Ikea-Zulieferer Siempelkamp: „Das Kopieren der Chinesen ist wie eine Seuche“

Ikea-Zulieferer Siempelkamp: „Das Kopieren der Chinesen ist wie eine Seuche“

, aktualisiert 30. Mai 2017, 17:00 Uhr
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Ein großes Sortiment an Ikea-Möbeln besteht aus Spanplatten, die Maschinen der Firma Siempelkamp aus Krefeld hergestellt haben.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Siempelkamp ist Weltmarktführer für Maschinen, die Spanplatten herstellen. Auch Möbelgiganten wie Ikea zählen zu den Kunden. Doch das Ingenieurswissen des Maschinenbauers ist wegen chinesischer Spionage in Gefahr.

DüsseldorfDie Maschinen waren aufgebaut, die Mitarbeiter strebten dem Ausgang zu, als die Konkurrenz aufkreuzte: „Sie kamen in Scharen und haben alles bis ins Detail fotografiert“, sagte Hans Fechner, Vorstandschef des Krefelder Spezialmaschinenbauers Siempelkamp. Das Familienunternehmen ist Weltmarktführer im Bau von Komplettanlagen für die Herstellung von Spanplatten – Grundstoff für die weltweite Möbelindustrie. Tatort des intellektuellen Raubzugs: die Ligna, Leitmesse der Holzindustrie vergangene Woche in Hannover. Die Täter: chinesische Konkurrenten. „Das Kopieren der Chinesen ist ja wie eine Seuche“, ereiferte sich Fechner, der längst seine Konsequenzen daraus gezogen hat. „Das können Sie nur durch Technologiekompetenz kompensieren.“

Das gelingt dem Konzern zunehmend gut – trotz der Spionage aus Fernost. Nach einer Durststrecke und erheblichen Restrukturierungmühen in den vergangenen Jahren steht der Mittelständler wieder gut da: Alle Sparten schreiben schwarze Zahlen, der Umsatz hat sich 2016 – allerdings auch abrechnungsbedingt – um gut 28 Prozent auf 732 Millionen Euro verbessert, der Auftragseingang bewegte sich mit 624 Millionen Euro oberhalb des Vorjahresniveau. So soll es auch in diesem Jahr bleiben, wenn es nach den Worten Fechners geht. „Wir sind auf einem klaren Wachstumspfad“, sagte der 63-jährige Fechner am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf dazu, der schon seit 2002 an der Spitze des Familienkonzerns steht.

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Der Grund liegt wiederum – in China. Im Osten des Landes, in der Hafenstadt Qingdao, hat Siempelkamp 2015 ein hochmodernes Werk errichtet, das zum wichtigsten Produktionsstandort des Unternehmens neben dem Stammsitz in Krefeld ausgebaut wird. „Dort steht eine komplette Fertigung“, sagte Fechner, der die Internationalisierung des Unternehmens in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben hat.

Der Vorteil: Siempelkamp wird in China als heimisches Unternehmen wahrgenommen, bezieht Komponenten von lokalen Zulieferern und rechnet in der chinesischen Währung ab. Das Bestreben der Regierung in Peking, künftig heimische Firmen bei Aufträgen zu bevorzugen, schreckt Fechner also nicht. Die Qualität ist hoch – auch das Stammwerk Krefeld bezieht Teile aus Qingdao, das inzwischen komplette Anlagen ausliefern kann. Die Belegschaft in China soll Anfang kommenden Jahres noch einmal deutlich aufgestockt werden.

Denn Asien ist mittlerweile einer der wichtigsten Märkte für den Mittelständler aus dem Rheinland. Gut ein Drittel aller Anlagen zur Herstellung von Holz- und Spanplatten hat Siempelkamp dort stehen, damit ergeben sich neue Geschäftsmöglichkeiten im Service und Ersatzteilgeschäft. Den Firmensitz in Krefeld sieht Fechner durch seine Strategie nicht gefährdet – im Gegenteil: „Wir sind in allen Standorten sehr gut ausgelastet“, sagt er.

Dabei haben die deutschen Standorte einige Umbauarbeiten hinter sich: Die Gusstechnik musste 2016 noch einmal Umsatzeinbußen um gut elf Prozent auf 79 Millionen Euro verkraften. Der Markt ist hart umkämpft, dazu tragen auch chinesische Wettbewerber bei. 


Krefelder stellen Behälter für radioaktiven Abfall her

Siempelkamp konzentriert sich verstärkt auf Großgussteile wie Narben für Windkraftanlagern oder Behälter für radioaktiven Abfall, sogenannte Castoren. Laut Fechner angesichts der in vielen Ländern ungeklärten Endlagerung von Atommüll noch auf Jahre ein „sicheres Geschäft.“ Die frühere Sparte Nukleartechnik setzt ihre Kompetenz nicht mehr für den Bau von Atomkraftwerken ein – die ohnehin nicht mehr errichtet werden – sondern in deren Abriss.

Hier liefert Siempelkamp Maschinen und das Ingenieurs-Know-how für die Zerlegung des Reaktorkerns. „Wir haben darin viel Erfahrung“, sagt der Siempelkamp-Chef. „Die Zahl der rückzubauenden Anlagen wird weltweit steigen.“ In den USA hat der Mittelständler schon dabei geholfen, das Atomkraftwerk Zion zu zerlegen, derzeit gebe es aussichtsreiche Gespräche über einen Auftrag zum Rückbau zweier weiterer AKWs.

So treibt Fechner die Expansion in wichtige Auslandsmärkte voran. Nur so – davon ist er überzeugt – kann der Mittelständler mit gut 2.600 Mitarbeitern im internationalen Wettbewerb langfristig überleben. Doch auch wenn Siempelkamp in Zukunft mehr und mehr in Werken außerhalb der Landesgrenze produzieren will – technologische Kernkompetenz belässt Fechner in Krefeld. Das gilt beispielsweise für die Hydraulik und die Automatisierung: „Das ist das Herzstück einer solchen Anlage“, sagt er dazu. Und damit eine Überlebensgarantie für das Stammwerk.  

Quelle:  Handelsblatt Online
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