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Heidelberger Druck: Schreier wird zur tragischen Figur

von Lothar Schnitzler

Der langjährige Vormann von Heideldruck tritt ab. Auf der Hauptversammlung hielt Bernhard Schreier seine letzte Rede auf einer Aktionärsversammlung.

Heidelberg-Chef Bernhard Schreier Quelle: dapd
Der scheidende Heidelberg-Chef Bernhard Schreier hielt seine letzte Rede vor bei einer Aktionärsversammlung Quelle: dapd

Am Ende des Vortrags wurde seine Stimme doch ein bisschen kratzig. Bernhard Schreier erinnerte daran, dass er 37 Jahre, sein gesamtes Berufsleben, „in diesem phantastischen Unternehmen arbeiten durfte“ und dass er als Heidelberg-Chef immerhin 13 Mal die Lage des Unternehmens den Aktionären vorstellen durfte. „Bei der nächsten Hauptversammlung werde ich als Aktionär unter Ihnen weilen und gespannt den Vortrag meines Nachfolgers anhören.“

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Schreier hat guten Grund zur Wehmut. Als er antrat, war der Konzern auf dem Gipfel seiner Erfolgsgeschichte mit einem Umsatz von fünf Milliarden und über 24 000 Beschäftigten. Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende 30.3.2012) betrug der Umsatz nur noch 2,6 Millarden Euro, die Beschäftigtenzahl fiel auf rund 15 000.

Schreier hatte im Oktober 1999 das Steuer bei strahlendem Sonnenschein übernommen, musste dann aber das Unternehmen durch schwerste Stürme lenken. Seine erste Aufgabe bestand darin, den durch Zukäufe seines Vorgängers Hartmut Mehdorn überblähten Konzern durch Verkäufe und Personalabbau abzuspecken.

Attacken von Internet und Digitaldruck

Kaum war das Schiff aus der Schieflage gekommen, hatte Schreier mit der Finanzkrise - verstärkt durch die Strukturkrise zu kämpfen. Die klassischen Druckmaschinenhersteller wie Heideldruck, Manroland oder KBA leiden unter der Verbreitung des Internets und des Digitaldrucks. Das Volumen für herkömmliche Druckmaschinen geht schleichend zurück. Manroland legte deshalb im vergangenen Jahr gar eine Pleite hin und wurde aufgespalten.

Heidelberger Druckmaschinen

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist der größte Druckmaschinen-Hersteller in Deutschland. Die Kompetenzen liegen im Bogenoffsetdruck, Digitaldruck sowie in der Fertigung im Präzisionsmaschinenbau.

Umsatz Geschäftsjahr 2010/2011 / Beschäftige:

2,63 Milliarden Euro / 15.800 Mitarbeiter 

Der Branchenprimus konnte vor drei Jahren nur mit Hilfe staatlicher Garantien gerettet werden. Von den einst 20.000 Mitarbeitern mussten mehr als 4000 gehen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 rechnet Heideldruck mit leicht wachsenden Umsätzen. Mittelfristig will der Konzern mehr als drei  Milliarden Euro erwirtschaften. Dieser Ausblick kann jedoch nicht über die anhaltenden Probleme der Branche hinweg täuschen. Noch-Heideldruck-Chef Bernhard Scheier geht von einem weltweiten Umsatzrückgang in der Druckmaschinenbranche von 20 Prozent aus. Gleichzeitig kämpfen die Deutschen gegen ursprünglich branchenfremde Giganten wie Hewlett-Packard, die mit ihren Digitaldruckern ungebremst expandieren.

Bild: dpa

Schreier muss damit leben, dass Beobachter mit seiner Ära den Niedergang von Heideldruck verbinden. Der Aktienkurs der einstigen Perle des deutschen Maschinenbaus, der bei seinem Antritt im Herbst 1999 bei 35 Euro stand, dümpelt heue als Pennystock knapp unter der Marke von einem Euro.

Gerold Linzbach soll es nun richten. Anfang September tritt der bullige Ex-Chef des Duftkonzerns Symrise an; bis zum Jahresende wird Schreier ihn noch begleiten. Zwar ist Linzbach geholt worden, weil Schreier trotz seines jahrelangen Sanierungskurses bei Anlegern und Analysten den Ruf des Zauderers hatte. Linzbach soll die verbleibende Schrumpfkur schneller und entschlossener angehen als man Schreier zutraute – das erwarten jedenfalls die Kontrolleure im Aufsichtsrat und die Anteilseigner von ihm.

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Doch Linzbach hat es weniger schwer als sein Vorgänger. Denn die größten Einschnitte hat Schreier – wenn auch oft zu spät und zu vorsichtig – bereits exekutiert. Und bei seinem Antritt findet Linzbach ein gefülltes Auftragsbuch vor - dank der im Mai stattgefundenen Druckmaschinenmesse Drupa.

So wird Schreier zwangläufig zur tragischen Figur: Vor ihm konnte Mehdorn noch vom Druck- und Werbeboom am Ende der Jahrtausendwende profitieren. Nach ihm wird Linzbach mit dem auf eine realistische Größe gestutzten Konzern die Ernte einfahren. Denn trotz der Attacken von Internet und Digitaldruck: Auf deutlich kleinerer Flamme haben die klassischen Drucktechniken noch lange eine Chance.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 27.07.2012, 11:26 Uhrzarromanowski

    Zu betonen ist, "auf deutlich kleinerer Flamme" - alles Andere wäre grob fahrlässig, in einer Branche die sich, wie keine sonstige klassiche Branche in der BRD, mit dramatischen strukturellen Veränderungen permanent konfrontiert sieht. 1992 gab es 24.000 Druck- und Druckvorstufenbetriebe in der BRD, 20 Jahre später sind es gerademal 9.000 Firmen die in dieser Branche, zumeist daherdümpelnd, noch aktiv sind. Nachdem der Bund und das Land, Steuergelder von insgesamt 850 Millionen EUR in Heideldruck platzierten, fragt sich der Steuerzahler heute, wie wurden diese Gelder zrückbezahlt und agieren Vorstandsvorsitzende von Heideldruck nur noch als überbezahlte "Schönsprecher" einer weiterhin marodiernden Oganisation?

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