Industrie 4.0: Was die "Fabrik der Zukunft" für das Steuersystem bedeutet

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GastbeitragIndustrie 4.0: Was die "Fabrik der Zukunft" für das Steuersystem bedeutet

Auf der Hannover Messe zeigt sich, vor welchem Umbruch die Industrie in den kommenden Jahren steht. Doch in einer automatisierten Produktion fehlt der Mensch, auf dessen Arbeit Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden.

Die Steuereinnahmen in Deutschland erzielen einen Rekord nach dem anderen – vor allem aufgrund der hohen Zuwächse bei der Lohn- und Einkommensteuer. Die Steuer auf menschliche Arbeit ist in unserem Land neben der Umsatzsteuer der zentrale Grundpfeiler der Staatsfinanzierung. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen, wenn sich hier ein Zeitenwechsel ankündigt. Auf der gerade stattfindenden Hannover Messe kann man erahnen, wie gravierend sich die Industrieproduktion in den nächsten Jahren verändert.

Zur Autorin

  • Marin Burmester

    Dipl.-Betriebswirtin Marin Burmester ist Steuerberaterin, Fachberaterin für Internationales Steuerrecht und Partnerin bei der Flensburger Kanzlei Nielsen Wiebe & Partner, einem Mitglied bei HLB Deutschland.

Industrie 4.0 ist im Alltag der produzierenden Großbetriebe angekommen – doch was dies jenseits der technischen Faszination von Robotern in der Alltagsproduktion vieler Branchen bedeutet, bleibt bislang unklar. Dass es dabei nunmehr grundlegend um den Ersatz menschlicher Arbeit durch Automatisierung beziehungsweise Robotertechnik geht, macht die Hannover Messe deutlich, wenn auch nicht allen bewusst.

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In der „Fabrik der Zukunft“ wird der Mensch nur noch eingeschränkt gebraucht, weil Maschinen, Autos, Gebäude, ja ganze Fabriken durch Datensysteme im Internet direkt miteinander verbunden werden. Ein selbststeuerndes Auto ist eben vor allem ein führerloses Fahrzeug, es fehlt der Mensch. Und aus Sicht des steuerfinanzierten Gemeinwesens sollte man hinzufügen: es fehlt der Mensch, auf dessen Arbeit Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden.

Die Folgen von Industrie 4.0 für die Branchen in Deutschland bis 2025

  • Maschinenbau

    Anteil am Umsatz des verarbeitenden Gewerbes (Bruttoproduktionswert): 13 %
    Zusätzliches Umsatzwachstum pro Jahr: 2-5 %
    Produktivitätssteigerungen: 7-11 %
    Zahl der Arbeitsplätze: 95.000
    Jährlicher Zuwachs an Arbeitsplätzen: + 0,9 %

    Quelle: Boston Consulting Group

  • Automobilbau

    Anteil am Umsatz des verarbeitenden Gewerbes (Bruttoproduktionswert): 22 %
    Zusätzliches Umsatzwachstum pro Jahr: 2-3 %
    Produktivitätssteigerungen: 6-9 %
    Zahl der Arbeitsplätze: 50.000
    Jährlicher Zuwachs an Arbeitsplätzen: + 0,2 %

    Quelle: Boston Consulting Group

  • Nahrungsmittel

    Anteil am Umsatz des verarbeitenden Gewerbes (Bruttoproduktionswert): 10 %
    Zusätzliches Umsatzwachstum pro Jahr: 2-3 %
    Produktivitätssteigerungen: 5-10 %
    Zahl der Arbeitsplätze: 15.000
    Jährlicher Zuwachs an Arbeitsplätzen: + 0,8 %

    Quelle: Boston Consulting Group

  • Sonstige

    Anteil am Umsatz des verarbeitenden Gewerbes (Bruttoproduktionswert): 55 %
    Zusätzliches Umsatzwachstum pro Jahr: 1-2 %
    Produktivitätssteigerungen: 4-7 %
    Zahl der Arbeitsplätze: 230.000
    Jährlicher Zuwachs an Arbeitsplätzen: + 0,6 %

    Quelle: Boston Consulting Group

  • Gesamt

    Umsatz des verarbeitenden Gewerbes (Bruttoproduktionswert): 2 Billiarden Euro
    Zusätzliches Umsatzwachstum pro Jahr: 20-40 Milliarden Euro
    Produktivitätssteigerungen: 90-150 Milliarden Euro

    Quelle: Boston Consulting Group

Nun geht es nicht darum, einfach eine neue Steuerart zu fordern, nennt man sie nun Robotersteuer oder indirekte Unternehmenssteuer. Es geht aber sehr wohl darum, ungeblendet von den aktuellen Rekordeinnahmen genau hinzuschauen, inwieweit unsere bewährte Steuerbasis mittel- und langfristig erodiert und welche strukturellen Veränderungen in unserem Steuersystem vorgenommen werden müssen, um auch zukünftig unser Gemeinwesen auf eine verlässliche finanzielle Grundlage stellen zu können.

Mehr noch: Es geht um die Wettbewerbsverzerrungen, die eintreten, wenn mittelständische Unternehmen weiter für den Faktor Arbeit hoch belastet werden, während Roboterindustrien entlastet werden.

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Und schließlich geht es auch darum, menschliche Arbeit steuerlich nicht schlechter zu stellen als einen Roboter. Denn eines sollte vermieden werden: dass der menschliche Faktor auch dort verdrängt wird, wo er aus vielerlei Gründen mehr denn je gebraucht wird. Sicherheit, Innovation oder Integration sind nur einige Stichworte. Steuern sollten an die ökonomisch-sozialen Rahmenbedingungen angepasst werden. So gesehen ist es an der Zeit, über die Besteuerung der „Fabrik der Zukunft“ nachzudenken.

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