Deutschlands beste Mittelständler: Der neue Stil der Hidden Champions

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Deutschlands beste Mittelständler: Der neue Stil der Hidden Champions

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Mittelständische Marken im Ranking: Weltmarktführer der deutschen Familienunternehmen.

von Matthias Kamp

Deutschlands beste Familienunternehmen expandieren weltweit. Der Patriarch, der möglichst still und unauffällig führt, hat heute ausgedient. Stattdessen brauchen auch Mittelständler einen ansprechenden Markenauftritt.

Die Belastbarkeit einer Schraube kann man ziemlich genau berechnen und messen. „Klebstoff dagegen ist eigentlich blöd, denn da ist das schwieriger“, sagt Sabine Herold, Geschäftsführerin bei Delo, einem Hersteller von Industrieklebstoffen im bayrischen Windach bei München. Die Kunden, sagt Herold, kennen nicht alle Faktoren, auf die es beim Kleben ankommt. „Sie brauchen darum unsere Beratung.“

Delo gilt in der Branche als einer der bedeutendsten Anbieter der Welt. Mit Klebstoffen von Delo befestigen Hersteller von Notebooks und Smartphones die Minilautsprecher in ihren Geräten. Autobauer fixieren damit etwa die kleinen Piepser der Sicherheitsgurte, die den Fahrer zum Anschnallen auffordern. Und bei EC- und Kreditkarten findet sich der Kleber aus Bayern an den Chips unter dem kleinen goldenen Kontakt in der Mitte. Delo hat hier weltweit einen Marktanteil von 80 Prozent.

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Bester Aufsteiger: Delo

Damit landet das Unternehmen zum ersten Mal unter den Top 20 der deutschen Mittelständler mit den stärksten Marken – und auf Anhieb auf Platz vier. Die Rangliste erstellte die Münchner Beratung Biesalski & Company zum dritten Mal nach 2011 und 2013 exklusiv für die WirtschaftsWoche. Biesalski untersucht den Stellenwert der Marke deutscher Weltmarktführer. Berücksichtig werden Unternehmen, die im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre bis zu 1,1 Milliarden Euro erwirtschafteten und ganz oder mehrheitlich in Familienbesitz sind. Der Platz im Ranking ergibt sich aus der Performance der Marke und dem wirtschaftlichen Erfolg.

Hüterin der Kronjuwelen: Delo-Chefin Herold hält die Rezepturen ihrer Klebstoffe streng geheim. Quelle: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche

Hüterin der Kronjuwelen: Delo-Chefin Herold hält die Rezepturen ihrer Klebstoffe streng geheim.

Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche

„Gerade weil unser Produkt auf den ersten Blick schwer verständlich ist, ist Vertrauen bei unseren Kunden enorm wichtig“, sagt Delo-Geschäftsführerin Herold, „und darum ist Markenbildung für uns sehr wichtig, auch wenn wir gar nicht im Geschäft mit Endverbrauchern unterwegs sind.“

Studienleiter und Biesalski-Partner Tomasz de Crignis lobt vor allem, dass die Geschäftsführung großen Wert auf interne und externe Kommunikation lege. „Für einen Mittelständler ist das sehr professionell und damit ungewöhnlich“, sagt de Crignis.

Zur Studie

  • Exklusives Ranking

    Die Studie „Die Marken der deutschen Hidden Champions 2015“ untersucht nach 2011 und 2013 zum dritten Mal die Bedeutung der eigenen Marke für den wirtschaftlichen Erfolg, den mittelständische deutsche Firmen im Geschäft mit anderen Unternehmen haben. Berücksichtigt wurden von Eigentümern geführte Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind und maximal 1,1 Milliarden Euro umsetzen. 285 Branchenexperten wurden dazu befragt. Der Marken-Performance-Index beschreibt den Erfolg der Marke. Der Unternehmens-Performance-Index bewertet unter anderem Umsatzwachstum, Rentabilität und Innovationskraft.

Vom traditionellen, oft patriarchalischen Führungsstil, bei dem sich der Chef nicht in die Karten schauen lässt, hält Delo-Geschäftsführerin Herold gar nichts. „Wir suchen für unser Unternehmen kluge und aktive Mitarbeiter“, sagt Herold, „die wollen wissen, was los ist.“ Bei einschlägigen Umfragen schneidet Delo denn auch regelmäßig als einer der beliebtesten Arbeitgeber des Landes ab.

Damit markiert der Mittelständler aus dem Süden Bayerns offenbar einen Trendwechsel. Im Zuge der Globalisierung des Geschäfts hat sich der traditionelle mittelständische, vielfach eigenbrötlerische Unternehmenspatriarch überlebt. Zwar spielt eine starke Führungspersönlichkeit bei vielen Weltmarktführern aus dem Mittelstand immer noch eine wichtige Rolle. „Aber sie werden kommunikativer“, sagt de Crignis. Früher hätten die Chefs und Gründer nicht gewollt, dass über sie geredet wird, sagt der Berater. „Das wird weniger. Viele der stillen Weltmarktführer sind nicht mehr so still.“

Die Top 10 der Weltmarktführer im deutschen Mittelstand

  • Platz 10

    Peri

    Branche: Schalungen / Gerüste

    Marken-Performance*: 54,9
    Unternehmens-Performance*: 68,2
    Gesamt-Performance²: 123,1

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 9

    Kaeser

    Branche: Kompressoren
    Marken-Performance*: 61,9
    Unternehmens-Performance*: 63,1
    Gesamt-Performance²:124,9

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 8

    Duravit

    Branche: Badausstattung

    Marken-Performance*: 65,0
    Unternehmens-Performance*: 61,9

    Gesamt-Performance²: 126,9

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 7

    Haver & Boecker

    Branche: Drahtweberei / Maschinenbau

    Marken-Performance*: 68,7

    Unternehmens-Performance*: 60,6
    Gesamt-Performance²: 129,3

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 6

    Grimme Landmaschinenfabrik

    Branche: Landmaschinen
    Marken-Performance*: 66,6
    Unternehmens-Performance*: 64,6
    Gesamt-Performance²:131,2

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 5

    Windmöller & Hölscher

    Branche: Verpackungsmaschinen
    Marken-Performance*: 72,7
    Unternehmens-Performance*: 61,3
    Gesamt-Performance²:134,0

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 4

    Delo

    Branche: Industrieklebstoffe
    Marken-Performance*: 69,2
    Unternehmens-Performance*: 68,6
    Gesamt-Performance²: 137,7

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 3

    Lürssen Maritime Beteiligungen

    Branche: Schiffbau
    Marken-Performance*: 74,7
    Unternehmens-Performance*: 64,2
    Gesamt-Performance²: 138,9

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 2

    Otto Bock

    Branche: Prothesen
    Marken-Performance*: 70,7
    Unternehmens-Performance*: 73,1
    Gesamt-Performance²: 143,8

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 1

    Herrenknecht

    Branche: Tunnelbohrmaschinen
    Marken-Performance*: 72,8
    Unternehmens-Performance*: 76,6
    Gesamt-Performance²: 149,4

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

Bei einem Punkt wird Delo-Chefin Herold, die das Unternehmen 1997 zusammen mit ihrem Mann im Rahmen eines Management-Buy-outs kaufte, schmallippig: bei den Rezepturen für die Klebstoffe. „Das sind unsere Kronjuwelen“, sagt Herold, „und Kronjuwelen gehören weggeschlossen.“ Aus diesem Grund lässt Delo nicht jede Innovation patentieren. Denn dann müsste das Unternehmen die Rezeptur zumindest gegenüber dem Patentamt offenlegen, was die Gefahr des Know-how-Diebstahls erhöhen würde.

Etwa 15 Prozent des Umsatzes von zuletzt 74 Millionen Euro investiert der Klebstoffhersteller mit insgesamt 450 Mitarbeitern in die Forschung und Entwicklung (F+E). Üblich sind in der Branche zwischen drei und vier Prozent. Den Erfolg des Unternehmens, das inzwischen 70 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielt, führt de Crignis auch auf Kreativität und Innovationsfreude zurück. „Das Unternehmen ist extrem forschungsorientiert“, sagt de Crignis.

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2 Kommentare zu Deutschlands beste Mittelständler: Der neue Stil der Hidden Champions

  • Ich selbst entwickle mit meinen Kollegen in fortschrittlichen Firmen (Hidden Champions) und Banken sowie Öffentlichen Verwaltungen zukunftstaugliche Organisations-Kulturen und Compliance-Systeme. Wobei mit Führungskräften und Schlüsselmitarbeitern "neue Standards" der Zusammenarbeit (intern wie extern) erarbeitet und realisiert werden.
    Die Führungskraft des 21.Jhrts muss deshalb Management und Führung gleichrangig ausbalancieren können. Die meisten leiden aber an ZUVIEL Zahlen-Management und dem ZUWENIG an Menschenführung. So bekommt man die Ausführenden nicht aus Ihrer "analogen Komfortzone" bzw. dass sie zu Mitentscheidern werden. Die Zeit des einsamen Entscheidens neigt sich dem Ende zu. Korn/Ferry International hat in seiner Studie Development Leadership for the 21st Century festgestellt, dass Unternehmen zukünftig von gemischten Teams geführt werden. Einig sind sie sich auch darin, dass Kontrolle dabei von oben kontraproduktiv ist. Wer andere führen will, muss sich daher zuerst selbst führen können. Führung ist daher kein Stilmittel, wie immer behauptet wird, sondern die Fähigkeit, mit anderen intelligent - auf Augenhöhe zu kommunizieren und Wissen, Können und Talent zur Entfaltung zu bringen - was man leider bei Führungskräften vermisst. Wie das geht lesen Sie in meinem neuen eBook "Führung 5.0: Intelligent vernetzen - unterstützen - entfalten", erschienen im ebookVerlag Bookboon. Herunterladbar unter 'Schust' www.bookboon.com. Es ist von der Uni St. Gallen/Schweiz als herausragender Führungsleitfaden empfohlen. Bitte empfehlen auch Sie es weiter.

  • Wie sich Mittelständler erfolgreich im Markt positionieren und ihre Mitarbeiter stets neu motivieren.
    Tja, was sagt man denn dazu?
    Immer wieder das selbe Denk- und Handlungsmuster. Manager zum Personalentwickler: "Wie kann ich meine Mitarbeiter besser motivieren?" Ein zielsicherer Griff in die psychologische Werkzeugkiste und schon ist das Problem mit gekonnter Technik gelöst.
    Die Motivation beschreibt den Eigenantrieb, das intrinsische Ich. Die Motivierung und das meinen die Manager und Personaler zumeist, ist der Versuch, die Motivation des Mitarbeiters durch Anreizsysteme beeinflussen zu können. Das ist Manipulation, nicht mehr und auch nicht weniger. Im Regelfalle geht dieser Schritt mittel- und langfristig nach hinten los. Das Anreizsystem, dass zumeist an der Motivation der Mitarbeiter vorbeigeht, löst einen inneren Widerstand aus, der immer häufiger in der inneren Emigration und den Eintritt in den inneren Vorruhestand auslöst. Vor allem jüngere Mitarbeiter haben häufig die Erfahrung eines Kindes aus einem Alleinerziehendenhaushaltes gemacht, mit der Folge, dass sie sehr früh selbständiger und eigenverantwortlicher Denken und Handeln. Dann kommen gesellschaftliche, schulische und andere soziale Erfahrungen hinzu, die die Mitarbeiter zu positiv kritischen Zeitgeistern formen. Diese Mitarbeiter sind wie Generationen vor Ihnen gerne bereit, genauso hart zu arbeiten und sich zu engagieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, wie weit die authentischen Ziele und Werte des Unternehmens mit den eigenen übereinstimmen. Stimmen diese Werte nicht überein, dann erfolgt die Kompensation eben im Freizeitbereich, mit der Folge der Entwicklung einer Schonhaltung im Unternehmen.
    Motivierung, auch wenn als handwerkliches Modell, noch so verlockend, läuft Gefahr regelmäßig genau das Gegenteil der ursprünglichen Absicht zu erreichen. Nichts ersetzt die authentische Führungskraft mit Identifikationscharakter. Und das ist eben nicht erlernbar.

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