Here-Vize Aaron Dannenbring: „Wir werden auf intelligenten Straßen fahren“

Here-Vize Aaron Dannenbring: „Wir werden auf intelligenten Straßen fahren“

, aktualisiert 24. Februar 2016, 19:51 Uhr
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Auch smarte Autos müssen das Fahren erst lernen.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Der Kartendienst Here soll Audi, BMW und Mercedes die Daten liefern, um Autos autonom fahren zu lassen. Im Interview spricht Vize-Chef Aaron Dannenbring über die Sicherheit selbstfahrender Autos und die Navigation von morgen.

BochumDem Kartendienst Here steht ein spannendes Jahr bevor. Das Unternehmen soll nach der Übernahme durch die deutschen Premiumautobauer Audi, BMW und Daimler weitere Partner zu gewinnen und stellt sich auch personell neu auf. Nach dem Abgang von Here-Chef Sean Fernback sucht das Unternehmen einen neuen CEO. Auf ihn wartet eine spannende Aufgabe. Here soll die Antwort der Autoindustrie auf Google werden und Karten erstellen, die für das autonome Fahren gerbraucht werden. Here-Vizepräsident Aaron Dannenbring erklärt im Interview, wie der Kartendienst das Autofahren verändern will.

Die Vorbehalte der Kunden gegenüber dem autonomen Auto sind noch relativ groß. Wie lange wird es dauern, bis wir vollautonom fahren?
Das lässt sich schwer prognostizieren. Wir werden definitiv einen viel größeren Fortschritt in einem viel geringeren Zeitraum erleben, als es die meisten erwarten. Vielleicht werden wir in den nächsten Jahren noch nicht vollautonom unterwegs sein. Doch die neuen digitalen Konkurrenten und Ridesharing-Unternehmen drängen mit aller Macht in den Markt und treiben diese Entwicklung voran. Auf der Autobahn wird teilautonomes Fahren schon in den nächsten Jahren verfügbar sein – auch in der Masse.

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Wie gut sind die autonomen Systeme heute?
Über Sensoren können Autos ihre Umgebung bereits sehr gut erkennen. Die Herausforderung wird es sein, den Autos das vorausschauende Fahren beizubringen. Auf der CES haben wir eine hochauflösende, dynamische Karte präsentiert, mit denen Fahrzeuge quasi „um die Kurve“ schauen können – über ihre Sensoren hinaus. Dafür müssen sie Daten untereinander austauschen. Stellen Sie sich vor, ein Auto hat einen Unfall. Dann wäre es wünschenswert, dass alle anderen Autos in der Nähe gewarnt werden. Dafür brauchen sie aber eine gemeinsame Plattform. Wenn jeder sein eigenes System entwickelt, verstehen sich die Autos untereinander nicht. Wir arbeiten darum an diversen Projekten mit verschiedenen Autoherstellern.

Einige Marktbeobachter befürchten, dass die scharfe Konkurrenz von Audi, BMW und Mercedes auch zum Problem für Here werden könnte. Sind diese Sorgen berechtigt?
Nein. Unsere Anteilseigner haben sehr klar gemacht, dass Here auch in Zukunft unabhängig und offen agieren kann. Dahinter steckt die Erwartung, dass davon am Ende die gesamte Autoindustrie profitieren kann. Kooperation ist der Schlüssel dazu. Wir haben darum Partner quer durch die gesamte Industrie.

Wäre es kein Wettbewerbsvorteil, wenn ihre Anteilseigner die Technologie erst mal für sich selbst verwenden würden?
Damit wäre niemandem geholfen. Kein Autohersteller dieser Welt ist groß genug, um ausreichend Daten für effektive Echtzeit-Systeme zu sammeln. Und diese Daten brauchen wir, um unsere Angebote weiter zu verbessern – egal ob Navigation, einen effizienter organisierten Verkehr oder das selbstfahrende Auto. Das ist der Netzwerk-Effekt. Denken Sie an das erste Telefon. Das war ziemlich nutzlos, weil man niemanden anrufen konnte. Genauso ist es beim vernetzten Auto – je mehr Autos vernetzt fahren, desto besser wird das Fahrerlebnis.


"Wir wollen nicht wissen, wer der Fahrer ist"

Derzeit sind noch sehr wenige Autos auf der Straße, die teilweise oder vollständig autonom fahren können. Wie wollen Sie da genug Daten sammeln?
Es müssen nicht unbedingt autonome Fahrzeuge sein, die uns Informationen liefern. Es reichen auch die Sensorendaten von Autos, bei denen ein Mensch am Steuer sitzt. Darüber hinaus haben wir etliche weitere Datenquellen wie Smartphones und mobile Navigationssysteme, die uns Verkehrsflussinformationen liefern. Zudem kooperieren wir beispielsweise auch mit staatlichen Behörden, die uns über neue Straßen, Baustellen oder Unfälle informieren. So halten wir unsere Kartendaten immer aktuell.

Gerade in Europa ist das Thema Datensicherheit sehr sensibel. Wird sich dieses Problem mit dem autonomen Auto nicht noch verschärfen?
Sicherheit der Daten ist ein Kernthema für uns. Wir sind ein europäisches Unternehmen, mit europäischen Anteilseignern und behandeln das Thema Datensicherheit darum auch sehr europäisch. An den personalisierten Daten unserer Nutzer haben wir kein Interesse. Denn wir nutzen die Bewegungsdaten nicht, um andere Services zu verkaufen, beispielsweise personalisierte Werbung. Das ist vielleicht das Geschäftsmodell einiger Konkurrenten, wir haben andere Probleme zu lösen…

Welche?
Uns geht es primär darum, das Fahrverhalten der autonomen Fahrzeuge gemeinsam mit unseren Kunden zu verbessern. Auch autonom will man schließlich das gleiche Fahrgefühl haben, als säße man selbst am Steuer. Dafür bilden wir Profilgruppen. Es bleibt aber alles anonym. Wir wissen nicht, wer der Fahrer ist. Wir müssen das auch gar nicht wissen.

Trotzdem ist Fahrverhalten auch eine Kulturfrage. In Rom muss ein autonomes Auto ganz anderen Anforderungen gewachsen sein als in Bergisch-Gladbach…
Kulturelle Unterschiede waren für Kartographen schon immer eine Herausforderung. Wir sind heute in 55 Ländern mit eigenen Büros vertreten. Daher können wir unsere ganze Erfahrung einbringen. Schon bei der Navigation beschäftigen wir uns permanent mit diesem Problem. Es ist eine Herausforderung – aber eine lösbare. Dafür müssen wir genug Daten ins System bringen.

Reicht die derzeitige Netz-Infrastruktur aus, um diese Menge an Daten zu bewältigen? Schon heute fehlt auf einigen Strecken ein stabiles Mobilfunknetz…
Das hängt natürlich von der Datenmenge ab, die am Ende übertragen wird. Bei der Zahl der derzeit vernetzten Autos reicht die Infrastruktur aus. Wir haben in Finnland auf der Straße getestet, wie lange es dauert, die Informationen eines Autos in unsere Cloud zu laden und von dort auf ein anderes Auto zu spielen. Über ein normales 3G-Netzwerk, mit dem wir die Daten über einen Server in Chicago übertragen, dauert das derzeit 1,5 Sekunden. Das ist für ein vollautonomes Fahrzeug vielleicht noch zu langsam, im Vergleich zur Reaktionszeit eines Menschen aber schon ziemlich schnell.

Also steht uns eine damit unfallfreie Zukunft bevor?
Das autonome Fahren ist definitiv sicherer. Es ermöglicht aber auch völlig neue Organisationsmöglichkeiten für den Verkehr. Wir teilen Daten dafür auch mit den Behörden. In Zukunft ist da vieles vorstellbar, von der flexiblen Ampelphase bis hin zu Geschwindigkeitsbegrenzungen, die sich der aktuellen Verkehrslage anpassen. Die intelligente Straße ist nur noch eine Frage der Zeit.

Quelle:  Handelsblatt Online
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