Hyundai-Nobelmarke Genesis: Ein Phaeton auf Koreanisch

Hyundai-Nobelmarke Genesis: Ein Phaeton auf Koreanisch

, aktualisiert 23. Januar 2016, 15:24 Uhr
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Bis 2020 will Hyundai sechs neue Genesis-Modelle an den Start bringen.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Mit der Marke Genesis will Hyundai gegen die deutsche Konkurrenz wie die Mercedes S-Klasse antreten und sich im Premiumsegment ausbreiten. Tappen die Koreaner mit dem G90 in die Lexus-Falle?

DüsseldorfEin kleiner Test: Nennen Sie drei Modelle von Hyundai in zehn Sekunden. Keine Sorge, an dieser Aufgabe scheitern die Meisten. Schon durch ihre kryptischen Typbezeichnungen vom i10 bis zum H-1 haben die Koreaner auf deutschen Straßen nur wenig Wiedererkennungswert. Die Autos überzeugen stattdessen mit qualitativer Verarbeitung und einem gefälligen Design, verkaufen sich anständig.

Doch ein Statussymbol ist ein koreanisches Auto bisher nicht. Das ist nicht überall so: Mit dem G90 zeigte Hyundai zuletzt auf der Autoshow in Detroit, dass man sich zutraut, auch ganz oben mitzuspielen.
Genesis, das ist künftig nicht allein die biblische Schöpfungsgeschichte oder eine britische Rockband, sondern der Name der koreanischen Spitzenmodelle. Bis 2020 will man sechs neue Genesis-Modelle an den Start bringen.

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Und der G90 ist so etwas wie die Krone der Schöpfung. Ein Modell, das tatsächlich der Mercedes S-Klasse Konkurrenz machen soll. Mit 5,21 Metern ist der G90 sogar noch etwas länger als das deutsche Spitzenmodell. Und auch am Luxus wird nicht gespart: feinstes Leder, viel Chrom, Edelholz und eine Auswahl von drei Motoren mit entweder 315, 375 oder gar 425 PS.

Laut Hyundai ist der Start zufriedenstellend. Bisher liegen laut Hersteller 13.000 Vorbestellungen vor, auf das Jahr könnte sich das Modell 22.000 Mal verkaufen, prognostizieren die Marktbeobachter von IHS. Schon heute müssen Kunden zehn Monate auf das Spitzenmodell warten.

Vor wenigen Tagen verkündete Hyundai, die Produktion zu verdoppeln. Im Werk in Ulsan, Südkorea, sollen nun 30.000 Exemplare des G90 gebaut werden, ursprünglich waren nur 15.000 vorgesehen. Ob alle produzierten Fahrzeuge auch verkauft werden, ist unklar.

Ein Großteil der Produktion dürfte allerdings in Südkorea bleiben. In der Hauptstadt Seoul gehört der Vorgänger Equus, ein optisch etwas ungelenker Mercedes-Klon, schon zum gewohnten Stadtbild. Dort soll der G90 unter dem Namen EQ 900 verkauft werden und zum Standardmodell für die koreanische Oberklasse werden. Doch auch international hat man mit Genesis Ambitionen.


„Design alleine reicht sicher nicht“

Mit Luc Donckerwolke wurde ein Star-Autodesigner verpflichtet, der auch schon bei den VW-Töchtern Audi, Bentley, Lamborghini, Seat und Skoda. Das Logo erinnert mit seinen Flügeln an die britische Sportwagenmarke Aston Martin. Aber auch die optische Nähe zu den deutschen Spitzenmodellen ist beim G90 kaum zu übersehen.

Das ist keine Überraschung: Audi, BMW, Mercedes und Porsche sind der Benchmark im Premiumsegment. Zwei von drei verkauften Premiumautos weltweit kommen von einem deutschen Hersteller. Erst dahinter landen Marken wie Jeep (1,24 Millionen verkaufte Fahrzeuge), Volvo (500.000 verkaufte Fahrzeuge) oder Land Rover (403.000 verkaufte Fahrzeuge).

Die Asiaten sind im Luxussegment immer noch weit von der Spitze entfernt. Lexus, immerhin die Premiummarke des Weltmarktführers, verkauft weltweit gerade einmal 344.000 Fahrzeuge. Marktführer BMW verkauft alleine in den USA deutlich mehr. Und auch Infiniti – die Luxusmarke von Nissan – kann trotz einem Rekordzuwachs von 16 Prozent gerade einmal 215.000 Fahrzeuge verkaufen. Der Abstand zu den Deutschen ist immens.

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, ist darum skeptisch, dass die Strategie der Koreaner aufgeht. Für ihn ist der G90 nicht mehr als „der VW Phaeton auf Koreanisch“. In Wolfsburg hatte man versucht, mit dem Phaeton in die Oberklasse vorzudringen, war aber am eigenen Image gescheitert. Hyundai fehlt in diesem Segment ebenfalls die Tradition.

„Design alleine reicht sicher nicht, wer im Luxussegment bestehen will, braucht eine technische Innovation oder zumindest ein große Historie wie Jaguar“, sagt Dudenhöffer. So habe es auch Tesla geschafft, mit seiner elektrischen Limousine Model S im Spitzensegment mitzumischen. Toyota habe seine Premiummarke Lexus dagegen zu stiefmütterlich behandelt und beispielsweise den Hybrid-Antrieb zuerst bei den Volumenmodellen eingeführt. Nicht umsonst genießen Audi, BMW und Mercedes bis heute den Ruf, technischer Vorreiter bei Zukunftstechnologien zu sein. Einen Ruf, den sich auch Genesis erst erkämpfen muss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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