
StuttgartDer Bekleidungshersteller Olymp bekommt im europäischen Ausland die Kaufzurückhaltung zu spüren und kalkuliert im laufenden Jahr ein langsameres Wachstum als 2011 ein. In Frankreich, Großbritannien oder Griechenland agierten die Kunden zögerlich, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter des Herrenmode-Herstellers, Mark Bezner, in einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. In Irland seien die Verkäufe um die Hälfte zurückgegangen und lägen damit auf dem Niveau des Jahres 2008. In Deutschland liefen die Geschäfte von Olymp dagegen stabil.
„Wir werden dieses Jahr nicht erneut zweistellig wachsen“, sagte Bezner, dem die Hälfte des 1951 von seinem Großvater gegründeten Unternehmens gehört. Bei einem 2012 voraussichtlich um zwei bis drei Prozent schrumpfenden Markt in Deutschland werde der Olymp-Umsatz im laufenden Jahr voraussichtlich um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zulegen. 2011 hatte der in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart ansässige Hersteller von Herren-Oberhemden, Krawatten, Poloshirts und Strickwaren die Erlöse um gut ein Viertel auf knapp 179 Millionen Euro hochgeschraubt.
Einschließlich der übernommenen Strickmode-Marke März aus München durchbrach Olymp im vergangenen Jahr erstmals die Umsatzschwelle von 200 Millionen Euro. Bei Strickwaren gebe gemeinsam mit März noch großes Potenzial, sagte Bezner. Die März-Produktionsstätte in Ungarn solle daher für einen einstelligen Millionen-Betrag erweitert werden.
Der Mittelständler Olymp mit rund 600 Beschäftigten entwirft seine Kollektionen überwiegend am schwäbischen Stammsitz und kauft die Stoffe in Italien, der Türkei und China ein. Fertigen lässt Olymp seit zwei Jahrzehnten nur noch im Ausland bei Partnern in Kroatien, Mazedonien, Vietnam, Indonesien sowie China. „Alle Betriebe können alles produzieren“, sagt Bezner, der im Vorjahr rund zehn Millionen Bekleidungsstücke herstellen ließ. Die Kosten für den Versand der Ware aus Ostasien nach Europa schrecken den Manager nicht: Denn die Verschiffung eines Containers in Indonesien mit 14.000 Oberhemden und einem rechnerischen Wert von mehr als 800.000 Euro schlägt nur mit 2500 Dollar zu Buche.
Beste Stoffe aus China
Beim Einkauf ist für den Olymp-Chef China inzwischen das Maß der Dinge: „Bei Hemden-Stoffen bietet China inzwischen weltweit die beste Qualität.“ Die Chinesen hätten „unheimlich viel Geld“ investiert und sich das technologische Knowhow eingekauft. Auch als Absatzmarkt werde die aufstrebende Volksrepublik immer interessanter, die Zahl der gemeinsam mit Partnern betriebenen Olymp-Verkaufsflächen werde noch wachsen.
In Deutschland und im angrenzenden Ausland traut sich Olymp zudem noch weiteres Wachstum mit in Eigenregie betriebenen Ladengeschäften zu, deren Zahl derzeit bei gut 40 Filialen liegt. Fünf bis zehn Standorte könnten jährlich dazukommen, sagte Bezner: „Mit dem Einzelhandel gehen wir selbst verstärkt ins Risiko.“ Im Großhandelsgeschäft liegt dieses vor allem bei Kaufhäusern und Modegeschäften.
In Deutschland stufen sich die Schwaben im angestammten Geschäft mit Herrenoberhemden inzwischen als Marktführer ein, vor Seidensticker und Eterna. Größter Exportmarkt von Olmyp sind derzeit die Niederlanden, dahinter folgt Russland.
Bei der Expansion im westlichen Ausland stößt Olymp derzeit an Grenzen: Denn in den Spanien und den USA, wo Bezner seine Männermode ebenfalls gern verkaufen würde, führt das Unternehmen Markenstreitigkeiten. In Spanien macht der Hemden- und Krawattenhersteller Olimpo seine Rechte geltend, in den USA dagegen das nationale Olympische Komitee. „Wir wollen dort keine Fanartikel verkaufen“, sagt Bezner und setzt in Amerika - statt auf den Rechtsweg - auf eine Verhandlungslösung. „Ich fürchte aber, das dauert noch Jahre“, sagte der Manager, der die Expansion seiner Firma aus dem Cashflow und mit Bankkrediten finanziert.
























