Heimliche Herrscher: Der lange Arm des Gerhard Cromme

Heimliche Herrscher: Der lange Arm des Gerhard Cromme

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Gehärtet bei Krupp. Gerhard Cromme beherrscht intern völlig unangefochten die Konzerne ThyssenKrupp und Siemens.

von Andreas Wildhagen

Der Aufsichtsratschef von Siemens und ThyssenKrupp nimmt wie kein Zweiter in Deutschland Einfluss auf die Großindustrie und ihre manchmal verborgenen Schachzüge.

Seine Schlaksigkeit hat er sich bis heute erhalten, obwohl er gerade 69 geworden ist – ein Alter, bei dem sich sonst der Rücken eher nach vorne beugt. Die Eleganz im Auftritt gehört zu seinem Markenzeichen, Hauptversammlungen scheint er mehr zu moderieren, als zu führen. In allem, was er in der Öffentlichkeit sagt, ähnelt er in Gemessenheit, gespielter Strenge und bühnenreifer Konzilianz dem Auftreten eines Gymnasial-Schulleiters, dem das Wohlergehen, aber auch die strenge Führung seiner Schüler am Herzen liegt. Und die Eleven sind je nach Auditorium Arbeitnehmer, Mitarbeiter, Aktionäre. „ThyssenKrupp hat Ihnen gegenüber doch nur im vorauseilenden Gehorsam gehandelt“, wickelt er einen Kleinaktionär ein. Und als einer nach den Gründen für den 1,8-Milliarden-Konzernverlust fragt, sagt Cromme: „Erst hatten wir kein Glück und dann auch noch Pech.“ Und erntet Lacher.

Heimlicher Herrscher im Hintergrund – diese Rolle spielt Cromme, Sohn eines Lateinlehrers aus der westfälischen Kleinstadt Vechta, nur zur einen Hälfte. Denn in seiner Rolle als Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp und Siemens ist er bekannt, weit über Wirtschaftsinteressierte hinaus. Aber die Rolle, die er seit seinem Ausscheiden aus der Doppelspitze von ThyssenKrupp 2001 in der Wirtschaft einnimmt, ist bei aller Bekanntheit diskret, ja sogar verwinkelt. „Er rechtfertigt sich nicht, er tritt wie ein Eigentümer auf“, sagt ein Industrieller. „Ein Deus ex Machina“, setzt ein anderer, anspielend auf Crommes Herkunft, mit leiser Altphilologenverspottung nach.

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Derartige Lästereien sind selten. Häufig ist bei Aufsichtsräten eisernes Schweigen die Reaktion, wenn sein Name fällt. Man weiß nie, ob einen eine kritische Bemerkung nicht doch noch einmal einholt.

Horcher und Verleger

Der empfindliche Mann hat über die Jahrzehnte auf dem Hügel Freundschaften und Abhängigkeiten geschaffen. Friede Springer, die „Bild“-Verlegerin, bat ihn in ihren Aufsichtsrat. Den SPD-Vormann Peer Steinbrück, vielleicht irgendwann einmal Kanzler, holte Cromme in das ThyssenKrupp-Kontrollgremium. Star-Jurist Ralph Wollburg heckte für ihn die Fusion Thyssen mit Krupp aus, als Wollburg noch bei Freshfields arbeitete. Heute verfasst er bei Linklaters für Cromme Rechtsgutachten, um ihn in jeder Lebens- und Geschäftslage abzusichern. Die ehemalige Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro sitzt im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat. Und mit dem früheren E.On-Finanzchef Michael Gaul hat Cromme einen Horchposten im Aufsichtsrats-Prüfungsausschuss von Siemens installiert.

Der bekannte, bewunderte Cromme, das ist der Karriere-King, der es innerhalb von 15 Jahren schafft, zweiter Mann des Deutschlandgeschäfts des französischen Mischkonzerns Saint-Gobain zu werden. Da ist er 43 Jahre alt. Über einen Headhunter lernt er 1986 Berthold Beitz kennen, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Krupp und Vorsitzenden der Krupp-Stiftung. Beitz sucht einen Nachfolger in spe, auch wenn dieser einen langen Atem braucht. Denn Beitz trägt in sich das Gen der über 100-Jährigen, 98 Jahre ist er jetzt.

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