Digitalisierung: Was die Deutschen von der Arbeit der Zukunft erwarten

Industrie 4.0

Digitalisierung: Was die Deutschen von der Arbeit der Zukunft erwarten

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Industrie 4.0 in Made in Germany

von Max Haerder

Das Bundesarbeitsministerium hat eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben. Das Ziel: Zu erfahren, was wir von der Berufswelt wollen – heute und morgen.

Viele Wochen Arbeit, gut tausend Interviews und mehr als 1500 Stunden Material – das war die Grundlage für eine der umfangreichsten Studien über die Wertvorstellung der Deutschen in Bezug auf ihr Berufsleben. Das Bremer Institut Nextpractice hat die Untersuchung namens „Wertestudie Arbeiten 4.0“ für das Bundesarbeitsministerium durchgeführt. Das Ergebnis dürfte die detaillierteste derzeit verfügbare Nahaufnahme auf die deutsche Arbeitswelt sein. Wie empfinden wir unsere Tätigkeiten? Welche Werte sind uns wichtig? Wie hat sich die Berufswelt verändert? Und was erwarten wir von der Zukunft – eine goldenen Zeit oder den Verlust liebgewonnener Sicherheiten? Die wichtigste Erkenntnis: Dieses „Wir“ gibt es nicht. Es gibt vielmehr – das haben die Bremer Forscher im Detail herausgearbeitet – sieben verschiedene Strömungen, „Wertewelten“ genannt, die man als repräsentative Teilgruppen der gesamten Gesellschaft ansehen darf. Und diese Gruppen mit ihren je eigenen Ansprüchen widersprechen sich sehr.

So entwickeln Sie die richtige Digitalstrategie

  • Analysieren Sie die aktuelle Situation

    Bernd Holitzner ist seit 2010 Geschäftsführer des Beratungsunternehmens menovo GmbH, das sich auf Automation, Optimierung und Beratung von Geschäftsprozessen spezialisiert hat.

    Er rät: "Ermitteln Sie den aktuellen Prozessablauf – über Abteilungsgrenzen hinweg. Stellen Sie Start- und Endpunkt des Gesamtprozesses fest und definieren Sie Haupt- und Subprozesse. Zum Schluss eruieren Sie die verwendeten Tools. Wahrscheinlich haben Sie erste Schwachstellen und Optimierungspotenziale aufgedeckt. Jetzt können Sie sich vergewissern, ob die gestellte Anforderung diese berücksichtigt."

  • Prüfen Sie die Unternehmensstrategie

    "Prüfen Sie, ob die Anforderung die Unternehmensstrategie berücksichtigt. Ein Beispiel ist der Onboarding-Prozess. Die IT-Abteilung erwartet, dass Software installiert und Berechtigungen angelegt werden. Die Unternehmensstrategie fordert, dass der Prozess effizienter wird. Diese Bedürfnisse müssen Sie in Einklang bringen."

  • Optimieren Sie den Prozess.

    "Analysieren Sie die Optimierungspotenziale des aktuellen Prozesses. Das sind Prozessschritte, die die Unternehmensstrategie nicht unterstützen. Wenn Sie eine fundierte Auswertung benötigen, führen Sie eine Prozesskennzahlenanalyse durch. Dokumentieren Sie die Optimierung anschließend detailliert."

  • Finden Sie heraus, ob Technik den Prozess unterstützen muss

    "Anhand des Optimierungskonzeptes erkennen Sie, wo technische Unterstützung sinnvoll ist. Formulieren Sie, welchen Bedarf die Technik erfüllen soll. Soll die Fehleranfälligkeit im Dokumentenmanagement reduziert werden? Sollen Informationen firmenweit zugänglich werden?"

  • Analysieren Sie vorhandene Technik

    "Häufig existieren in Unternehmen Tools, die die Anforderungen erfüllen. Durch Kommunikationsdefizite oder mangelnde Prozesskenntnis werden diese nicht berücksichtigt. Überprüfen Sie genauer den Nutzen und die Potenziale der eingesetzten Tools. Erfüllen bestimmte Tools den Bedarf nicht? Dann untersuchen Sie mit der gleichen Akribie die Auswahl neuer Tools."

  • Stellen Sie sicher, dass die Technik anpassungsfähig ist.

    "Heutzutage ändert sich der Bedarf eines Unternehmens kontinuierlich. Stellen Sie sicher, dass Tools schnell und mit geringem Aufwand angepasst werden können. Zum Beispiel indem Funktionen via Konfiguration geändert werden können."

  • Bleiben Sie am Ball

    "Nachdem die Digitalisierung erfolgreich umgesetzt wurde, ist die größte Herausforderung, sie kontinuierlich anzupassen. Der digitale Prozess muss kontrolliert, hinterfragt und weiterentwickelt werden."

„Die Interessenlagen der sieben Wertewelten stehen sich zum Teil diametral gegenüber“, heißt es in der Studie. „Was für die einen ein wünschenswertes Szenario ist, ist für die anderen ein bedrohliches Szenario.“ Da wäre, zum Beispiel, die Wertewelt „Sorgenfrei von der Arbeit leben können“, für die eine planbare kleine Karriere, bescheidenes Auskommen und ein absichernder Staat wichtig sind. Etwas mehr als ein Viertel der Befragten gehört in diese Gruppe. Hier dominiert das Gefühl, dass die Arbeitswelt seit den 1990er Jahren immer weniger den eigenen Idealvorstellungen entspricht und sich die persönliche Situation zukünftig eher verschlechtern wird. Es gibt auch die Wertewelt „Sinn außerhalb der Arbeit suchen“ (rund 13 Prozent), deren Vertreter altruistisch geprägt sind, uneigennützig handeln und starke Umverteilung bevorzugen.

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Selbstentfaltung steht im Vordergrund. Generelle Kritik an der Erwerbsarbeit ist hier ebenfalls zu finden. Und da wäre am anderen Ende des Spektrums die Wertewelt „Engagiert Höchstleistungen erzielen“, zu der rund ein Zehntel zu zählen ist. Hier prägen Werte wie Verantwortung, Effizienz und Leistungsstreben das Bild. Die rasante Entwicklung von Wirtschaft wird als positiv empfunden. Es dominiert überhaupt eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeitswelt von heute. Insgesamt lässt sich grob eine Drittelung der Gesellschaft mit sehr verschiedenen historischen Präferenzen konstatieren.

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Während das eine Drittel den Wert der Solidarität in den Vordergrund rückt und die perfekte Job-Welt eher in der Vergangenheit verortet, betont ein zweites Drittel die Flexibilität. Hier besteht die größte Hoffnung auf eine künftig weiter digitalisierte Arbeit, die mehr Raum für persönliche Lösungen zulässt. Die Gruppe der Leistungsbezogenen sieht ihre Vorstellungen hingegen schon heute recht gut erreicht. „Die Topografie der insgesamt sieben Wertewelten Könnte unterschiedlicher nicht sein“, schreiben die Nextpractice-Forscher. Als Bilanz bleibt zudem ein wachsendes Unbehagen mit der heutigen Arbeitswelt, weil sie zu viele als Verlierer der Entwicklung wahrnehmen. „Insofern ist es die große Aufgabe der Politik, den Rahmen dafür zu setzen, dass Effizienzgewinne der zukünftigen technischen Entwicklung nicht zu weiterem Konkurrenzkampf und Arbeitsdruck führen, sondern gesellschaftliche Verteilungspileräume eröffnen“, heißt es in den Schlussfolgerungen. Für die Auftraggeberin, Arbeitsministerin Andrea Nahles, beschreibt das eine schwierige Reise in unwegsamem Gelände.

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