Hochwasser: Wie die Flut Unternehmen lahmlegt

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Hochwasser: Wie die Flut Unternehmen lahmlegt

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Unterspülte Straßen, gerissene Lieferketten - mehrere Unternehmen mussten die Produktion ganz oder teilweise stoppen.

von Andreas Wildhagen

Bundesländer und Kommunen haben aus der Flut 2002 gelernt. Trotzdem mussten Betriebe in Sachsen und Bayern die Produktion stoppen - so auch Südzucker und Porsche.

So schlimm wie die Südzucker AG hat es nur wenige Unternehmen getroffen. "Die Wathose wird hier langsam zu unserer normalen Berufskleidung", klagte ein Mitarbeiter der überfluteten Zuckerfabrik im anhaltinischen Zeitz, 40 Kilometer südlich von Leipzig, Mitte der Woche. Wathosen sind Beinkleider, meist aus Neopren oder Nylongewebe. Wer sie trägt, kann trockenen Körpers auch durch hüfthohes Wasser schreiten.

Ohne solche wasserdichten Hosen wären die 150 Beschäftigten von Südzucker nicht auf das Werksgelände gelangt, das völlig vom Hochwasser überflutet war. Die Anlagen zur Produktion von Zucker- und Bioalkohol an der Weißen Elster, einem Nebenarm der Saale, mussten wegen der Überschwemmung gestoppt, vollgelaufene Keller und Fahrstuhlschächte leer gepumpt werden.

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Der Horror für Kleinunternehmen

Einziges Glück im Unglück: Der Anlieferungshof für Zuckerrüben war zwar auch überflutet, aber auf ihm lagen gerade keine Zuckerrüben zur Verarbeitung. So blieben die Schäden überschaubar. Und Fabrikdirektor Philipp Schlüter durfte sich bei seinen im Schlamm watenden Mitarbeiter für deren "enthusiastischen Einsatz" bedanken. Vom Fabrikdirektor gelobt werden – die Flut als Motivations-Inkubator?

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Hochwassergebiete in Deutschland (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Anstieg der Flusspegel in Niederbayern und Sachsen in den vergangenen Tagen auf gut acht Meter brachte für Wohnungen, Häuser und Kleinbetriebe den Horror: aufgequollenes Mobiliar, zerstörte Computer, verdrecktes Interieur. Größere Industriebetriebe mit 100 und mehr Beschäftigten kamen meist mit dem Schrecken davon. Vielerorts haben die Unternehmen, die auf größeren Arealen in der Nähe von Elbe, Saale und ihren Nebenflüssen ihre Fabrikation unterhalten, aus der Hochwasserkatastrophe von 2002 gelernt. Zahlreiche Deiche wurden verstärkt und höher gezogen, sodass zumindest direkte Auswirkungen auf die Produktion oft ausblieben. Vor den großen Flut-Toren der Industriebetriebe schwappten oft nur kleine Pfützen.

Neuer Schwung bei Baumärkten

Gleichwohl brachte die Flut, so zynisch es anmuten mag, Schwung ins Geschäft so mancher, die vom Schaden anderer profitieren. Baumärkte wie Max Bahr, Toom Baumarkt und Hellwig unterboten sich gegenseitig mit Rabatten für Ausbesserungsmaterialien. Im Radio wechselten sich die Flutwarnungen mit den Werbespots von Do-it-yourself-Märkten ab. "Der Absatz von Baumaterial ersetzt den wegbrechenden Umsatz von Gartenmöbeln", hat ein Baumarkt-Manager ausgerechnet.

Weniger sichtbar sind allerdings die indirekten Schäden, die das Hochwasser in Betrieben anrichtete. Denn weil Brücken und Straßen in den braunen Wassermassen versanken, brachen die Logistikketten vieler Betriebe und setzten, weil Teile und Material fehlten, die Produktion matt. So stoppte Volkswagen sein Werk in Zwickau, Porsche musste die Förderbänder in Leipzig anhalten. Lastwagen stoppten vor zerstörten Brücken, Lastkähne konnten gar nicht erst mit Fracht beladen werden.

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