IG Metall in Norddeutschland: Gewerkschaft will fünf Prozent mehr Lohn

IG Metall in Norddeutschland: Gewerkschaft will fünf Prozent mehr Lohn

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Trillerpfeifen der IG Metall.

Die IG Metall in Niedersachsen fordert fünf Prozent mehr Lohn. Als Grund dafür gibt die Gewerkschaft die gute Auftragslage für Unternehmen an.

In der Metall- und Elektroindustrie kündigt sich für die in wenigen Wochen beginnende Tarifrunde ein harter Konflikt an. Die IG Metall in Niedersachsen und im Bezirk Küste strebt eine Lohnforderung von fünf Prozent an. Auch die anderen regionalen Tarifkommissionen wollten Empfehlungen abgeben. Gewerkschaftsexperten erwarten dort Forderungen in ähnlicher Höhe.

Deutschlands mitgliederstärkste Gewerkschaft begründet ihre Forderung für die 3,8 Millionen Beschäftigten in den wichtigen Branchen damit, dass die Auftragslage in vielen Unternehmen stabil sei. Ein Krisenszenario sei nicht zu erkennen. Die Arbeitgeber mahnen zum Maßhalten. Deutliche Lohnaufschläge passten nicht in die Zeit. Volkswirte sehen dagegen durchaus Spielraum für höhere Löhne.

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Die (neuen) Köpfe der IG-Metall

  • Detlef Wetzel

    Detlef Wetzel, 62, tut es vielen Facharbeitern gleich und geht nahezu pünktlich zum 63. Lebensjahr in Rente. Nur knappe zwei Jahre hat der bedächtige Siegerländer an der Spitze der größten deutschen Gewerkschaft gestanden, die er organisatorisch kräftig umgekrempelt hat. Trotz Kanzlerin-Besuch hat Wetzel im Herbst 2013 einen klassischen Fehlstart hingelegt. 75,5 Prozent Zustimmung beim Gewerkschaftstag in Frankfurt bedeuteten das zweitschlechteste Ergebnis, mit dem je ein IG-Metall-Chef ins Amt gewählt worden ist.

    Gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Huber hat der verheiratete Siegerländer den Apparat dezentralisiert und auf Kampagnenfähigkeit und Mitgliederwerbung eingeschworen. Seit vier Jahren kann die IG Metall wieder steigende Mitgliederzahlen präsentieren. Politisch hat Wetzel die Ernte der kooperativen Gewerkschaftstaktik eingefahren. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn und der vorzeitigen Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren hat die große Koalition gewerkschaftliche Kernforderungen umgesetzt.

  • Jörg Hoffmann

    Jörg Hoffmann, 59, wirkt nur auf den ersten Eindruck mit seiner starken Brille und seinem sanften schwäbischen Tonfall etwas schüchtern. Wer sich mit dem Gewerkschafter über Arbeitnehmerrechte oder Tariffragen unterhält, lernt schnell den harten Verhandler und detailfesten Tariffuchs kennen. Als Tarifsekretär und langjähriger Bezirksleiter im traditionellen Pilot-Bezirk Baden-Württemberg hat der Diplom-Ökonom an zahlreichen Tarifverträgen maßgeblich mitgearbeitet, die weit mehr geregelt haben als die nächste Gehaltserhöhung für die Metallarbeiter.

    Altersteilzeit, Sonderregeln für ertragsschwache Unternehmen oder die tarifliche Absicherung von Leiharbeitern sind einige der dicken und innovativen Tarifbretter, die Hofmann meist gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Huber gebohrt hat. Der fest in seiner Heimat Baden-Württemberg verwurzelte Hofmann ließ sich zum Abgang Hubers in die Pflicht nehmen und ging als Stellvertreter des drei Jahren älteren Detlef Wetzel in das rote Vorstands-Hochhaus am Main. Der verheiratete Vater einer Tochter sitzt zudem in den Aufsichtsräten der Konzerne Daimler und Bosch.

  • Christiane Benner

    Christiane Benner, 47, könnte die erste IG-Metall-Chefin in der Geschichte der Gewerkschaft werden. Sollte sie tatsächlich im Oktober auf dem Gewerkschaftstag als Nachfolgerin Hofmanns zur Zweiten Vorsitzenden gewählt werden, steht ihr auch der nächste Schritt an die Spitze offen. Zu den ungeschriebenen Gesetzen der IG Metall gehört, dass der Zweite Vorsitzende später Chef werden kann, wenn er denn will.

    Die gebürtige Aachenerin hat in Darmstadt erste Betriebsratserfahrung gesammelt, später in Marburg, Frankfurt und Chicago studiert und dann diverse Funktionen innerhalb der IG Metall ausgefüllt. Im Oktober 2011 rückte sie in den geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft auf. Zu Benners Arbeitsgebieten gehören die Digitalisierung der Arbeitswelt und die gezielte Ansprache spezieller Zielgruppen. Sie ist verheiratet und sitzt bei BMW und Bosch im Aufsichtsrat.

Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine sagte, die stabile Auftragslage der Betriebe in seinem Bezirke sei eine solide Basis für höhere Löhne. Die "unbestreitbaren Herausforderungen" für viele Unternehmen seien in die Diskussion über die Forderung eingeflossen. Für ein Umschalten auf Krisenmodus gebe es jedoch keinen Anlass.

Die Arbeitgeber hielten dagegen, angesichts der weltweit unsicheren Konjunktur sei kein Raum für tarifliche Höhenflüge. Die Unternehmen dürften nicht überfordert werden. Niedersachsen-Metall warnte die Gewerkschaft, nicht zu überziehen: "Wir haben deutliche Warnungen aus den Reihen unserer Mitgliedsunternehmen vor einem erneut zu hohen Abschluss", erklärte Verbandschef Volker Schmidt.

Auch Volkswirte verwiesen auf Risiken für die Konjunktur. Gerade für die exportabhängigen Auto- und Maschinenbauer, bei denen die IG Metall stark vertreten ist, sei der Ausblick durchwachsen. "Wichtige Märkte wie China straucheln, ebenso andere Schwellenländer und Ölstaaten", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Er hält einen Abschluss von etwa 2,5 Prozent für gerechtfertigt. "Da bleibt den Arbeitnehmern auch real mehr Geld in der Tasche, denn die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr wegen der niedrigen Ölpreise unter der Ein-Prozent-Marke liegen."

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Sein Kollege Marco Bargel von der Postbank sieht Spielraum für Lohnerhöhungen von bis zu drei Prozent. Die von der IG Metall in den Raum gestellten fünf Prozent seien definitiv zu viel. "Die Situation in der Industrie läuft nicht ganz rund", sagte Bargel. Hohe Lohnabschlüsse wie in den Vorjahren wären nicht gerechtfertigt.

Am Dienstag will der Vorstand der Industriegewerkschaft über die Forderungen der Bezirke beraten und anschließend eine Empfehlung abgeben. Endgültig beschlossen werden soll die Forderung nach erneuten Beratungen in den Regionen am 29. Februar. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern sollen Mitte März beginnen.

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