Industrie-Innovationsindex: Industriekonzerne kaufen Kreativität ein

exklusivIndustrie-Innovationsindex: Industriekonzerne kaufen Kreativität ein

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Innovationen haben es in der deutschen Industrie nicht immer leicht

Die deutsche Industrie beteiligt sich vermehrt an Start-ups, um von deren Kreativität zu profitieren. Wie eine exklusive Studie zeigt, wird dieses externe Wissen aber nicht konsequent genutzt.

Die Innovationsfähigkeit und Innovationskultur der deutschen Industrie ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt die vom Weseler Chemiekonzern Altana in Auftrag gegebene Studie „Industrie-Innovationsindex 2015“, die der WirtschaftsWoche Online exklusiv vorliegt. Demnach ist der Index gegenüber der Erhebung 2014 um 2,5 Punkte auf 139,5 Punkte zurückgegangen.

Als Grund geben die in der Studie befragten Industrie-Manager den globalisierten Wettbewerb, Differenzierungsdruck und die Dynamik der Märkte an. Das seien die größten Herausforderungen des Industriesektors. Trotz des leichten Rückgangs bleibt das Ergebnis der Studie insgesamt positiv: Ein Indexwert größer als 100 bedeutet eine positiv wahrgenommene Innovationsfähigkeit der Industriebranche. „Die deutsche Industrie hat nachweislich eine hohe Innovationskraft und gerade deswegen können wir auch von neuen Marktteilnehmern und anderen Ländern lernen“, sagt Matthias Wolfgruber, Vorstandsvorsitzender von Altana. „Denn Innovationsfähigkeit hat immer auch mit dem Austausch von Wissen zu tun. Ich persönlich schätze den Unternehmermut in den USA.“

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Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

  • Top3-Herausforderungen

    Globalisierter Wettbewerb (42 Prozent sehr große Zustimmung / 39 Prozent eher große Zustimmung / 16 Prozent eher geringe Zustimmung / 4 Prozent überhaupt keine Zustimmung)

    Differenzierungsdruck (38 Prozent / 45 Prozent / 15 Prozent / 1 Prozent)

    Dynamik der Märkte (37 Prozent / 48 Prozent / 14 Prozent / 1 Prozent)

    Quelle: Industrie-Innovationsindex 2015

  • Bedeutung der Innovationsfähigkeit

    Das Bewusstsein für die Relevanz von Innovationsfähigkeit für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ist innerhalb des vergangenen Jahres nicht gestiegen. Sowohl in der Studie 2014 als auch 2015 lag der Schnitt bei 8,7 Punkten auf einer Skala von 0 (unwichtig) bis +10 (sehr wichtig).

  • Nicht-innovative Unternehmen

    Der Anteil der Manager, die ihr eigenes Unternehmen nicht innovativ einschätzen, ist leicht gestiegen. 2014 waren noch 15 Prozent der Manager dieser Meinung, 2015 waren es 18 Prozent.

  • Anspruch und Wirklichkeit

    Die Diskrepanz zwischen der Bedeutung, die der Innovationsfähigkeit zugesprochen wird, und dem Innovationsgrad des eigenen Unternehmens ist leicht gestiegen. Während die Relevanz in beiden Jahren mit 8,7 Punkten bemessen wurde, lag die Einschätzung der eigenen Innovationsfähigkeit 2015 bei 7,0 Punkten. 2014 waren es noch 7,2 Punkte.

  • Innovationsfördernde Maßnahmen

    Fokus auf Kundenbedarfe: 55 Prozent (2014: 46 Prozent)

    Hohe Bereitschaft, in Forschung und Entwicklung zu investieren: 30 Prozent (2014: 22 Prozent)

    Betriebliches Vorschlagswesen: 29 Prozent (2014: 22 Prozent)

    Konstruktiver Umgang mit Fehlern und Rückschlägen: 20 Prozent (2014: 14 Prozent)

    (Auszüge aus der Studie)

  • Industrie-Innovationsindex

    Der Index ist 2015 um 2,5 Punkte auf 139,5 Punkte gesunken. 2014 waren es noch 142,0 Punkte

    Berechnung: Prozentualer Anteil der Personen, die ihr Unternehmen als innovativ einschätzen (Skala 8-10) - Prozentualer Anteil der Personen, die ihr Unternehmen als nicht innovativ einschätzen (Skala 1-3) + 100

Die Studie zeigt, dass es in diesem Bereich noch Luft nach oben gibt: Zwei von fünf Industriemanagern gaben an, dass in ihrem Unternehmen nur eine geringe oder gar keine Risikobereitschaft vorhanden sei. Deshalb greift die Großindustrie oft zu externen Kreativitätsquellen: Jedes fünfte Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern kauft sich der Umfrage zufolge in Gründerfirmen ein, um Innovationen zu fördern und von der Kreativität der Start-ups zu profitieren. Bei kleineren Firmen (mit weniger als 1000 Mitarbeitern) greift nur jedes zehnte Unternehmen zu dieser Strategie.

Doch mit dem reinen Einkauf der kreativen Ideen ist es nicht getan. In mehr als 40 Prozent der Industrieunternehmen werde das extern erworbene Wissen nicht konsequent genutzt. Nur elf Prozent der Firmen nutzen dieses Know-how systematisch, 45 Prozent zum Teil. „Informationen, die sich durch den Austausch mit externen Partnern ergeben, sollten intern systematisch allen Bereichen zur Verfügung gestellt werden, die davon profitieren könnten“, sagt Wolfgruber. „Das setzt eine Unternehmenskultur voraus, die hierarchie- und abteilungsübergreifende Kommunikation nicht nur zulässt, sondern auch gezielt fördert.“

Bei der Innovationskultur liegt der Studie zufolge der Fokus derzeit auf den Kundenbedarfen. 55 Prozent der befragten Manager befürworten das „sehr stark“, 40 Prozent „eher stark“. Die Akzeptanz von unkonventionellem Denken und Handeln ist allerdings weniger stark ausgeprägt. 43 Prozent der Manager messen diesem Punkt eine „eher geringe“ Bedeutung bei. Immerhin: Neben der Bereitschaft, in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist die Zustimmung bei dem abteilungsübergreifenden Austausch und der Förderung eines betrieblichen Vorschlagwesens am stärksten ausgeprägt.

Was ein etabliertes Vorschlagwesen bringen kann, zeigt das Beispiel von Volkswagen. Die Verbesserungsidee eines Zerspanungstechnikers spart dem Autobauer wegen der effizienteren Nutzung der Maschinen in der Komponentenfertigung pro Jahr 317.000 Euro. Insgesamt haben die VW-Mitarbeiter 2014 über 66.000 Verbesserungsvorschläge eingebracht. Das gesamte Einsparvolumen beziffern die Wolfsburger laut einer Mitteilung auf 111,6 Millionen Euro. 21,7 Millionen Euro wurden als Prämien an die Ideengeber ausgezahlt.

Für die Umfrage führte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Altana Ende 2014 insgesamt 500 Telefoninterviews mit Vertretern aus Industrieunternehmen ab 250 Mitarbeitern durch. Neben 250 Vorstandsmitgliedern, Geschäftsführern und Bereichsleitern wurden auch 250 Berufseinsteiger (18 bis 35 Jahre, Berufserfahrung zwei bis fünf Jahre) interviewt. Diese Zweiteilung soll einen Abgleich zwischen der Manager- und Mitarbeiterperspektive ermöglichen. 2014 wurde der „Industrie-Innovationsindex“ zum ersten Mal erhoben.

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