Henkel-Vorstand: "Kleben statt nähen"

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InterviewHenkel-Vorstand: "Kleben statt nähen"

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Jan-Dirk Auris ist für die Henkel-Klebstoff-Sparte verantwortlich

von Mario Brück

Der Henkel-Vorstand Jan-Dirk Auris verantwortet die wichtigste Sparte Klebstoff und will die Weltmarktführerschaft durch Übernahmen und neue Technologien weiter ausbauen.

WirtschaftsWoche: Herr Auris, die Klebstoffsparte hat im dritten Quartal eine Umsatzrendite von 17,8 Prozent erzielt – die höchste, die je bei Henkel abgeliefert wurde. Können Sie das noch toppen?

Auris: Das ist unser Ziel. Der Weltmarkt für Klebstoffe hat ein Umsatzvolumen von etwa 60 Milliarden Euro. Auf Henkel entfallen davon rund 14 Prozent. Diese Größenordnung, kombiniert mit unserer Strategie, auf Märkte und Branchen mit überproportionalem Wachstum zu setzen, lässt genügend Luft nach oben, um weiter profitabel zu wachsen.

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Was verstehen Sie unter profitablem Wachstum?

Die Wachstumsraten und Perspektiven verschiedener Marktsegmente sind sehr unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel Klebstoffe für Briefumschläge mit einem weltweiten Marktvolumen von mehreren Hundert Millionen Euro. Das sind relativ einfache Produkte, die auf Kartoffel- oder Maisstärke basieren: Das ist für uns heute ein gutes und etabliertes Geschäft. Dieser Markt wird aber nicht mehr wesentlich wachsen. Dagegen wächst der etwa gleich große Markt mit Klebstoffen für die Herstellung von Smartphones und Tablets im Durchschnitt um 25 bis 40 Prozent pro Jahr. Hier entwickeln und vermarkten wir High-Tech-Produkte, die die unterschiedlichsten Materialien in fünf bis sieben Klebeschritten verbinden. In jedem Smartphone steckt je nach Modell Klebstoff im Wert von bis zu 80 Cent. Gerade in diesem zukunftsorientierten Technologiebereich investieren wir deutlich mehr in Entwicklung, Mitarbeiter und Kundenpflege.

Damit der Klebstoff-Weltmarktführer Henkel auch in diesem Markt die Nummer eins wird?

Ja, daran arbeiten wir intensiv. Die Poleposition in diesem Segment haben historisch bedingt die Japaner. Aber wir tun einiges dafür, dass sich das langfristig ändert.

Operative Rendite

Operative Rendite. Zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Beispiel?

Anfang des Jahres haben wir das Henkel Display Center in Shanghai eröffnet. Das ist ein Forschungslabor, in dem wir gemeinsam mit allen wichtigen Smartphone- und Tablet-Herstellern an der Entwicklung von Bildschirmen und Displays arbeiten. In Kürze werden wir ein ähnliches Labor im koreanischen Seoul eröffnen.

Die Gewinne der Klebstoffsparte sind auf Rekordniveau, der Umsatz aber sank im dritten Quartal um 2,7 Prozent. Warum?

Wir haben unseren Umsatz, in lokalen Währungen betrachtet, im dritten Quartel um mehr als vier Prozent gesteigert – und konnten uns im Jahresverlauf stetig verbessern. In Euro betrachtet, ging der Umsatz aber zurück. Neben kleineren Verkäufen von Randaktivitäten geht der Rückgang fast ausschließlich auf Währungseffekte zurück, insbesondere durch die Schwäche des US-Dollar. Aber auch einige Währungen in den Wachstumsmärkten, in denen wir etwa 50 Prozent der Klebstoffumsätze erzielen, trugen dazu bei. In Indien zum Beispiel ist die Rupie vor rund zwei Monaten auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. Solche Turbulenzen erleben wir in dieser Form zum ersten Mal.

Wenn dies die Umsätze so beeinträchtigt, warum nicht auch die Gewinne aus diesen Ländern?

Wir konnten unsere Kosten weiter senken und sind in vielen Bereichen von Produktion und Lieferkette effizienter geworden. Zudem kamen uns leicht rückläufige Rohstoffpreise zugute. Daher sind die Wechselkurseffekte nicht auf das operative Ergebnis durchgeschlagen.

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