Hauptversammlung von ThyssenKrupp: Cevian bedroht Thyssens Stahl-Geschäft

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Hauptversammlung von ThyssenKrupp: Cevian bedroht Thyssens Stahl-Geschäft

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Bei ThyssenKrupp läuft es wieder. Die Hauptversammlung im Vorbericht

von Sebastian Schaal

Nach Jahren der Krise läuft es bei ThyssenKrupp wieder besser. Doch auf der Hauptversammlung bahnt sich ein Konflikt um die Zukunft des einstigen Stahl-Riesen an – der in der Zerschlagung enden könnte.

Ein Vergnügen waren die Pflichttermine Ende Januar im Bochumer RuhrCongress für Heinrich Hiesinger bislang nie. Seit er Anfang 2011 den Vorstandsposten bei ThyssenKrupp übernahm, musste er bei der Hauptversammlung seinen Aktionären Milliardenverluste und ein ums andere Mal eine Nullrunde bei der Dividende erklären.

Dieses Jahr wird die 20 Kilometer lange Fahrt von der Essener Konzernzentrale nach Bochum für Hiesinger deutlich angenehmer. Denn er hat den ersten Gewinn seit Jahren im Gepäck. Dazu schlägt der Vorstand den versammelten Aktionären wieder eine Dividendenausschüttung vor – wenn auch nur elf Cent je Anteilsschein.

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Was verschwindend gering erscheinen mag, ist für ThyssenKrupp aber ein wichtiges Zeichen: Nach Jahren der Krise gibt es wieder etwas zu holen. Nicht umsonst verkündete Hiesinger bei der Vorstellung der Jahreszahlen: „Ich freue mich, dass wir heute zur Normalität zurückkehren können.“ Bei dem sonst eher nüchtern auftretenden Elektroingenieur schwang bei diesen Worten etwas Stolz mit.

Noch verbrennt ThyssenKrupp Geld

Doch einige Analysten fragen sich, ob sich ThyssenKrupp schon wieder Stolz erlauben kann. „Aus meiner Perspektive ist der Konzern nicht in der Lage gewesen, im Geschäftsjahr 2013/2014 eine Dividende zu zahlen. Das Ergebnis hätte allenfalls vier Cent je Aktie gerechtfertigt, nicht aber elf Cent“, sagt Björn Voss vom Hamburger Analysehaus Warburg Research. „Auch der negative Free Cashflow vor Verkäufen spricht eigentlich gegen eine Dividende.“

Soll heißen: Der Konzern muss die insgesamt 62 Millionen Euro für die Dividende aus der Substanz bezahlen. „Allerdings spricht es für die Zuversicht des Vorstands für das laufende Geschäftsjahr“, sagt Voss.

Tatsache ist: Noch verbrennt ThyssenKrupp Geld. Der Free Cashflow aus dem operativen Geschäft ist mit 254 Millionen Euro negativ. Ohne den Verkauf des US-Walzwerks an Arcelor Mittal und Nippon Steel, der rund eine Milliarde Euro in die Kassen gespült hat, wäre die Dividende nicht möglich gewesen.

Anstatt des schmalen Jahresüberschusses von 195 Millionen Euro – bei einem Konzernumsatz von 41,3 Milliarden Euro – hätten ohne diesen Einmaleffekt rote Zahlen in der Bilanz gestanden.

ThyssenKrupp in Zahlen

  • Umsatz

    2013/2014: 41,3 Milliarden Euro

    2012/2013: 39,8 Milliarden Euro

    Quelle: Geschäftsberichte

  • Bereinigtes Ebit

    2013/2014: 1,333 Milliarden Euro

    2012/2013: 0,517 Milliarden Euro

  • Bereinigte Ebit-Marge

    2013/2014: 3,2 Prozent

    2012/2013: 1,3 Prozent

  • Jahresüberschuss

    2013/2014: 0,195 Milliarden Euro

    2012/2013: -1,576 Milliarden Euro

  • Free Cahsflow vor Verkäufen

    2013/2014: -0,254 Milliarden Euro

    2012/2013: -0,625 Milliarden Euro

  • Dividende

    2013/2014: 0,11 Euro je Aktie

    2012/2013: 0,00 Euro je Aktie

    Vorschlag an die Hauptversammlung

  • Netto-Finanzschulden

    2013/2014: 3,488 Milliarden Euro

    2012/2013: 5,038 Milliarden Euro

  • Eigenkapital

    2013/2014: 3,199 Milliarden Euro

    2012/2013: 2,512 Milliarden Euro

Ganz frei von Altlasten ist das Portfolio des Ruhrkonzerns zudem immer noch nicht. So sind zum Beispiel die Edelstahltöchter VDM und AST immer noch Teil von ThyssenKrupp. Doch zumindest bei VDM zeichnet sich ein Deal ab. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, sollen „ernsthafte Gespräche“ mit dem Luxemburger Stahlkonzern Aperam stattfinden. ThyssenKrupp lässt bislang nur verlauten, dass ein Verkauf nicht direkt bevorstehe.

Hiesinger ist optimistisch

Björn Voss hält einen schnellen Verkauf für unwahrscheinlich. „Aktuell liegen die Preise, die für VDM und AST erzielt werden könnten, unterhalb des Buchwerts. Bei einem Verkauf wären also weitere Abschreibungen notwendig“, so der Analyst. „Deshalb gehe ich für die nächsten 6 bis 12 Monate von keinem Verkauf aus. VDM für den Verkauf fit zu machen ist sicher einfacher, bei AST sind allerdings größere Restrukturierungen nötig.“

Doch selbst mit VDM und AST bleibt Hiesinger für das laufende Geschäftsjahr 2014/2015 zuversichtlich. Das begründet er damit, dass der von ihm forcierte Umbau zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern Ergebnisse einbringt – und zwar positive.

Der operative Gewinn soll nach den Plänen des Vorstands auf 1,5 Milliarden Euro steigen. Voss rechnet sogar mit 1,6 Milliarden Euro: „Der Rückenwind kommt vom niedrigen Ölpreis und dem schwachen Euro, der den Export attraktiver macht. Zudem wächst die Stahlnachfrage in Europa langsam, aber stetig.“

Jahresbilanz von ThyssenKrupp Hiesingers Kulturwandel zahlt sich aus

Nach drei schwierigen Verlustjahren ist ThyssenKrupp zurück in der Gewinnzone. Das ist der Verdienst von Konzernchef Heinrich Hiesinger – doch die Wende ist noch nicht vollzogen.

Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp

Laut der Wirtschaftsvereinigung Stahl wird die deutsche Rohstahlproduktion im laufenden Jahr um ein Prozent auf 43,3 Millionen Tonnen steigen. „2015 setzt sich die leichte Erholung des deutschen Stahlmarktes fort“, sagt Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff.

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