sich umgehört. Viele sehen deutlich mehr Chancen als Risiken für ihr Unternehmen oder den Wirtschaftszweig, den sie vertreten. So etwa Friedhelm Loh, Präsident des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Er glaubt, dass die deutsche Elektroindustrie bereits Vorreiter der vierten industriellen Revolution ist. Schließlich drehe sich in Hannover alles, um zwei Kernthemen - die Energiewende, "wo unsere Unternehmen mit den Produkten unserer Branche zeigen, wie sich große Mengen Strom einsparen lassen und so den Anstieg der Stromkosten abbremsen" - und Industrie 4.0.

"Die industrielle Produktion wird sich in den kommenden Jahren revolutionär wandeln. In einer Gesellschaft, die ein Drittel des Sozialproduktes in der Industrie oder in industrienahen Dienstleistungen erwirtschaftet, ist das von auch von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung", sagt Loh voraus. Industrie 4.0 werde für eine komplett andere Prozesslandschaft in Produktion und Logistik sorgen. Maschinen und die Produkte, die sie bearbeiten, werden kommunizieren. Produktivitätszuwächse von über dreißig Prozent seien denkbar. Loh: "Deutschland hat gute Voraussetzungen eine Führungsrolle bei Industrie 4.0 zu übernehmen."

Maschinen werden mehr kommunizieren als Menschen

Auch für die Industrie-Dienstleister, die nicht auf der Messe vertreten sind, gibt es in diesen Wochen nur ein Thema. Gerhard Altmann von SAS ist regelrecht euphorisch: "Industrie 4.0 wird die Welt der Produktion, aber auch der Logistik, vollkommen verändern." SAS ist mit weltweit 13.400 Mitarbeitern Marktführer bei Software für die vorausschauende Analyse von Unternehmensdaten zur Verbesserung der Geschäftsprozesse. Altmann verantwortet international den Bereich Manufacturing und ist Mitglied der Geschäftsleitung von SAS Deutschland. In den kommenden Jahren werde das Kommunikationsvolumen zwischen den Maschinen größer werden als die Datenströme von Mensch zu Mensch zum Beispiel in der Sprachtelefonie, im E-Mail-Verkehr oder bei Austausch von Texten und Bildern, sagt er voraus.

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