Hochtief: Widerstand von Vorständen gegen Risiken aus Elbphilharmonie-Vertrag

exklusivHochtief: Widerstand von Vorständen gegen Risiken aus Elbphilharmonie-Vertrag

von Harald Schumacher

Der spektakuläre Abgang zahlreicher Vorstände und Aufsichtsräte des Baukonzerns Hochtief hat offenbar auch mit den Verträgen zum Weiterbau der Elbphilharmonie in Hamburg zu tun.

Diverse Vorstände haben sich nach Informationen der WirtschaftsWoche gegen den von Hochtief-Chef Marcelino Fernandez ausverhandelten Vertrag gewehrt, in dem sich Hochtief zum schlüsselfertigen Weiterbau des Konzerthauses zum Festpreis von 575 Millionen Euro verpflichtet. Vor allem die Übernahme aller Baurisiken lehnten hochrangige Manager ab. Wie aus dem 34-seitigen Vertragswerk „Nachtrag Nr. 5“ hervorgeht, hat sich Hochtief gegenüber der Stadt Hamburg sogar zur Übernahme von Risiken verpflichtet, für die das Unternehmen gar nicht verantwortlich ist. „Die Elbphilharmonie-Risiken wurden auf die Hochtief-Aktionäre verlagert“, kritisiert Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe gegenüber der WirtschaftsWoche.

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Ungewöhnliche Maßnahmen

Ein Hochtief-Sprecher räumt gegenüber dem Magazin ein, dass die Haftungsübernahme aller Risiken ungewöhnlich sind: „Wir übernehmen mehr Verantwortung, als das bei Bauverträgen üblich ist.“ Deshalb kam es nach Informationen der WirtschaftsWoche zur Zerreißprobe zwischen Fernandez und der damaligen Hochtief-Solutions-Führungsriege. „Früher hätte man uns so einen Vertrag um die Ohren gehauen“, sagte ein hochrangiger Hochtief-Manager dem Magazin. „Die Garantien, die wir da übernehmen, sind hoch riskant. Niemand kann heute sagen, in welcher Höhe Hochtief dafür zahlen muss.“ Die beiden Solutions-Vorstände Ullrich Reinke und Wolfgang Horney hatten im April ihre Posten ohne Angabe von Gründen aufgeben. Zuvor war ihr Vorstandsvorsitzender Bernd Romanski nach nur einem Monat Amtszeit ausgeschieden.

Die Risiken, die Hochtief trägt, sind in dem am 9. April unterzeichneten Vertrag detailliert festgehalten. So umfasst der Pauschalfestpreis unwiderruflich „die vollständige bauliche Fertigstellung der Elbphilharmonie“. Hochtief garantiert für alle Leistungen „ohne Rücksicht darauf, ob diese bei Vertragsabschluss bekannt waren oder nicht“. Hochtief verzichtet auf alle „jetzt oder künftig zustehenden Mehrforderungen, gleich aus welchem Rechtsgrund, ob bekannt oder unbekannt“. Der Konzern hat „etwaige Mängel der Planungsgrundlagen zu beseitigen, unabhängig davon, ob diese von ihm verursacht wurden oder nicht“, heißt es in dem Vertragswerk. Damit trägt Hochtief auch Kosten, die aus Fehlern der für die Planung zuständigen Planungsbüros entstehen.

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