Holcim und Lafarge: Mega-Hochzeit in Zementbranche droht zu platzen

Holcim und Lafarge: Mega-Hochzeit in Zementbranche droht zu platzen

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Holcim will Preis und Management-Fragen aushandeln, aber Lafarge ist nur zu Preisverhandlungen bereit.

Der Schweizer Konzern Holcim hat kalte Füße bekommen: Auf Drängen der Aktionäre verlangt das Management nun eine Neuverhandlung des Deals mit dem französischen Lafarge-Konzern. Die Fusion steht auf der Kippe.

Der größte Zusammenschluss in der Geschichte der Zementbranche steht auf der Kippe. Der Schweizer Holcim-Konzern gibt dem Druck seiner Investoren nach und verlangt vom französischen Wunschpartner Lafarge die Neuverhandlung des Deals. Stimmen die Franzosen dem zu, wird aus der 40 Milliarden Euro schweren Fusion von gleich starken Partnern eine Übernahme von Lafarge. Mit dem Vorpreschen riskiert Holcim aber, dass der Zusammenschluss platzt. Knackpunkt ist die eigentlich längst entschiedene Frage der Besetzung des Chefpostens mit Lafarge-Lenker Bruno Lafont. Insidern zufolge ist es ihm nicht gelungen, die Holcim-Manager hinter sich zu scharen. Die Anleger reagierten ungnädig: An der Börse stürtzte die Lafarge-Aktie ab.

Nach wochenlangen Spekulationen machte der Holcim-Verwaltungsrat um Präsident Wolfgang Reitzle klar: Die Fusion mit dem Erzrivalen Lafarge ist in der ausgehandelten Form kurz vor der Ziellinie gescheitert. Holcim will insbesondere beim Austauschverhältnis mehr herausholen und sperrt sich gegen die geplanten Besetzungen der Unternehmensspitze. Was das genau heißt, blieb zunächst offen. Holcim und Lafarge sind noch vor HeidelbergCement die weltgrößten Zementhersteller.

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Eine mit der Situation vertraute Person nannte Einzelheiten. Bisher sei vorgesehen gewesen, dass die Lafarge-Eigner pro Titel eine Aktie von Holcim erhalten. Damit will sich Holcim nun nicht mehr zufrieden geben: Lafarge-Aktionäre sollen nur noch 0,875 Titel von Holcim erhalten. Lafarge will eigenen Angaben zufolge über das Austauschverhältnis mit sich reden lassen. Einem Insider zufolge gehen die Franzosen mit einem Angebot von 0,93 Prozent in die nächsten Verhandlungen. Der Insider bestätigte einem Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Holcim will "Königsmord"

Der größere Stolperstein für eine Einigung dürften aber Management-Fragen sein. Als Chef des neuen Unternehmens war bisher Bruno Lafont vorgesehen, der bei Lafarge seit 2007 sowohl Vorstandsvorsitzender als auf Aufsichtsratschef ist. Doch Holcim will dem Franzosen die Schlüsselposition nicht mehr anvertrauen. Insidern zufolge trauen ihm viele bei Holcim nicht zu, die versprochenen Synergien aus der Transaktion zu heben. Ein solcher "Königsmord" könnte die Transaktion komplett scheitern lassen. Denn Lafarge hat Verhandlungen über andere Fragen als das Verhältnis des Aktientausches ausgeschlossen. Auch aus Holcim-Sicht ist indes unbestritten, dass Lafarge der CEO-Posten in dem neuen Unternehmen zusteht.

Preisabsprachen der Zementhersteller

  • 1975

    Der Bundesgerichtshof erkennt in der „Zementverkaufsstelle Niedersachsen“ eine Tarnorganisation der Branche für unerlaubte Preisabsprachen.

  • Ende der Achtzigerjahre

    Das Bundeskartellamt verhängt gegen 33 Zementhersteller Bußgelder von umgerechnet 115 Millionen Euro.

  • 1994

    Die EU-Kommission verdonnert den europäischen Dachverband, acht nationale Verbände und 33 europäische Zementhersteller zu Geldbußen von umgerechnet rund 250 Millionen Euro. Die Betroffenen hatten seit 1983 Märkte untereinander aufgeteilt und Exporte abgesprochen. In Deutschland waren unter anderem Dyckerhoff, HeidelbergCement und Nordcement an dem Komplott beteiligt.

  • Ende der Neunzigerjahre

    Ein Kartell von Transportbetonherstellern fliegt auf. Bußgelder in Höhe von umgerechnet rund 125 Millionen Euro, allein 100 Millionen für Readymix, werden fällig.

  • Frühjahr 2003

    29 von 30 Zementfirmen, gegen die das Kartellamt ermittelte, geben die Verstöße zu. Daraufhin hagelt es Bußgelder in der Rekordhöhe von 660 Millionen Euro. Der höchste Betrag (250 Millionen Euro) entfällt auf die HeidelbergCement, die bei dem Kartell nach dem damaligen Kartellamtschefs Ulf Böge „eine Führungsrolle“ innehatte, was der Marktführer allerdings bestritt. Gegen Schwenk Zement werden 142 Millionen, gegen Dyckerhoff 95 Millionen Euro und gegen Lafarge Zement 86 Millionen Euro verhängt.

  • Winter 2010

    Nach Durchsuchungen 2008 und 2009 leitet die EU-Kommission ein Kartellverfahren gegen sieben europäische Zementhersteller ein, darunter HeidelbergCement.

  • April 2013

    Nach jahrelangem Rechtsstreit muss HeidelbergCement 160 Millionen der ursprünglich verhängten Summe von 250 Millionen (aus 2003) zahlen.

Ein Vertreter eines der zehn größten Holcim-Aktionäre hält nun sowohl ein Scheitern als auch einen Abschluss des Deals für möglich. Um genügend Holcim-Investoren hinter sich zu scharen, wäre seiner Ansicht nach eine stärkere Vertretung von Holcim im Aufsichtsrat des neuen Unternehmen nötig. Bislang ist geplant, dass beide Partner jeweils sieben Sitze bekommen sollen. Retten könnte den Deal womöglich eine Übernahme der Franzosen durch die Schweizer. Nicht vergessen darf Holcim aber den Staat, der in Frankreich größeren Einfluss auf Konzerne nimmt als in den meisten anderen europäischen Ländern. Französischen Regierungskreisen zufolge will die Regierung denn auch sicherstellen, dass Enntscheidungszentren des neuen Unternehmens in Frankreich bleiben. "Der Deal ist einer unter gleichen", sagte ein Insider.

Als die beiden Konzerne im April vergangenen Jahres ihre Fusionsabsichten bekannt gaben, applaudierten die Anleger. Auch die nächsten Schritten klappten. Beide Konzerne vereinbarten unter anderem dem irischen Konkurrenten CRH Zementwerke und Anlagen im Wert von 6,5 Milliarden Euro zu verkaufen und sicherten sich damit die Zustimmung der Wettbewerbshüter.

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Doch zuletzt waren mehr und mehr kritische Stimmen zu vernehmen, nachdem Lafarge einen schwächeren Jahresabschluss als Holcim vorgelegt hatte. Für die Investoren wurde zudem die starke Stellung von Lafarge in Afrika und im Nahen Osten zum Risiko angesichts der zahlreichen Krisen in diesen Regionen. Lässt eine Partei die Transaktion scheitern, muss sie der Fusionsvereinbarung zufolge eine Entschädigung von 350 Millionen Euro bezahlen.

Lafarge-Aktien sackten am Montag um sechs Prozent ab, während Holcim-Papiere an der Börse ein Prozent einbüssten. Die Zukunft der Transaktion sei völlig offen, erklärte Bernstein-Analyst Phil Roseberg. Nicht nur die Verwaltungsräte müssten sich einigen, sondern auch die größten Aktionäre. An Holcim hält Thomas Schmidheiny von der Holcim-Gründerfamilie gut 20 Prozent, der Russe Filaret Galchev gut zehn Prozent. Hinter Lafarge stehen der belgische Milliardär Albert Frere und der ägyptische Unternehmer Nassef Sawiris.

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