Helmuth Ludwig: Deutsche Ingenieurkunst trifft US-Unternehmergeist

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InterviewHelmuth Ludwig: Deutsche Ingenieurkunst trifft US-Unternehmergeist

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In Amerika könnte es zu einer Rückkehr der Industrie kommen

von Martin Seiwert

Der Chef der Siemens-US-Industriesparte, Helmuth Ludwig, setzt auf die Kombination deutscher und amerikanischer Stärken. Das ergebe eine "unschlagbare Mischung".

Wirtschaftswoche: Herr Ludwig, sind die 600 000 neuen Fabrikjobs in den USA der Beginn einer großen Rückkehr der Industrie?

Ludwig: Es spricht vieles für ein echtes Comeback der industriellen Produktion. Neben den niedrigen Energie- und Lohnkosten stehen derzeit 1900 Milliarden Dollar für Investitionen in die US-Industrie zur Verfügung. Das ist im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt so viel wie seit fünf Jahrzehnten nicht mehr. Außerdem hat sich die Einstellung geändert: Früher wurde man als Manager in den USA belächelt, wenn man nicht an die Wall Street ging, sondern zu einem Industrieunternehmen wie Siemens. Die Leute wussten noch nicht mal, wer Siemens ist. Heute ist es wieder sehr angesehen, wirklich etwas zu produzieren. Und an den Unis wissen die Studenten auch genau, wer Siemens ist.

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Helmuth Ludwig Quelle: Presse

Helmuth Ludwig

Bild: Presse

Wie profitiert Siemens von der steigenden Industrieproduktion in den USA?

Wir sehen etwa eine hohe Nachfrage nach unserer Software für die Produktion. Wir haben Software für die Produktentwicklung und für die intelligente Steuerung und Automatisierung der Produktionsabläufe. Gerade unsere Kombinationen dieser Software kommen gut an. Ich spreche derzeit mit einem Unternehmen, das wirklich eine Ikone der US-Wirtschaft ist, über den Einsatz unserer Softwarelösungen. In der Autoindustrie, die in den USA schon wieder auf Vorkrisenniveau produziert, profitieren wir von hohen Investitionen in neue Produktionsverfahren und in neue Fabriken.

Zur Person

  • Helmuth Ludwig

    Ludwig, 51, ist Chef des Siemens-Sektors Industrie in den USA und forscht nebenbei zum Industriestandort.

Ihr Chef Joe Kaeser hat faktisch gesagt, dass sich das Schicksal von Siemens in den USA entscheidet, und den Sitz der Energiesparte dorthin verlegt. Ist das für deutsche Kollegen nicht ein bisschen viel USA?

Die Menschen bei Siemens wissen, dass wir ein globaler Konzern sind, und sie sind stolz darauf. Es ist nicht eine einzelne Region, die uns stark macht, sondern das Zusammenspiel. Deutsche Ingenieurkunst und die Kompetenz im Maschinenbau, kombiniert mit US-Unternehmergeist und der Stärke in der IT, das ergibt eine unschlagbare Mischung. Auch bei der Technik sehen Sie dieses Zusammenspiel: Wir vereinigen Software aus Deutschland mit Software aus den USA zu einem Angebot. Wir machen also Freihandel im Kleinen. Unsere Vision 2020 legt den Schwerpunkt auf Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Diese globale Ausrichtung von Siemens passt 100-prozentig zu dem, was gerade in den USA geschieht.

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Wenn die USA so wichtig sind, könnte Siemens doch auch den Hauptsitz der Industriesparte dorthin verlegen.

Das ist derzeit kein Thema. Aber Teilbereiche des Industriesektors haben ihren Hauptsitz bereits in den USA, etwa die Produktentwicklungssoftware. Auch der Hauptsitz des Segments Industrielle Sicherheit ist in den USA.

Siemens hat rund 100 US-Fabriken. Wird dort künftig mehr als bisher für den Weltmarkt produziert?

Natürlich wird in einigen unserer Fabriken künftig mehr für den Weltmarkt produziert. Andererseits wird das Wachstum in den USA aber auch für mehr Importe aus Deutschland sorgen, wovon die deutschen Kollegen profitieren. Da ziehen wir alle an einem Strang.

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