Industrie: Übernahme-Erfolg bei Linde wird sich zeigen

KommentarIndustrie: Übernahme-Erfolg bei Linde wird sich zeigen

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Wolfgang Reitzle hat Linde auf Fordermann gebracht, alle Früchte seiner Bemühungen wird er aber nicht ernten können

von Andreas Wildhagen

Wolfgang Reitzle verlässt den Konzern 2014. Ein Nachfolger wird gesucht. Der Konzern sieht Lincare-Übernahme bereits als verdaut an. Die Unternehmenszahlen profitieren zumindest kurzfristig.

Linde ist eines der bekanntesten und angesehensten Industrieunternehmen Deutschlands. Aber kaum jemand kann etwas mit seinen Produkten anfangen: Das sind technische Gase, die in der Medizin, in der Lebensmittelindustrie und in der Verpackungstechnik verwendet werden. Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der seit 2002 Vorstand ist, war früher einmal Entwicklungsleiter von BMW und später Chef der Luxusmarken von Ford: Aston Martin, Jaguar und Lincoln – bevor er zum eher langweiligen Linde-Konzern stieß.

Atemberaubende Wachstumsstrecke

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Reitzle, der bis 2002 ein Suchender war, hatte von nun ab den Olymp der Industrie erreicht. Da das Unternehmen, das er nun anführte, im Gegensatz zu den Vorgänger-Arbeitgebern von Reitzle wenig Glamouröses zu bieten hat, konzentrierte sich Reitzle auf das Handwerkliche, das er allerdings bravourös vollführte. Erst entschlackte er Linde von Geschäften, die nichts mit dem Gase-Geschäft zu tun haben – Linde Kühltechnik und Linde-Gabelstapler - und legte dann eine atemberaubende Wachstumsstrecke hin, via Fusionen.

Höhere Nachfrage Linde baut seine Gewinne aus

Das vergangene Quartal lief für Linde besser als Analysten erwartet hatten.

Das Logo der Linde AG auf Wasserstoff-Flaschen. Quelle: dpa

Der mittlerweile 63-Jährige schluckte in einem viel beachteten internationalen Coup den britischen Gasekonkurrenten BOC, der vorher eigentlich Linde übernehmen wollte. Danach beschäftigte Reitzle sich mit dem Abbau von Schulden und der Konsolidierung und Integration von BOC und Linde. Damit hatte er abseits der großen Schlagzeilen alle Hände voll zu tun.

Übernahme-Erfolg wird sich noch zeigen

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In diesem Sommer wartete Reitzle noch einmal mit einer Wachstumsstory auf. Mit der Übernahme des 3,6 Milliarden Euro teuren US-Gaseherstellers Lincare, einem Hersteller medizinischer Gase, mutet Reitzle seiner Linde noch einmal einen tiefgreifenden Integrationsprozess zu. Die Früchte ernten wird er nicht in vollem Umfang. Zwar sieht der Konzern die Lincare-Übernahme als schon verdaut an und verweist auf die weiterhin hohen Bonitätsratings der Ratingagenturen. Brancheninsider jedoch sehen das als etwas zu optimistisch an. Die Übernahme hat die Schulden des Konzerns zumindest kräftig anschwellen lassen. Von Januar bis Ende September sind die Nettofinanzschulden um 3,4 Milliarden Euro auf 8,5 Milliarden Euro gestiegen. Linde hatte die Übernahme im August abgeschlossen. Zuvor hatte der Konzern bereits ein Medizingase-Geschäft vom US-Konkurrenten Air Products übernommen. Auch dies trieb die Schulden in die Höhe. Es werden schätzungsweise zwei bis drei Jahre gebraucht, um Lincare in Linde zu integrieren. Erst dann wird sich herausstellen, ob Lincare ein guter Griff war oder ein schlechter.

In dieser Stunde der Wahrheit wird sich Reitzle jedoch nicht mehr an der Spitze des Konzerns befinden, Ambitionen gleich nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat zu wechseln, werden aus München nicht kommentiert. Der Reitzle-Nachfolger, nach dem der Aufsichtsrat jetzt schon seine Fühler ausstreckt, wird im Mai 2014 den Linde-Frühling genießen und nach dem nächsten Übernahmehappen Ausschau halten.

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