Hauptversammlung: Verschärfter Druck auf Siemens-Chef Löscher

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Hauptversammlung: Verschärfter Druck auf Siemens-Chef Löscher

von Matthias Kamp

In München demonstriert die Siemens-Konzernspitze Einigkeit. Doch die Aktionäre sind unzufrieden mit den immer neuen Verzögerungen bei Großprojekten.

Tagelang lag München unter einer dichten Wolkendecke. Doch an diesem Mittwoch überspannt ein tiefblauer Himmel den Olympiapark, wo sich 8100 Siemens-Aktionäre zur Hauptversammlung treffen. Dem will die Führungsspitze des Technologiekonzerns nicht nachstehen und demonstriert Eitel Sonnenschein. Medien versuchten „Uneinigkeiten in Aufsichtsrat und Vorstand zu konstruieren, wo keine sind“, so Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der in selber Funktion zurzeit bei ThyssenKrupp stark unter Druck steht.

Joe Kaeser, Finanzvorstand bei Siemens, versucht, Gerüchte, er plane einen Putsch gegen Konzernchef schlicht wegzulächeln: Beim Fußball sei man schon mal unterschiedlicher Meinung, so Kaeser, „aber, wenn es um Siemens geht, halten wir zwei zusammen. Da werden wir auch keinen dazwischen lassen.“

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Siemens muss ein durchwachsenes Quartal verbuchen, dennoch halten die Münchner an ihren Zielen für das laufende Geschäftsjahr fest. Der Dax kommt am Vormittag nicht so recht voran.

Soweit der öffentliche Auftritt der Siemens-Führungsspitze. Hinter den Kulissen knirscht es dagegen gewaltig. Einige Mitglieder des Vorstands sind unzufrieden mit der Performance des Konzerns und vor allem mit Löschers Kurs. Das von dem Österreicher ausgegebene Umsatzziel von 100 Milliarden Euro etwa würden die Kritiker im Vorstand am liebsten wieder kassieren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr kam Siemens auf einen Umsatz von 78 Milliarden Euro. Vor allem aber die hohen Abschreibungen in hoher dreistelliger Millionenhöhe sorgen für Verdruss. Und das auch bei den Aktionären.

Auf den Gängen hinter den Rängen der Olympiahalle mosern die Aktionäre über nicht gelieferte ICE-Züge, über die verspätete Anbindung der Offshore-Windparks und über Abschreibungen auf Fehlzukäufe wie die Solartochter Solel, die Siemens nun wieder abstoßen möchte. „Jahr für Jahr kommt es bei einzelnen Projekten zu horrenden Abschreibungen“, klagt Ingo Speich von Union Investment, der Kleinaktionäre vertritt. Siemens müsse dafür Rückstellungen bilden, und in der Summe fehle den Aktionären regelmäßig ein Milliardenbeitrag.

Aufsichtsrat Einflussreicher Franzose für Siemens

Gerard Mestrallet, ein Top-Mann der französischen Industrie, wird am 23. Januar Aufsichtsratsmitglied im Münchner Technologiekonzern. Warum Mestrallet und Siemens eine ideale Kombination bilden.

Gerard Mestrallet wird noch diesen Monat Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens Quelle: REUTERS

„Herr Löscher, was macht Sie so zuversichtlich, dass es in Zukunft bei der Exekution solcher Projekte Verbesserungen gibt“, fragt Speich. Das Projektgeschäft mache immerhin 25 Prozent des Umsatzes aus. Andere Aktionäre bezeichnen Siemens als „eine riesige Baustelle“. Wieder andere sind wegen der Probleme bei den Windparks „geschockt“. Löscher bügelt solche Kritik gnadenlos ab: „Wir können Großprojekte“, sagt der Siemens-Chef. „Ich bin ruhig und gelassen.“

Die kurz vor dem Aktionärstreffen vorgelegten Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2012/2013 sind eher durchwachsen. Der Auftragseingang ging im Vergleich zum Vorjahr moderat zurück. Der Umsatz kletterte zwischen Oktober und Dezember um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro. Der Nettogewinn sank um zwölf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Sorge bereitet Siemens vor allem die Marge im vierten Sektor Infrastruktur und Städte. Sie sank im Jahresvergleich von 4,9 Prozent auf 3,1 Prozent. Löscher hatte die vierte Säule 2011 geschaffen. In den anderen Sektoren Energy, Healthcare, Industry liegen die Margen um die zehn Prozent.

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Der Ausblick auf die nächsten Quartale stimmt kaum optimistisch. „Von der Weltkonjunktur ist kein Rückenwind zu erwarten“, sagt Löscher. Immerhin kommen aus Schwellenländern, vor allem aus China wieder positive Signale. Eine rasche wirtschaftliche Erholung in Europa erwartet der Österreicher dagegen nicht. Bis die Strukturreformen in den Krisenländern greifen, brauche es Zeit, so Löscher, auch wenn erste Erfolge sichtbar seien.

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