Hubert Lienhard: Voith-Chef verlangt mehr Druck auf China

Hubert Lienhard: Voith-Chef verlangt mehr Druck auf China

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Der Chef des schwäbischen Anlagenbauers Voith, Hubert Lienhard, im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Florian Willershausen

Der Chef des schwäbischen Anlagenbauers Voith, Hubert Lienhard, verlangt mehr staatliche Bürgschaften für den Export von Großgewerken und stärkeren politischen Druck auf China.

WirtschaftsWoche: Herr Lienhard, der Berliner Großflughafen wird zur Bauruine, die Elb-Philharmonie kostet zehnmal mehr als geplant. Schaden solche Flops dem Image deutscher Unternehmen als Lieferanten von Großgewerken?

Das glaube ich nicht. Diese Projekte haben vielleicht etwas an unserem Image gekratzt. Aber ich denke, dass unser Ruf nach wie vor gut ist und die meisten Ausländer dies als Einzelfälle ansehen.

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Im Markt für Großprojekte außerhalb Europas und Nordamerikas verzeichneten deutsche Unternehmen zuletzt rückläufige Auftragseingänge. Liegt das am zyklischen Wesen des Geschäfts, oder sehen Sie andere Gründe?

Das hat nichts mit der Konjunktur zu tun. Immer mehr deutsche Unternehmen ziehen sich aus dem klassischen Geschäft mit großen Infrastrukturprojekten zurück. Ein sehr großer Teil dieses Projektgeschäftes ist zu asiatischen Anbietern gewandert. Japaner und Südkoreaner mischen am Persischen Golf gut mit, die Chinesen sind in Afrika stark. Indien plant für 90 Milliarden Dollar einen Industriekorridor zwischen den Megastädten Neu-Delhi und Mumbai, den komplett Japaner bauen sollen – Straßen, Stromversorgung, Verkehrsleittechnik. Die deutsche Wirtschaft bleibt außen vor...

Zur Person

  • Hubert Lienhard

    Hubert Lienhard, 63, leitet seit April 2008 den Anlagenbauer Voith im schwäbischen Heidenheim. Der promovierte Chemiker aus dem Schwarzwald ist seit mehr als 30 Jahren im Großanlagenbau tätig. Er macht sich in mehreren Vereinen für den Asien-Handel stark und ist seit Februar dieses Jahres Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft.

...weil deutsche Unternehmen nur noch kleine Projekte stemmen können?

Nein. Wir sind bei diesen Projekten ja dabei, aber eben oft nur noch als Zulieferer der Generalunternehmer. Uns gelingt vielfach nur noch, über die Endkunden in die Angebotslisten zu kommen. Auftraggeber schreiben in Ausschreibungen häufig spezifische Anforderungen, die deutsche Unternehmen am ehesten erfüllen.

Wir müssen chinesische Unternehmen werden

Ist das nicht besser, auf diese Weise sicheres Geld zu verdienen, statt als Konsortialführer große Risiken einzugehen?

Eine solche Strategie klingt zwar logisch, sie zum Erfolg zu führen ist aber viel schwerer als gedacht. Um bei Großprojekten als wichtiger Lieferant zum Zuge zu kommen, muss ein Unternehmen weltweit präsent sein. Wer zum Beispiel an einem Projekt eines staatlichen chinesischen Wasserkraftwerk-Unternehmens mitverdienen will, egal, ob in Afrika oder in Asien, der muss in China sitzen.

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Konzerne aus Japan, Korea und China stechen deutsche Unternehmen auf den Zukunftsmärkten im Kampf um die großen Projekte aus. Schuld daran sind die Firmen, aber auch passive Politiker in Deutschland.

Japan, Korea und China führend in Grossprojekten Quelle: dpa Picture-Alliance

Das tun die meisten wichtigen deutschen Unternehmen doch bereits.

Ja, aber wir müssen uns in diesen Märkten noch viel tiefer verwurzeln und dort zu einheimischen Unternehmen mit deutschen Wurzeln werden, ein Teil der dortigen Volkswirtschaft. Hier liegt noch viel Arbeit vor uns.

Unser Eindruck ist, dass deutsche Unternehmen weniger Aufträge aus Schwellenländern bekommen, weil sie sich immer seltener um große Gewerke bemühen.

Das ist so. Die Zeit des deutschen Großprojektgeschäfts ist vorbei. Solche riesigen Vorhaben sind für viele Unternehmen in Deutschland eine Belastung geworden. Um gegen große asiatische Staatsunternehmen mitspielen zu können, müssen Unternehmen eine beachtliche Größe aufweisen. Solche Unternehmen sind in der Regel an der Börse notiert. Und die mag zyklisches Geschäft nicht, bei dem die Anleger zittern, ob das nächste Projekt gut oder schlecht läuft.

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